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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-07-30 · Heft 31 (30.7.1855) · p. Seite 397

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 31 (30.7.1855)
Date
1855-07-30
Page
Seite 397 (sequence 7)
Language
German
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397 einer eigentlichen Stagnation kommen könnte; die Jugenderziehung in den christlichen Schulen und Gymnasien, wenn sie auch Vieles von dem äußerlich Specififchen des Judenthums abstumpft, bildet jedenfalls die Geister, ohne dem Kern und Wesen deS Judenthums Eintrag zu thun; und diese Gemeinschaft deS StrebenS von Kindheit an erzeugt jedenfalls eine Amalgamirung der Richtungen; die Mitglieder der verschiedenen Confesfionen kennen sich gegenseitig; der gesellige Verkehr wird, je mehr man sich kennt, erweitert, und die Trennung besteht fast nirgends als in der Willkür der Regierungen. Ganz anders ist dies in England. Wenn auch die Juden von den Bestrebungen der Christen hinlänglich unterrichtet sind, so sind umgekehrt die letzteren von dem Wollen und Können der ersteren in vollständiger Unwissenheit. Die Juden bilden eine isolirte Gemeinde im Staate; obgleich politisch fast vollkommen emancipirt, sind sie social beinahe ebenso vollständig ausgeschlossen; die Regierung erkennt die Gleichstellung an, das Volk ignorirt sie. Die Juden sind von den Christen so gut wie nicht gekannt. Obgleich daS Alte Testament studirt wird, so glaubt man, daß nicht fein Inhalt, sondern der deS Talmud, den man nicht kennt außer durch einige böswillige Citate zelotischer Judenfeinde, die Richtschnur der Juden sei; und eS ist von der einen Seite eben so ergötzlich, als es von der andern Seite betrübend ist, die Bücher zu lesen, die von Zeit zu Zeit über die Juden Englands von Christen geschrieben werden, und in denen die ersteren mit derselben curiosen Genauigkeit charakterisirt werden, mit der man eine neu entdeckte Zwerg - oder Riesen-Race auf den Südsee-Inseln beschreiben würde." London, 10. Juli. Obgleich jüngst Lord John Russell durch das auch in diesen Blättern mitgecheilte Schreiben abgelehnt hatte, die Zulassung der Juden zum Parlament in der diesjährigen Session einzubringen, so bleibt diese Frage doch nicht ganz unberührt. Lord Lyndhurst nämlich hat ins Oberhaus eine Bill eingebracht auf Veränderung des Parlamentseides. In der gestrigen Sitzung verschiebt er die zweite Lesung seiner Bill auf den 17. Juli, und zwar aus Rücksicht für seinen Hauptgegner in dieser Frage, den Grafen Derby, welcher nächsten Donnerstag nicht da sein kann. Lord Derby macht die späte Sesfionsperiode und den Umstand bemerklich, daß der Gegenstand erledigt sei, indem die Maßregel trotz vieljahriger Agitation am wohlbegründeten Widerstande deS Hauses scheiterte. Lord Lyndhurst dagegen versichert, daß er in Folge von Miltheilungen von einem einflußreichen Freunde (keinem Regierungsmitgliede) große Hoffnungen schöpfe. Er betrachtet die Auferlegung des AbschwörungSeides für einen Act voll Ungerechtigkeit und Gottlosigkeit und könne die Sache nicht ruhen lassen. Earl Granville bemerkt dazu, über die parlamentarische Ordnung und Oekonomie gebe eS keine competentere Autoritär als den gelehrten Lord (Lynbenhurst), und die Regierung werde seiner Bill nach Kräften zu Hülfe kommen, obgleich man deshalb nicht glauben dürfe, daß zwischen dem gelehrten Lord und dem Cadinet irgend eine geheime Verständigung starrgefunden habe. —. Die Juden in England haben 53 gottesdienstliche Gebäude mit 7961 Sitzen, von denen 5353 Privateigenthum, 2608 frei find. Von den englischen Synagogen wurden 16 errichtet vor 1801, 3 - zwischen 1801 — 1811, 1 - - 1811 — 1821, 5 - - 1821 — 1831, 7 - - 1831—1841, 16 - - 1841—1851. Ionische Inseln. Korfu, im Juni. (Nach dem Educ. israel.) Während in Paris die Beleidigung der Juden vor öffentlichem Gerichtshof durch den Advocaten Avond trotz aller Mühe bis jetzt noch nicht hat bestraft werden können, hat der Präsident in Korfu ein glänzendes Beispiel der Gerechtigkeit gegeben. Ein Advocat hatte in zwei gerichtlichen Acten zweien Israeliten, dem einen den Beinamen „Kananiter", dem andern „Jude" gegeben. Dieselben verlangten vom Richter, daß er deshalb dem Advocaten einen Verweis gebe. Der Richter aber vermeinte, daß dies einfache nationale Eigenschaftswörter seien und ging darüber hinweg, was in der öffentlichen Sitzung ein bedeutendes Gelächter zur Folge hatte. Als der Präsident der Gerichtshöfe dieser Insel, Herr Alvise Curzola, Kunde von dieser Entscheidung erhielt, wurde er sehr erzürnt darüber, schrieb an den Richter, indem er in den entschiedensten Ausdrücken sein Betragen und seine

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