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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-08-06 · Heft 32 (6.8.1855) · p. Seite 408

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 32 (6.8.1855)
Date
1855-08-06
Page
Seite 408 (sequence 6)
Language
German
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408 Dom Rhein, im Juli. (Privatmitth.) In Frankfurt a. M. wurde am 28. Juni unter großer Feierlichkeit der Grundstein zur Gemeindesynagoge gelegt und am 29. d. M. fand die Einweihung der prachtvollen Synagoge in Mannheim statt. — Während in England die beiden Organe der jüdischen Journalistik in ein einziges sich verschmelzen mußten, kam in Frankreich zu den beiden bisherigen Monatsschriften ein neues Blatt hinzu, „Le Lien d’Israel“, von Rabbiner Dreyfuß in Mühlhausen, welches 14tägig erscheinen soll. DaS Blatt soll, laut Prospectus, aller Polemik möglichst fern bleiben und nur der jüdischen Wissenschaft und Belebung des religiösen Momentes gewidmet sein. — Von dem Prediger „der unreformirten (?) israelitischen Gemeinde zu Mainz", vr. M. L. ist die von ihm am 9. Juni d. I. gehaltene Festpredigt zum Geburtstage unseres Großherzogs im Drucke erschienen. Ohne hier ein Wort über den kritischen Werth oder Unwerth dieses rednerischen Productes zu verlieren, hat Referent nur daS Vergnügen sich nicht versagen können, die Herren Prediger in Israel auf das in der deutschen Predigt funkelneue, an den Ufern des Rheines erfundene Terminologicum aufmerksam zu machen, es befindet sich in jener sogenannten Predigt nicht weniger als neunmal, nämlich „der Herr rfs"; der norddeutsche Leser wird somit auf daS im Norden erfundene „Thora's" nicht mehr stolz sein dürfen. Da in diesen Terminologicis eine wunderbare Verschmelzung, dort des vorwaltenden Geschmackes der jüdischen und der christlichen Rhetorik, hier das gen. mssc. und fern, statlfindel, so gestatten Sie auch mir, die geistigen Producle zweier criremen Quellen in diesen Referaten zu verschmelzen. Sie haben schon früher auf so manches Traclätchen der Missionaire aufmerksam gemacht und daS jüdische Publikum vor deren Ankauf gewarnt; auch folgenden Pamphleten soll zu diesem Zwecke, in diesen Blättern erwähnt zu werden, die Ehre widerfahren, es sind: „Wer ist der Apostat? Eine Pesachgeschichle" (Hamburg 1855), und „Der Stern aus Jakob, vom Mewaster von Migdal Zosim. I. (Hamburg 1855). — Die diesjährige Rabbinerconferenz in Gießen wurde von 12 Rabbinen besucht. Ein ausführliches Referat ist wohl diesen Blättern noch Vorbehalten. — In Baiern ist Dr. Arnheim wieder zum Landragsabgeordneten und vr. Morgenstern zum Ersatzmann gewählt worden. Hannover, Ende Juli. (Privatmitth.) Der Neophyt Israel Pick ist in seinem Streben, auf jüdische Seelen Jagd zu machen, unermüdlich. Er scheint bis jetzt in seinen Bemühungen nicht besonders glücklich gewesen zu sein und ersinnt deshalb — pickklug wie er ist — ein anderes Mittel, durch welches er besser zu seinem Ziele zu gelangen meint. Er sendet nämlich, wie dies hierher geschehen ist, aus seinem Verstecke im zweiten Stocke der Tauenzienstraße Nr. 22. in Breslau an die Vorsteher der jüdischen Gemeinden Adressen als Aufforderung an alle Judenchristen und Judengemeinden, seinem Beispiele zu folgen. Namentlich ist er wülhend gegen Sie, Herr Redacteur, weil Sie in dem jüdischen Volksblatte ausgesprochen haben, daß es unser Streben sei, eS dahin zu bringen, daß jeder Jude mir Stolz auf feine Geschichte sehe und nachdem er als V’S“P ethst einen Vorschlag gemacht, einen Verein zur Wiederherstellung Israels, natürlich in seinem Sinne, zu gründen, sagt er unter Anderem: „Wir Unterzeichneten (Herr I. P., der allein unterzeichnet ist, spricht nämlich von sich im pluralis majestatis, und warum nicht?), von der Synagoge ausgeschieden, wollen zu derselben zurückkehren, ihren Glauben, daß Christus der Mensch gewordene Jehovah fei, öffentlich, sei's auch mir Lebensgefahr, verleugnen", wenn ihm gewisse Fragen beantwortet werden. Herr Pick hat sich aber, wie wir wahrnehmen, einigermaßen in den Schriften der Rabbinen umgesehen*) und dort ä la Eisenmenger und Consorten allerlei Stellen entdeckt, die in seinen Kram zu passen scheinen; vielleicht hat er daselbst auch den Spruch 2^:2 tii, den daS rabbinische Judenthum aufstellt, gefunden. Wir rufen ihn denselben ins Gedächrniß zurück. Es wäre schade, wenn er sein theures und thätiges Leben so ohne Weiteres aufs Spiel setzen wollte; mag er es bei seinen trefflichen Grundsätzen sich nur erhalten und im Uebrigen die Juden ferner ungeschoren und für ihr Seelenheil selbst Sorge tragen lassen, wie sie sich um ihn ja nicht weiter bekümmern. Hoffentlich wird kein Gemeindevorstand dieses Machwerk auch nur der geringsten Berücksichtigung würdigen. *) Dies ist eine Voraussetzung unsres geschätzten Corrcsponventcn, die durchaus nicht richtig ist; wer Herrn Pick kennt, weiß, daß er 00m Judcnrhume gar nichts weiß; was er anführt, hat er direct aus Eisenmenger und Consorten. Redact.

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