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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-08-13 · Heft 33 (13.8.1855) · p. Seite 419

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 33 (13.8.1855)
Date
1855-08-13
Page
Seite 419 (sequence 5)
Language
German
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419 oder Jüdin und jede noch so heilige jüdische Ceremonie erscheint lächerlich in ihren Augen. Aber bei den geringsten Leiden fällt auch ihr Organismus, beraubt der festen Stütze des Glaubens, in Nichts zusammen. Denn es fehlt der süße Trost der Religion, der die Adern deS gläubigen Menschen durchrinnt. Und die Zeit wird bald herannahen, wo der Sohn sich seines VaterS, die Tochter sich ihrer Mutter schämen wird, weil sie ihrem Glauben treu bleiben, und dann werdet ihr die Früchte ernten, deren Samen ihr gestreuet und sorgfältig gepflegt habt. Darum öffnet bei Zeiten eure Augen und erziehet eure Kinder jüdisch! Wie in Posen, so auch in Gnesen har der Jndifferentismus bei den Juden einen hohen Standpunkt erreicht, und wird man um so schmerzlicher davon berührt, denkt man der Blüthezeit unter Herrn Rabbiner Gebhard zurück. Der prachtvolle Tempel, eine Zierde der Stadl, steht verwaist da und blickt trauernd nach der Vergangenheit zurück. Während früher Ruhe und Ordnung in demselben herrschte, drängen sich jetzt Alt und Jung wild unter einander und sormiren überall plaudernde Gruppen. Auf dem grünen Rasen deS Tempelhofes treibt sich die liebe Jugend tobend und lärmend umher, und ach! es ist nichts da, waS sie zum Eintritte einladen könnte. Die herrlichen Melodien des ChorS find verklungen, die ermahnende ^edigt wird nicht mehr vernommen, und der Gottesdienst, er ist so, wie ihn die Frauen!! oder die, welche ihren Geldsack schonen wollen, wünschten!! — Die Bürgerschule Gnesens, unter Leitung des verdienst- und talentvollen Herrn Stenzel, steht immer noch als Musterschule da und erfreut sich wegen ihrer vorzüglichen Leistungen der allgemeinen Anerkennung. Doch wenn auch der Knabe und das Mädchen, mit vielem Wissen ausgerüstet, die Schule verlaßt, das Herz erkaltet immer mehr, denn eS fehlt die eigentliche Schule der Religion, der Tempel, der die Jugend in seinen Schooß aufnimmt, um den in ihr keimenden Samen deS Guten und Edlen zur herrlichen Frucht zu entwickeln! — N. Rackwitz. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 26. Juli. (Privatmitth.) Wie ich so eben vernehme, stehet unseren Angelegenheiten bald die Lösung bevor. Die zusammengetretenen Landescongregationen sollen darüber zunächst berathen. In Betreff des Grundbesitzes soll folgender ModuS festgestelli sein: Die Juden, die einem Orte zuständig sind oder wo sie das Bürgerrecht haben, da dürfen sie sich auch Güterbesitz aneignen. Es wird daher von der Commune abhängen, wie vielen sie Gürerbesitz gönnen will. Steiermark und Tyrol werden wohl zunächst keine Juden bei sich einbürgern lassen. ES ist mir in dieser Beziehung ein Erlaß aus Steiermark, dalirr vom April d. I., zu Gesichte gekommen, worin es heißt, daß den Juden der Ausenthalt in Steiermark, wie vor dem Jahre 1848, verboten ist. Man darf nicht vergessen, daß eS in Tyrol und Steiermark viele Leute geben mag, die sich unter den Juden das Greulichste und Abscheulichste vorstellen. Werden diese Leute durch die Praris belehrt, daß die Juden Menschen sind, wie sie, sodann stellen sich die Dinge anders. Nach innen bereiten sich so manche Dinge vor, insbesondere was die religiöse Bildung der Jugend betrifft, doch darüber ein anderes Mal. Interessant dürfte es Ihnen sein zu erfahren, daß der Vorstand der Berliner Gemeinde den Canror der dortigen Synagoge Herrn Lichrenstadt und den Dirigenten der Gesangschule und Composileur Herrn Lewandowsky hieher geschickt haben, um die Ordnung im hiesigen Tempel kennen;u lernen, insbesondere um Studien an Sulzers Vortragsweise zu machen. Allerdings stehet auch die Berliner Synagoge, waS den gesanglichen Theil betrifft, gegen den hiesigen Tempel weit zurück. Wertheimers Kalender ist eben erschienen. Er dürfte eine weite Verbreitung finden. ,,Wer Vieles bringt, wird Jedem Etwas bringen." Die Sache ist nicht auf irgend einen Vortheil berechnet und unsere alten Weisen sagen was rrprnb nzio csb. Krakau, 4. August. (Privatmitth.) Es dürfte von Interesse sein, zu erfahren, daß Se. Majestät auf der Durchreise in Jaroslau das Haus des Herrn Manaffe Nierenstein bewohnte. Herr Nierenstein haue auch keine Kosten gescheut, und sein Haus mit seltener Pracht für den Empfang des hohen Gastes eingerichtet. Der Kaiser ließ den Hauswirth vor sich rufen, unterhielt sich mit ihm und seinen beiden Töchtern auf das Huldreichste, und soll gegen ihn die schmeichelhaften Worte geäußert haben: „Sie machen durch Ihre an den Tag gelegten Gesinnungen Ihrer Nation

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