Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1855)
- Date
- 1855-07-23
- Page
- Seite 388 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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HumanitätS -, theilS religiöse Anstalten, die aber sammt und sonderS nur ein sehr kurzes Dasein fristeten. Selbst die Schule, die seit mehr als 10 Jahren besteht, hat trotz der namhaften Opfer, die derselben von Seiten der Gemeinde gebracht werden, nur sehr wenig Früchte getragen. — Nun aber sehen wir, Gott sei Dank, einer weit schönern Zukunft entgegen! Der hiesige ehrsame Gemeinde-Vorstand hat sich daö schöne Ziel gesetzt, durch zeitgemäße Einführungen daö sittlich-religiöse Interesse seiner Gemeinde thatkrästig zu fördem. Der erste Schritt, den der Gemeinde-Vorstand in seinem heiligen Streben gethan, beweiset den baldigen und sichern Erfolg, der von ihm erzielt werden dürfte. In einer Gemeindeversammlung vom 23. Mai wurde nämlich vom Gemeinde-Vorstände an fämmtliche Mitglieder der Antrag gestellt, einen geregelten Gottesdienst mit Choral-Gesang einzuführen, welcher Antrag nicht nur einstimmig mit lebhaftem Beifall angenommen, sondern noch vor Ablauf von vier Wochen wirklich inS Leben getreten ist. Diesen für CultuSverbefferung an den Tag gelegten Eifer wird Jedermann, der die Schwierigkeiten kennt, welche die an verjährten Gebräuchen festhaltenden Gemeinden jeder zweckmäßigen und löblichen Neuerung in den Weg zu legen pflegen, um so eher würdigen, als eS hier nur einer leisen Anregung bedurfte, um den im Schooße unserer Gemeinde schlummernden Feuereifer zur lichten Flamme anzufachen. — Indem wir nun hiermit dem ehrsamen Gemeinde-Vorstände für den dazu gegebenen Impuls unfern innigsten Dank aussprechen, erlauben wir uns den Wunsch beizufügen, daß dieser rege Eifer für zeitgemäße Reform nie erkalten möge, damit die kommende Generation daS Andenken ihrer Väter segne. Ueber unsere Schule, so wie den in der jüngsten Zeit genommenen Umschwung des jüdischen Schulwesens in Ungarn überhaupt, will ich Ihnen in einem besondern Artikel schreiben. H. Deutsch. Frankreich. Marseille, im Juni. (Privatmitth.) Unser Großrabbine, Herr M. D. Cahen, hat so eben einen eben so warm wie correct geschriebenen Hirtenbrief an die Israeliten Marseille'S und des SprengelS erlassen, in welchem er zu einem Neubau eines großen Tempels in Marseille auffordert. AuS wenigen Familien ist in weniger als 50 Jahren hier eine große und wichtige Gemeinde erwachsen. Die von den Vätern gestifteten Anstalten, Schulen, HoSpiz, Tempel, find zu klein geworden, neue Schulen, Kinderbewahranstalt sind geschaffen worden, neue Unterstützungsvereine gebildet; für den täglichen Gottesdienst sind außerdem Tempel Betstuben, für die hohen Feste große Säle eingerichtet — aber gerade dies beweist, daß ein angemessen großes Gotteshaus errichtet werden müsse. Zu freiwilligen Gaben fordert nun der Herr Großrabbine mit beredten Worten auf, und wir hoffen, bald Bericht hierüber geben zu können. Die Schweiz. Aus dem Aargau, im Juni. (Privatmitth.) In Nr. 17. Ihrer geschätzten Zeitung wurde über die Errichtung einer landwirthschaftlichen Anstalt zu Endingen berichtet. Diese Sache, schon lange eine Lieblingsidee des Herrn Lehrers Dreifuß daselbst, ist nun ihrer Verwirklichung dadurch um ein Bedeutendes näher gerückt, daß die aargauische Regierung die Sache sehr bereitwillig ausgenommen. Ich theile Ihnen daS betreffende Actenstück an das Comite in Endingen wörtlich mit: „Aargau, den 5. Juni 1855. Der ErziehungSdirector des CantonS Aargau an das titl. Comite für Errichtung einer landwirthschaftlichen Erziehungsanstalt in Oberendingen. Auf meinen Antrag hat der hohe RegierungSrath unterm 31. v. M. beschlossen: ES sei die ErziehungSdirection ermächtigt, der in Oberendingen zu errichtenden landwirthschaftlichen Erziehungsanstalt für Israeliten einen angemessenen Staatsbeitrag auf den Fall zuzusichern, daß dieselbe nach hierseits genehmigtem Lehrplane in projectirter Weise und mit einer entsprechenden Schülerzahl wirklich inS Leben trete. Sie haben demnach zuvörderst den Lehrplan für die projectirte Anstalt mit genauer Angabe der Unterrichtsfächer und der Stundenzahl im Sommer- und Winterhalbjahr sowohl im Allgemeinen wie für daS besondere Fach anher zur Genehmigung einzusenden, worauf sodann unter den im RegierungSbeschluffe enthaltenen Voraussetzungen und Bedingungen die Größe deS Staatsbeitrages und die Zeitdauer desselben bestimmt werden wird. Der ErziehungSdirector Hanauer." Soweit ist nun diese Sache beim ersten Winke