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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-08-06 · Heft 32 (6.8.1855) · p. Seite 410

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 32 (6.8.1855)
Date
1855-08-06
Page
Seite 410 (sequence 8)
Language
German
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410 gen, diesen Vorwurf hiermit zurückzuweisen. Ich selber bin nämlich drei Jahre lang Zögling deS evangelischen Schullehrer-SeminarS zu PeterShagen in Westphalen gewesen, und ist mir die Aufnahme in dasselbe von keiner Seite erschwert worden. Und wenn eS in PeterShagen geschieht, so wird es auch in den übrigen Seminarien, wenigstens der preußischen Monarchie, geschehen*), da dieselben alle unter demselben Ministerio stehen. Wenn in einigen Artikeln der „Zeitung des JudenthumS" die Behauptung aufgestellt wird, das Seminar in Petershagen nehme israelitische Zöglinge nur deshalb auf, um sie zu Proselyten zu machen, so documentirt eine solche Behauptung nur die gänzliche Unbekanntschaft deS betreffenden Verfassers mit den in dem Petershager Seminare obwaltenden religiösen Verhältnissen. Wer den Religionslehrer am Seminare kennt, der weiß, daß derselbe, wenngleich ein lebendiger, wahrhaftiger Christ, doch niemals auch nur mit einer Sylbe die israelitischen Seminaristen zum Abfall zu bewegen sucht; im Gegentheil, er hat mich zur strengsten Feier und Heilighalrung des SabbarhS und der anderen Festtage angehalten. Außerdem haben die Seminarlchrer in einer besonders dazu anberaumten Conserenz darüber berathen, wie die Unterrichtsstunden zweckmäßig zu verlegen seien, damit ich nicht gezwungen werde, unser Sabbathsgesetz zu übertreten. — Dies alles sind einfache, wahre Thalsachen. Daß dennoch Fälle Vorkommen mögen, in denen christliche Seminare jüdische Zöglinge zurückweisen, soll gar nicht geleugnet werden; doch hat dies meines BedünkenS einen ganz anderen Grund, als die den Seminarien vorgeworfene Intoleranz. Bekanntlich muß jeder Zögling eines Seminars nach einer gesetzlichen Bestimmung bei seiner Aufnahme einen sogenannten Verpflichtungsschein beibringen, worin die Eltern resp. der Vormund des Aspiranten sich verpflichten, für die Unterhaltung des letzteren während seines drei - oder vierjährigen Seminar-CursuS Sorge zu tragen. Befindet sich nun ein Israelit in dem Falle, baß er einen solchen Verpflichtungsschein nicht beizubringen vermag, so müssen die Seminare ihn zurückweisen. Und ich meine, in diesem Falle befinden sich *) Ein völlig falscher Schluß, den zu widerlegen unseren Korrespondenten von Ort und Stelle leicht sein wird. Wir bitten darum. Die Redaction. die meisten jüdischen Aspiranten; denn nur verwaiste junge Leute, oder solche, deren Eltern arm find, wenden sich dem Lehrerberufe zu, weil derselbe, namentlich was die Subsistenzmittel anbelangt, durchaus nichts Reizendes bietet, nicht einmal etwas Festes und Gewisses. Es find dazu noch auch die in dem Seminarorte wohnenden Glaubensgenossen, nach den von mir gemachten Erfahrungen, gar nicht dazu aufgelegt, sich solcher Aspiranten hülsreich anzunehmen, oder gar sich zu verpflichten, denselben während ihres Seminar-CursuS Freitische zu gewahren und somit das einzige Hinderniß, inS Seminar eintreten zu können, ihnen hinwegzuräumen. Hier wird der einzige Grund zu suchen sein, weshalb jüdische Aspiranten von christlichen Seminarien zurückgewiesen werden. R-n. Aus der Provinz Posen, 9. Juli. (Privatmitlh.) Wenn auch gerade nicht sehr viele, so haben doch wenigstens mehrere Gemeinden des Großherzogthums daS Glück, in ihren Seelsorgern Männer zu besitzen, denen das Wohl der Armen wirklich am Herzen liegt, so daß sie jedes nur geeignete Mittel anwenden, Hülfe und Linderung zu schaffen, wo solche nöthig. Zu jenen Gemeinden gehört Neustadt bei Posen, und zu diesen Männern der dafige Rabbiner Hamburger, von welchem in dem Kreise seiner Wirkung, dem er erst seit kaum drei Jahren angehört, schon mehr als Ein wohlthätigeS Institut gegründet, von welchem namentlich in dem verflossenen harten Winter sehr viel für die Armen gewirkt und von welchem erst neulich (Anfang vorigen MonatS) wieder „zum Besten der verschämten Nothleidenden" eine Collecte (die über 100 Thlr. eintrug) abgehalten worden. — Bei dieser Gelegenheit darf aber nicht übergangen werden, daß Herr Hamburger auch zu der — leider noch sehr geringen — Anzahl derjenigen Rabbinen unserer Provinz gehört, die sich die „Sorge für daS geistige Wohl der Jugend" zu einer ihrer wichtigsten Ausgaben gemacht haben. — Doch erwähne ich dies nicht, um etwa dem Rabbiner Hamburger „Weihrauch zu streuen", denn dieS ist — wie Sie, Herr Redacteur, am besten wissen — nie meine Manier gewesen, und pflege ich auch niemals an Jemandem das zu loben und hervorzuheben, was er thut, weil er durch seine Stellung streng dazu verpflichtet. Meine Absicht bei dem, was

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