Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1855)
- Date
- 1855-08-06
- Page
- Seite 404 (sequence 2)
- Language
- German
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404 mit Grund sagen, daß das Ziel und der Zweck des ganzen Instituts: unsere Literatur zu fördern, sie in einen neuen Fluß zu bringen, Gediegenes zu Tage zu fördern und ihm eine große Verbreitung zu schaffen, dadurch das geistig-religiöse Leben in unsren Glaubensgenossen zu erhöhen, ihr Interesse daran zu wecken und zu nähren — erreicht werden wird, und wir damit auch dem Institute eine dauernde Eristenz verheißen können. Denn mit dem glücklichen Erfolge haben wir der Thätigkcit der producirendcn Geister eine neue Bahn eröffnet, auf die sie sich in den nächsten Fahren mit Eifer begeben werden. Es gab Freunde, welche von vorn herein dem Institute den Einwand erhoben, daß sich die Verfasser gediegener Werke nicht erst dem Uriheile Anderer unterziehen würden. Bei der Discrction, mit der wir verfuhren, so daß wir von einem großen Thcile der Manuscripte die Namen der Auroren nicht kennen, bei dem Vertrauen, welches die drei Literaten, denen die Auswahl zustcht, besitzen und wohl auch zu beanspruchen berechtigt sind, und bei der Unmöglichkeit, selbst für gediegene Schriften Verleger zu finden, haben wir Dies nie befürchtet. Und so möge denn der Segen Gottes, der mit diesem neuen Institute bis hierher war, auch fernerhin über dasselbe walten. Wir aber wollen nicht ermüden, die große Aufopferung ihm zu widmen, die cs bis jetzt von uns erheischte. Als Agenten haben wir noch zu nennen: Herrn Eantor und Lehrer Tonn in A n c l a m, - Rector Julius Masur in Jnowraclaw, - Lehrer Bernheim in Lengnau (Schweiz). Von -er Jüdischen Toleranz. IH. Die Wurzel dieser Toleranz ist da zu suchen, wo die Wurzel unsres ganzen Daseins, in den mosaischen Institutionen schon. Denn wenn eine so außerordentliche, so wesentliche Eigcnthümlichkeit vorhanden sein soll, so kann sic nicht anzebildct, ancrzogcn, nicht durch geschichtliche Ereignisse und nicht durch Cultur hercingebracht werden — sie muß im Wesen selbst und in dessen Geburt schon nritgegeben sein. Die Erfahrung hat es erwiesen — da, wo die Intoleranz, das Nichtdulden andrer Glaubensansichten, das Beschranken und Bedrücken derjenigen Menschen, welche einem andern Glauben angehörcn, einmal in der ganzen Natur, im ganzen An- und Für-sich einer Religion liegt, da kann die Cultur und geschichtliche Entwickelung wohl Milderung, theilweises Vergessen und Aufgeben hcrvorbringen, der Geist einer humancrn Zeit größere Rücksichten anflcgcn — aber trotz allen schönen Phrasen, trotz zahllos wiederholter Schönthucrei mit „Liebe" und „Duldung", selbst trotz allen geschriebenen Gesetzen wird die Intoleranz immer wieder zum Vorschein kommen, ja, sich nach allen Seiten fühlbar machen. Wir sagen nun, daß die der Religion Israelis in einem wirklich kaum noch einmal dagewcsenen Maße inwohnende „Toleranz" ihre Wurzel in den mosaischen Institutionen selbst hat. Je weniger Moschch irgendwie die Verbreitung seiner Lehre bei anderen Völkern wollte, anordncte, förderte — wie denn auch die Propheten diese Lehre nur durch Gottes Fügung, durch Gottes Gericht, und zwar an Israel selbst, und dann an dessen Hassern und Drängern, bei allen Nationen zur Ancrkenntniß kommen lassen — je mehr die Thorah nichts weiter will, als in Israel selbst ein Volk, der Wahrheit, dem Recht, der Heiligung gewidmet, zu erziehen, in ihm die göttliche Lehre fest wurzeln zu machen, und damit für die Menschheit das „Religionsvolk" (a-crrn roban) gewonnen zu haben — desto weniger war an und für sich ein Anstoß zur Intoleranz gegen andere Nationen und andere Religionen gegeben. Die Lehre Moscheh's will allerdings, daß die Götzenaltäre zerstört, die Bilder vernichtet, die Haine umgehauen werden — aber nur im eignen Lande um der Eristcn; willen, um Israel Beispiel und Verlockung zu nehmen. Es war damit durchaus kein Krieg der „Gläubigen" gegen die „Ungläubigen" geboten, wie ihn z. B. der Koran an unzähligen Stellen predigt, wie er in den „Kreuzzügcn" zum höchsten Enthusiasmus entflammte — es galt nichts, als das kleine „verheißene Land" dem Volke Israel, und in ihm die Lehre und Anbetung des Einigen zu sichern — sonst war allen Völkern Friede und Selbstständigkeit vorausgesetzt, wie Israel selbst. Was aber nun im Lande Israel selbst betrifft, so war nicht allein die Gleichheit des Rechtes und Gesetzes auch dem Fremdling feierlich proclamirt. so stand es nicht allein jedem Fremden frei, das volle religiöse und weltliche Bürgerrecht, durch die Bcschncidung, zu erlangen — sondern es konnte sich auch ein Jeder, ohne diese, ftci im Lande als aufhaltcn, und ward dies bereits in dem Pcßachgesctze 2 Mos. 12. (s. unser Bibclw. I. S. 366. Anm. zu V. 49.) festgcstcllt. Jndcß ist dieses nur äußerer Gcsetzcsausspruch; rief im Geiste der mosaischen Institutionen lag dieser Geist der Toleranz selbst vollständig enthüllt. Nach allen Seiten hin erkennt die Thorah die