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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-08-13 · Heft 33 (13.8.1855) · p. Seite 421

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 33 (13.8.1855)
Date
1855-08-13
Page
Seite 421 (sequence 7)
Language
German
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421 Verkehrs gegen die Juden, welches bereits gegen aargauische Juden mitunter aus die drückendste Weise angewendet werden soll. Nach Art. 29. der Bundesverfassung haben die aargauischen Juden, deren Eigenschaft als aargauische Angehörige und Schweizerbürger durch Bundesbeschlüsse und neuere gesetzgeberische Verfügungen im eigenen Canton außer Zweifel gesetzt ist, offenbar das volle Recht, im Handel und Verkehr den übrigen Schweizerbürgern gleich behandelt zu werden." ES ist also rechtlich festgestellt und an competenter Stelle anerkannt, daß die Juden Angehörige deS CantonS Aargau und Schweizerbürger sind. Mehr bedarf es nicht; die hierauf bezüglichen Consequenzen können nicht auSbleiben. — Die in diesen Blattern schon einmal berührte Aufhebung der Ausnahmsgesetze von l809 ist beim aargauischen Großen Rathe in erster Berathung ohne Discusfion durchgegangen. B. Italien. Florenz, im Juni. Bei der stattgefundenen öffentlichen Ausstellung der Horticultur und Gärtnerei in Florenz haben zwei Israeliten Medaillen erworben, nämlich die Herren Cesare Franchetti und Carlo Luzzatti. (Nach dem Läue. isrsel.) Ans Oberitalieu, im Juli. Die Redaction wird ersucht, zu erklären, daß die Nachricht, ein Herr Dr. Levi in BreSlau sei zum Professor am Rabbiner- Institute in Padua gewählt worden, völlig auS der Luft gegriffen fei. An diesem Institute sind nur zwei Lehrstühle, und diese find auf'S Würdigste besetzt. Eine Vermehrung dieser Lehrstühle steht nicht in Aussicht. Frankreich. Paris, im August. Die erste Nummer des Bien ck'lsrsel ist uns aus Muhlhouse zugekommen. Sie enthält einen Aufsatz vom Redacteur Herrn Dreyfuß, worin er nochmals auseinandersetzt, wie wichtig eS fei, daß die französischen Rabbinen ein Organ haben — Herr Dreyfuß huldigt, bei der besten Absicht, zu sehr hierarchischen Ansichten, die, dem französischen KatholiciSmuS nachgebildet, doch nur unjüdisch find, da daS orthodoxe Judenthum ja gar keinen Unterschied zwischen Rabbinen und Nichtrabbinen kennt. Er hofft durch die Stärkung deS RabbinerstandeS das Judenthum zu stärken — ja, durch innere Stärkung, aber nur nicht durch äußere Absonderung, äußere Gewalthabe, äußere Standesrechte. Und dann: der Zweck heiligt nie die Mittel, und da einmal hierarchische Verfassung und Berechtigung kein jüdisches Mittel ist, so müssen wir uns dafür bedanken. — Außerdem enthält daS Blatt nur Nachrichten, zumeist übersetzt, also nichts Besonderes, was nicht die anderen französischen Zeitschriften. Wir heben Folgendes hervor: Am 4. Juli fand in Paris die Beschneidung eines katholischen Priesters statt, welcher zum Judenthume übergetreten. Herr Erba ist der Sohn eines getauften Juden, aus der Lombardei, war Vicarius und Professor des kanonischen Rechtes in Mailand, 36 Jahre alt. Seit langer Zeit hegte er den Wunsch, Jude zu werden, ließ sich der Priesterweihe entheben, ging nach Turin, Marseille und Paris, und nach mannichfaltiger Prüfung und Abweisung wurde seinem Verlangen Genüge geleistet, um so mehr, da Herr Erba weder sich verheirathen, noch den Schatten einer Unterstützung beanspruchen will, also die reinsten Abfichten hegt. Herr Erba bestand die Beschneidung vortrefflich, in zwei Minuten war fie vollbracht, am zweiten Tage geheilt, ohne daß er, wie er sagte, viele Schmerzen gehabt — ein Beweis, wie unbedeutend diese Operation für ein achttägiges Kind ist. Herr Erba hat Paris wieder verlassen, und ist nach Italien zurückgekehrt. Großbritannien. London, 13. Juli. Der Versuch, von dem wir in Nr. 31. berichteten, ist also doch verpufft. Oberhaus. Sitzung am 12. Juli. Lord Lyndhurst zeigt an, daß er sich gedrungen fühlt, den Vorstellungen, mit denen man ihn von vielen Seiten bestürmt hat, Gehör zu geben und die Abschwörungs- Eid-Bill, deren zweite Lesung auf kommenden Dienstag festgesetzt war, fallen zu lassen. Nicht nur die vrincipiellen Gegner der Maßregel, sondern edle Mitglieder, von denen er wirksamern Beistand erwartet harre, deuteten auf die späte SessionSzeit, und ihrem Andringen weichend, ziehe er somit die Bill zurück. (Hört, hört!) — London, im Juli. In einer Versammlung der Wähler der City von London ist beschlossen worden, den Baron L. v. Rothschild nicht mehr inS Parla-

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