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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-07-30 · Heft 31 (30.7.1855) · p. Seite 395

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 31 (30.7.1855)
Date
1855-07-30
Page
Seite 395 (sequence 5)
Language
German
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395 Diese Erscheinung ist so großartig und einzig in der Geschichte, daß es sich wohl lohnet, nach der eigentlichen Wurzel dieser Erscheinung zu fragen. Es geschehe dies in einer folgenden Nummer. Aphorismen. Vor Kurzem wurde der bekannte Emir Abd-al- Kader zum Mitglied der asiatischen Gesellschaft in Paris ernannt. Als Anerkennung sandte er der Gesellschaft ein von ihm verfaßtes Werk zu, über welches der Präsident derselben einen Bericht an den Untcrrichtsminister erstattete. Leider liegt uns nur ein kärglicher Auszug vor, aus welchem wir mehrere auch für uns interessante Notizen hervorheben. Das Werk führt den Titel: „Mcmcnro für den Klugen und Mahnung für den Faulen" und besteht aus einer Einleitung, drei Capireln und einem Schluß. Die Einleitung will Liebe zum Studium einflößen und den Leser gewöhnen, nur mir reiflicher Prüfung zu Werke zu gehn und nicht gegebene Meinungen flr und fertig hinzunchmcn. Das erste Capitel spricht vom Nutzen der Wissenschaft und der Verdienstlichkeit, sie zum Gegenstand seiner Verehrung zu machen. Doch bemerkt der Verfasser zum Schluß, daß es auch Wissenschaften giebt, deren man sich enthalten soll, wie Magie und Hercrei, worin er sich von den bei den Orientalen und besonders bei den Muselmännern herrschenden Ideen vorthcilhaft unterscheidet. Das zweite Capitel ist dem Sittengcsetz gewidmet, das dem Verfasser zufolge die göttliche Offenbarung zur Grundlage hat. Bei dieser Gelegenheit spricht der Emir von dem Prophetencharakter, womit zu verschiedenen Zeiten von Gott auscrwählte Männer bekleidet waren, was ihn auf die drei Religionen Iudcnthum, Christcnthum und Islamismus, bringt, die seiner Ansicht nach aus derselben Wurzel entsprungen find und nur drei verschiedene Zweige derselben bilden. (Diese Ansicht macht dem Emir alle Ehre, und die Frage leicht: welche ist jene Wurzel, wenn nicht die Offenbarung an Israel, nicdergclegt in unseren heiligen Schriften? Red. d. A. Z. d. Zud.) An die Spitze der Wissenschaften und Künste stellt er Ackerbau, Weberei, Baukunst und Rcgierungswisscnschast. Die vier Haupttugcnden find ihm Besonnenheit, Gerechtigkeit, Mäßigkeit und Stärke, deren vollkommenster Besitz einen Menschen würdig macht, an die Spitze der Völker gestellt zu werden, während ihr Nichtvorhandensein und die Anwesenheit der entgegengesetzten Mängel verdienen, daß der Mensch aus der Gesellschaft ausgestoßcn werde. Interessant ist Abd-cl- Kaders tolerante Theorie über die Verschiedenheit der Religionen: jede einzelne Religion, meint er, war gut für die Zeit, wo sie offenbart wurde, die spätern Modificationen betreffen blos vorübergehende Bestimmungen und stören in Nichts den Charakter der Person, die von Gott mit ihrer Verkündigung beauftragt war- Das Judenthum definirt er als cineArt praktische Weltreligion. das Christenthum als ein theoretische oder innerliche, den Islamismus als die Vereinigung beider und der Emir scheint nicht übel Lust zu haben, zu einer jüdisch-christlich-mohamedanischen Fusion Propaganda zu machen. Leiber glaubt er selbst nicht recht an den Erfolg, den er erst von einem neuen Kommen des Messias beim Ende der Welt und auch nicht durch bloße Ucberredung, sondern durch „Gewalt, Schreck und Blut" erwartet — eine artige Bekchrunzsweise, die nur in Europa mehr und mehr aus der Mode gekommen ist. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Landau, 13. Juli. (Eingesendet.) So eben kommt mir die Nr. 27. der Allgem. Zeitung deS JudenthumS mit einem Artikel auS der baierischen Pfalz in die Hand, und obgleich ich dem Einsender für seine freundliche Theitnahme und Wahrheitsliebe lügnerischen Verunglimpfungen gegenüber danke, so fühle ich mich doch der ausgesprochenen Vermuthung entgegen, daß ich der Einsender deS Artikels fei, zu der Erklärung veranlaßt, daß dies nicht der Fall ist, und bitte die vereheliche Redaction um die Bescheinigung meiner Angabe*). Ich für meine Person halte eS unter meiner Würde, auf Angriffe der finstern Clique, die von der Verleumdung und von der Zwietracht lebt, die sie allenthalben zwischen den Gemeinden und ihren Rabbinern und in der Mitte jener selbst auSsäer, zu antworten, einer Clique, die eS nicht umsonst läugnet, daß das Judenthum Grundlehren hat, weil sie solche, die da sind: Gerechtigkeit und Liebe überall verläugnet. Wenn übrigens der Einsender den Vorwurf: daß ich der „neuern Richtung" angehöre, zu- *) Geschieht hiermit vollständig. Re da er.

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