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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-08-13 · Heft 33 (13.8.1855) · p. Seite 420

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 33 (13.8.1855)
Date
1855-08-13
Page
Seite 420 (sequence 6)
Language
German
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420 viele Ehre." Als Anerkennung dieser Gesinnungen ließ Se. Majestät vor der Abreise durch einen Adjutanten Herrn Nierenstein eine kostbare Tabatiere zustellen. — Herr Nierenstein ist, bei einem rechtschaffenen, höchst achtbaren Charakter, in religiöser Beziehung der alten strenggläubigen Richtung angehörig und trägt sogar noch den altmodischen polnischen Talar. — Möge die Zukunft die Hoffnungen wahr werden lassen, zu denen die österreichischen Juden durch die Herzens-Vorzüge ihres Kaisers sich für berechtigt halten. — Indessen — bis zur definitiven Regelung der jüdischen Angelegenheiten suchen die Behörden veraltete, längst in Vergessenheit gerathene Gesetze wieder hervor, um sie mit aller Strenge in Ausführung zu bringen. So besagt ein altes Gesetz, daß in den Grenzbezirken innerhalb der Entfernung von einer Meile von den äußern Reichsgrenzen keine Juden auf dem Lande wohnen dürfen. Hier im Krakauer Gebiete, wo zu Zeiten der Freistavt kein solches Gesetz bestanden, wohnten seit mehreren Jahren viele jüdische Familien auf dem Lande, gegen die russischen und preußischen Grenzen zu, und lebten theilS vom Ackerbau, theils von andren ländlichen Gewerben. — Diese wurden nun in neuester Zeit, nachdem sie der Aufforderung, in die Stadt zu ziehen, keine Folge geleistet haben, durch die GenSd'armerie von Haus und Hof vertrieben und bis hierher eScortirt. Es war herzzerreißend, zu sehen, wie diese Armen all ihr Eigenthum, Mobilien und Immobilien im Stiche lassen mußten, und wie sie Alle, Männer, Frauen und Kinder, von Bewaffneten begleitet, hierher gebracht wurden, wo sie ohne Unterkunft und Unterhalt blieben. Der Rabbiner Herr Meisels begiebt sich dieser Tage nach Wien, um höhern OrtS einige Linderung des Schicksals dieser armen Erilirten nachzusuchen. — Möge ihn GotleS Beistand dieses erreichen lassen! — Lemberg, im August. Man macht es der Redaction dieser Zeitung bisweilen zum Vorwurf, daß sie mit allzugroßer Vorliebe edle Thaten, von Glaubensgenossen verübt, aufführte. Wir haben deshalb über die schöne Bethäligung der Lemberger Juden geschwiegen, bis wiederholt die öffentlichen Blätter davon berichteten, obschon gerade die Leichtigkeit, mit der die Leute unsere „polnischen" Glaubensgenossen schmähen, den Bericht über die erhabene Gesinnung, welche sie hier erwiesen, um so erforderlicher, gerechtfertigter macht. Wir führen aber aus vielen Mittheilungen nur an, was die „Ostdeut. Post" darüber vom 15. Juli berichtet. „Die Cholera ist hier bereits im Abnehmen. Viele Verdienste um die ärmeren Volksclassen erwarben sich unsere israelitischen Mitbürger, die bei diesem Anlässe ihre Menschenfreundlichkeit in schönster Weise bethätigten. Mehrere achtbare Israeliten haben nämlich (wie in einem früheren Berichte schon kurz erwähnt) gleich beim Beginn der Epidemie aus eigenen Mitteln eine Rettungsanstalt errichtet, wo alle erforderlichen Medicamente, Wärmeflaschen u. s. w. bereit gehalten wurden, und wo von eigenS besoldeten Individuen jedem an der Brechruhr Erkrankten, ohne Unterschied der Religion, durch starke Einreibungen der erstarrten Glieder, Verabreichung stärkender Mittel u. dgl. eiligst Hülfe geleistet werden soll; ein für diese Anstalt eigens bestellter Doctor muß den Unbemi telten unentgeltliche Hülfe leisten. Im Laufe deS TageS müssen vier, und NachtS sechs Mitglieder die Anstalt als Jnspecroren überwachen, damit AlleS in der besten Ordnung vor sich gehe. Damit Hunger und Noch keinen Anlaß zu Erkrankungen geben, wird jedem Begehrenden stets warmer Thee gereicht, und werden jeden Tag 200 Laib weißes Brod und 120 Pfund Fleisch unter die Armen vertheilt. Der Himmel krönte die Bemühungen dieser humanen Wohlthäter mit Erfolg, denn von den in dieser Anstalt bis zum heutigen Tage vorgekommenen 200 Cholerafällen haben bloS 10 mit dem Tode geendigt, und auch diese außerhalb des RettungslocaleS, wo hingegen 190 schwer Erkrankte dem Tobe entrissen wurden und völlig genesen find." Die Schweiz. Aus dem Aargau, im Juli. (Privatmitth.) Der Große Rath deS CantonS Zürich hat in jüngster Zeit die den Viehhanbel der Israeliten gänzlich untersagenden alten Gesetze in erster Berathung erneuert. Die Israeliten wandten sich sogleich an ihre Regierung um Schutz. Wir lesen nun in Nr. 174 deS „Schweizerboten" folgenden Artikel: „Der Regierungsrath verwendet sich eindringlich bei der Regierung von Zürich für gänzliches Fallenlaffen des dort jüngsthin in einer ersten GesetzeSberathung wieder aufgenommenen Verbots deS Vieh-

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