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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-07-30 · Heft 31 (30.7.1855) · p. Seite 398

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 31 (30.7.1855)
Date
1855-07-30
Page
Seite 398 (sequence 8)
Language
German
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398 Auslegung verwarf, ihm die öffentliche Verlesung dieses Schreibens befahl, dem Advocaten untersagte, solcher Ausdrücke sich wieder zu bedienen, und öffentlich verkündete, daß eS überhaupt Niemandem erlaubt sei, dem Namen eines Israeliten die Bezeichnung „Hebräer, Jude" oder dgl. hinzuzufügen. Italien. Moudovi (Piemont), im Mai. (Nach dem Educ. israel.) In hiesiger Stadt wohnen die Israeliten in der Straße Porta di Vico (Hauptstraße der Stadt). Rach dem Testamente eines Lieutenant Joseph Pizzo im Jahre 1669 hat die Brüderschaft „zur katholischen Barmherzigkeit" die Verpflichtung, jährlich ein bestimmtes Almosen an Geld an die Armen der Straße Porta di Vico zu vertheilen. Zwei Jahrhunderte fast verflossen, ohne daß die armen Israeliten zu dieser Vertheilung zugelassen wurden, ohne daß sie aber auch selbst Ansprüche daraus machten. Die Gemeinde erhob diese im Jahre 1848. Die Brüderschaft glaubte nicht darein willigen zu können ohne eine richterliche Entscheidung. Durch Erkenntniß vom 21. December 1854 verpflichtete der Provinzialgerichtshof zu Mondovi die katholische Brüderschaft, die armen Israeliten der Straße Porta di Vico an der Vertheilung deS Almosen theilnehmen zu lassen, da das Testament keine confesfionellen Unterschiede feststelle. Die Sache der jüdischen Gemeinde wurde von dem Rechtsanwalt Rebaudengo geführt, unter dessen Verwaltung das große Hospital di Santa Croce in Mondovi freiwillig zu den Wohlthaten dieser großen Anstalten die armen Israeliten berief, und zwar sowohl den äußeren, die in der monatlichen Vertheilung von Brot und Unterstützungen zur Ernährung der Kinder bestehen, als auch den inneren, und zwar indem den armen Israeliten die Medikamente und Geld zu Fleisch ins Haus gesandt werden, da sie das Hospital selbst wegen der Speisegesetze nicht benutzen können. Aus Oberitalieu, im Juli. Wir haben nun das Juni- und Juliheft des Eduest. isrsel. erhalten, und entnehmen aus dieser wohlgesinnten und reichhaltigen Zeitschrift folgende Notizen: In Triest wurde die Anwesenheit Sir MoseS Montefiore'S durch Begrüßung von Seiten der Gemeinde, durch einen feierlichen Gottesdienst, Adressen rc. gefeiert. Zum Andenken läßt die Gemeinde ein kleines Album drucken, enthaltend die Benedictionen deS Großrabbinen Tre, veS in hebräischer und italienischer Sprache, ein hebräisches Sonet von Abram Vita Morpurgo, mit italienischer, französischer, englischer und deutscher Uebersetzung. — Ebenso wurde Sir MoseS in Korfu empfangen, wo ihn der Freudenruf der jüdischen Masse bis zur Wohnung des Großrabbinen Hazan begleitete, und wo er nach einem feierlichen Gottesdienste dem Lord Obercommiffair einen Besuch abstattete. — Bei der Ausstellung der Gesellschaft für die schönen Künste in Florenz werden die Werke dreier Israeliten ausgezeichnet: Felice und Secafino de Tivoli und Sabatino Levi. — Amadio Nisfim in Pisa hat unter dem Titel Ane Cliessil in Livorno eine hebräische Schrift zur Widerlegung der Professoren Luzzatto und Reggio herausgegeben, daß die Talmudisten in der That die Kabbala gekannt. Rußland. Mitau, im Mai. (Privatmitth.) Nach einer ziemlich geraumen Unterbrechung meiner gewohnten Correspondenzen in der Allg. Ztg. d. Judenth., und worüber ich die Leser dieses Blattes recht sehr um Entschuldigung bitte, nehme ich den Faden wieder aus und versuche das Versäumte mittelst nachstehender aphoristischen Berichterstattung möglichst nachzuholen. — Der Mitau'sche Gouvernements - Rabbiner E. Jacobsohn, welcher bereits seit Jahren kränkelte, ist im August v. I. in einem Alter von 58 Jahren nach einer neunjährigen ununterbrochenen Amtsverwaltung an der Cholera verstorben, und seine Gattin überlebte ihn leider nur einige Monate. Wie sein seliger Vater, der rühmlichst bekannte fromme David Ezechiel, welcher hier gleichfalls eine lange Reihe von Jahren Rabbiner gewesen ist, genoß er die Hochachtung seiner Gemeinde, obgleich es ihm auch nicht an Widersachern fehlte. Sein Sterbetag wurde allgemein durch auftichtige Trauer gefeiert; alle hiesigen Kaufleute und Gewerbtreibende schloffen an demselben und während der Beerdigung ihre Etablissements. Am Grabe hielten die Rabbiner aus BauSke und Satew, so wie der bereits während der Krankheit des Verewigten daS hiesige Rabbinat vicarirende ReligionSlehrer R. Wunderbar, Trauerreden. — Gegenwärtig wird eS bald ein Jahr werden, seit-

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