Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1855)
- Date
- 1855-08-06
- Page
- Seite 411 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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411 ich Ihnen oben erzählte, war eine ganz andere. Wie Ihnen sehr wohl bekannt, so hat man sich in neuerer Zeit am besten darin gefallen, über die „modernen Rabbinen" den Stab zu brechen und dieselben namentlich in Bezug auf ihren „praktischen Nutzen" unter oder wenigstens neben die „Alten" zu stellen. Bin ich nun meinerseits auch weit entfernt davon, hier für das „moderne Rabbinerthum" in die Schranken zu treten, so kann ich doch Eines nicht ungesagt lassen. Wenn anders die Rabbinen, Prediger rc. dazu da find, um in den Gemeinden, denen sie vorstehen, Segen und Nutzen zu schaffen, so werden Sie — und ich sage: Facta loquuntur! — so werden Sie diesen Segen oder diesen Nutzen, — soll derselbe namentlich aus der „Sorge für das Gemeinwohl, die Armen und die Jugend" erwachsen — bei uns wenigstens weit eher von den „Neuen" als von den „Alten" zu erwarten haben. — Aus diesem Grunde schon muß eS nur bedauert werden, wenn sich wirklich bestätigen sollte, was neulich die P. Z. berichtete, daß nämlich der verdienstvolle vr. Schwabacher ' seinen bisherigen Wirkungskreis, die Gemeinde Schwerin a. d. W., nächstens verlassen und nach Landsberg (in der Mark), wo er zum Rabbiner und Prediger gewählt, überfiedeln werde. „Die treue Anhänglichkeit zu Jerusalem und die Liebe zu Zion" ist der Titel eines Merkchens, welches vor Kurzem zu Wöllstein im Drucke erschienen und den dafigen jüdischen Cantor W. Alerander, — durch seine Bemühungen für die armen Israeliten in Palästina längst rühmlich bekannt — zum Verfasser hat. DeS WerkchenS interessanter Inhalt ist eine Darstellung des in Jerusalem durch Gebrüder Rothschild neugegründeten HoSpitalS, so wie auch anderer WohlthätigkeitS- und Lehranstalten, die daselbst vorhanden. Der Ertrag deS WerkchenS ist „zum Besten der palästinensischen armen Juden" bestimmt und soll durch Vermittelung deS Sir MoseS Montefiore, dem das Schriftchen gewidmet ist, nach Jerusalem befördert werden. Oesterreichischer Kaiserstaat. Prag, im Juli. Ein kürzlich in Prag vorgekommener Fall bezüglich der bürgerlichen Rechte der Israeliten zeigt wieder, wie dieser Gegenstand noch immer Zweifel in der Gesetzgebung erzeugt, deren Beseitigung man durch die neue Gemeindeverfassung entgegen sieht. Ein jüdischer Arzt kaufte nämlich eine chirurgische Officin und wollte auch dieses Geschäft betreiben; dagegen trat aber daS Gremium auf und machte geltend, daß den Israeliten der Betrieb von „Gewerben" nicht gestattet sei. Die Statthalterei neigte sich dieser Ansicht zu und die Angelegenheit erwartet nun hier im Wege des RecurseS die höchste Entscheidung. Correspondenz. Bericht über die zweite Rabbiner-Conferen;, abgehalten zu Gießen am 11., 12. und 13. Zank 1855. Erste Sitzung: Montag, Mittags um 12 Uhr. In Folge der von dem Provinzialrabbinen Herrn vr. Levi zu Gießen ergangenen Einladung haben sich am 11. Juni l. I. zur diesjährigen Conferen; folgende Rabbiner eingefuuden: Vr. A d l er, Krcisrabbiner zu Alzey, vr. Au b, erster Rabbiner zu Mainz, vr. Cahn, zweiter Rabbiner zu Mainz, vr. Formstecher, Kreisrabbincr zu Offenbach, B. Goldmann, Landcsrabbiner von Birkcnfcld zu Hoppstätten, vr. Levi, Provinzialrabbiner zu Gießen, M. Präger, Stadtrabbiner zu Mannheim, vr. Sobernheim, Kreisrabbiner zu Bingen, Leopold Stein, Rabbiner zu Frankfurt a. M., S. Süßkind, Dczirksrabbiner zu Wiesbaden und vr. S. Wormser, Bezirksrabbiner zu Hadamar. Herr vr. Levi nimmt, nach den bei der ersten Confercnz festgestellten Bestimmungen, den Vorsitz ein. Derselbe begrüßt die Versammlung mit einigen herzlichen Worten und erklärt, nach einem vorausgegangencn Gebete, die diesjährige Conferenz für eröffnet. Als Schriftführer wählt er sich, unter allgemeiner Zustimmung, Herrn Rabbiner Süßkind. Der Vorsitzende theilt der Versammlung mit, daß folgende Collcgen unter Bezeigung ihrer Thcilnahme an dem Streben der Conferenz, ihr Nichterscheinen entschuldigt haben, nämlich: die Herren Rabbiner Ben Israel zu Coblenz, Landesrabbiner Flehinger zu Meisenhcim, Prediger Brison zu Worms, und Landesrabbiner Teichmann zu Altstrelitz.— Stein fugt hinzu, daß bei ihm 32