Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1855)
- Date
- 1855-08-13
- Page
- Seite 423 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 1× ep/1048155
- Ukraine 1× ep/1001131
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423 Rußlaod. Als jüngst die Nachricht von günstiger Wendung des Geschickes unsrer Glaubensgenossen in Rußland zu unS gelangte, sagten wir: „Vor Allem Thatsachen!" WaS wir darauf hörten, war: daß die Vorrechte der getauften Juden bei der Recrutirung und einige drückende Ausnahmsgesetze hinsichtlich deS Militairdienstes aufgehoben worden. Ob nun die folgenden Nachrichten ebenfalls so günstige Thatsachen enthalten, überlassen wir dem Urtheil der Leser — ach, waS man wünscht, daS glaubt man so leicht! Warschau, 22. Juli. Ein UkaS des Kaisers verbietet den Juden die fernere Ansiedelung und Erwerbung von Grundeigenthum als Ackerbauer in den Gouvernements Tschernigow und Poltawa. (Man denke an die günstigen Berichte von den Judencolonien in der Ukraine, die wir jüngst aus Mi tau gebracht! Schon mehrere Male wurden die Juden in Rußland zum Ackerbau aufgefordert, und wenn sie sich zahlreich gemeldet — dann wurde ihre Uebersiedelung verboten!) Petersburg, 6. Juli. Einer Verordnung zufolge sollen nach Verlauf von 20 Jahren keine Rabbiner und sonstige jüdische Schullehrer concessionirt werden, die nicht den CursuS in den vom Staate überwachten Rabbiner-Instituten oder auf Gymnasien und sonstigen Mittelschulen mit dem vorgeschriebenen Prüfungs- Atteste absolvirt haben. Aus Polen, im Juli. Aus dem Königreich Polen werden dem C.-B. vom 23. Juli nachstehende Mittheilungen gemacht: Die ungünstige Stellung, welche die Juden bisher eingenommen haben, wird, obschon die Beschränkungen in mancher Beziehung austecht erhalten bleiben, doch nach vielen Seiten hin wesentlich umgestaltet. So ist die Absicht, in jedem Gouvernement eine besondere Behörde für das israelitische CultuS- und UnterrichtSwesen herzustellen, an welcher die intelligentesten Israeliten deS Departements Theil nehmen sollen. Auch sür die gewerblichen Verhältnisse der Juden beginnt eine neue Aera dadurch, daß ihnen die Gilden eröffnet werden. Bisher mußte der Jsraelite, um an den Vortheilen der Gilden Theil zu nehmen, sein Geschäft und seine Capitalien nicht selten den un-! zuverlässigen Händen eines untergeordnetenDienerS an-! vertrauen, der seinen Namen hergab. Die Eremtion der I jüdischen Familien, welche in die orthodore Kirche übergetreten sind, vom Militairdienst wurde schon bei den letzten Recrutirungen nicht mehr berücksichtigt und ist jetzt durch Kaiser!, Ukas aufgehoben worden. Douaufürstenthümer. Wien, 25. Juli. (W. Z.) Ein von der Pforte befürwortetes Gesuch der Israeliten, daß sie in den Staatsdienst ausgenommen werden und Grundbesitz erwerben dürften, ist von dem Divan der Moldau abgewiesen worden. Die Großbojaren, deren unordentliche Wirthschaft weltbekannt, fürchten die Concurrenz der Israeliten. Afrika. Tunis. Der neue Bey hat den vr. Abram NuneS VaiS, ersten Medico - Chirurg deS Artillerieregiments, zum ProtomedicuS erhoben, an feine Stelle aber den vr. Benjamin Boccaro, einen Israeliten zu Livorno, gesetzt. (Nach Läueat. israel.) Correfpondeuz. Bericht über die zweite Rabbiner-Conferenz, abgehalteu zu Gießen am 11., 12. und 13. Zum 1855. (Schluß.) Es werden hierauf folgende weitere Anträge einge- 11) Formstecher: Die gegenwärtige Conferenz möge die einzelnen Theile der Trauungs-Agende diScutiren und darüber Beschluß fassen, damit diese Beschlüsse dem liturgischen Ausschüsse als Basis vorliegen; 12) Derselbe: Man einige sich über ein gleichmäßiges Formular in deutsch er Sprachefürden 8elitär chaliza; 13) Levi, im Namen Levison's von Worms: es sei eine deutsche zur Vorlesung geeignete Uebersetzung des Traubriefes (rrmro) zu veranlassen; 14) Derselbe im Namen desselben. Anfrage: ob es unbedenklich erscheine, wenn die Confirmanden das Glaubensbckcnntniß mit einem Gelöbniß in Form eines Schwurs bekräftigen. Im verneinenden Falle wolle die Conferenz sich über eine sonst geeignete Form aussprechen. 33