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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-08-06 · Heft 32 (6.8.1855) · p. Seite 405

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 32 (6.8.1855)
Date
1855-08-06
Page
Seite 405 (sequence 3)
Language
German
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405 Freiheit des menschlichen Geistes an. Wir haben schon in unseren „Vorlesungen" und in diesen Blättern wiederholt darauf hingewiesen — das mosaische Gesetz ließ dem Individuum in cultucller .Hinsicht völlige freie Bewegung. Der vorgcschriebcne Eultus ist lediglich für die Nation da, und wird für diese als Ganzes gehandhabt; nur wenn das Individuum an diesem Eultus einen persönlichen Antheil nehmen wollte, mußte es „rein" sein, und den Gesetzen der „Reinigung" und „Reinheit" genügt haben. Sonst war ihm nichts Bestimmtes vorgeschriebcn, und selbst was als religiöse Abgaben zu bringen war, Erstlinge und Zehenten, war seiner religiösen Gesinnung überlassen, sie wurden nicht eingefordert, nicht erccutirt, ihr Unterlassen nicht als Drfraude bestraft. Da, wo das Gesetz hinsichtlich des Götzendienstes eine Strafe eintreten läßt, 5 Mos. 13., ist diese nur auf den thatsächlichen „Verführer zum Götzendienste" fcstgestcllt, cs heißt V. 3.: „er spricht aber: wir wollen anderen Göttern nachzchen", V. 7.: „so dich aufreizt dein Bruder, sprechend: wir wollen gehen und anderen Göttern dienen rc." Vgl. V. 14. So erweiset denn auch die Geschichte Jsrael's, daß dieses niemals einen Angriffs-, sondern stets nur einen Verth cid ig un g s krieg um des Glaubens willen geführt hat. Wer wollte dem alten Israel die Kraft absprcchcn, auch Angriffskriege, so gut wie die arabischen Horden unter Mahomed, haben führen zu können, wenn diese im Geiste seiner Religion gelegen hätten? Ta, wo erweislich das Judenthum zu einer zeitweiligen Herrschaft gelangte — zum Beispiel im Reiche der Kosarcn — hat es, zu seinem eignen zuletzt erfolgenden Nachtheil völlige Gewissensfreiheit geduldet, und eben so christliche wie mohamcdanische Bekenner unter seinem Zepter in Gleichberechtigung gehabt. Aber eben so waren im Innern Jsrael's die factischen Parteikämpfc selten und wenig die der religiösen Ansichten, als vielmehr aus politischen Tendenzen heraus. Je mehr also die „Toleranz" zum Wesen des Judcnthums gehört, je wcsenhaftcr von seiner Wurzel an sie ihm einwohnte und cinlebre — desto sorgfältiger, Israeliten, wollen wir sie in unscrm Schooßc bewahren, desto unangetasteter wollen wir sie uns erhalten'. Weiset sie ab, die falschen, heuchlerischen Verführer, welche Euch der Meinung und der That nach zur Nichrduldung in unsrer Mitte, zum Hasse, zur Verleumdung, zur Bedrückung Derer verleiten wollen, die nicht ihrer Ansichten sind! Es ist dies etwas Unjüdisches, so sehr diese gerade „Juden" zu sein vergeben, es ist etwas von außen Hereingcbracbtcs, sic sind gerade unorrhodor, und wenn sic zwanzig Male die Maske der Orthodoxie oorrhun. Belehrung durch Wort und That, eifrige, unermüdere Belehrung, sonst aber einen Jeden seinen Weg ruhig gehen lassen, wie er cs vor Gott, unsrer Aller Richter, verantworten zu können glaubt' Zeitungsnachrichten. Deutschland. Bon der untern Weser, im Juli. (Privatmirrh.) Wenn nur hervorragende Erscheinungen und Vorkommnisse deS religiösen Lebens ein Recht hätten, beachtet und besprochen zu werden, so würde aus der hiesigen Gegend wenig zu berichteu sein, denn dazu bieten die Juden, die in derselben leben, bieten die kleine Gemeinden, die sie bilden, kaum Stoff. Wie aber dort bedeutungsvoll gesagt ist, daß nicht im Sturm und nicht im Windesbrausen, sondern Tiizt:- die göttliche Erscheinung sich kund gab, so dünkt mich, daß das leise Säuseln und Stillleben solcher Gemeinden nicht minder der aufmerksamen Beachtung werrh ist, daß sich auch und besonders hier ein richtiger Maßstab, die Energie des religiösen Bewußtseins, ihre Zu- und Abnahme zu messen, findet. Ich sage vorsätzlich: die Energie! Denn gerade in kleinen Gemeinden entwickelt sich meines Erachtens noch mehr Energie, als in großen in so fern, als es bei denselben größerer Opfer und Hingebung bedarf, um auch nur daS Norhwendige, Unentbehrliche zu gestalten und zu erhalten und weil bei ihnen nicht, wie bei großen Gemeinden, die Resultate, der in die Augen fallende Flor der Anstalten, für den Aufwand und die gebrachten Opfer lohnen, vielmehr oft weit hinter den Wünschen und auch nur gemäßigten Ansprüchen Zurückbleiben und der regen Theilnahme Abbruch thun. So lange nun das jüdische GlaubenSbekennrniß in hiesiger Gegend — ich habe hauptsächlich das Großherzogthum Oldenburg im Auge — ecelesia prcssa war, eine Anzahl von Ausnahmsbestimmungen und Beschränkungen im Gefolge harre, so lange 1 Halle diese Energie einen äußern Sporn, denn der Kamps gegen den Druck hat immer das Gme, daß 32*

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