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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-07-23 · Heft 30 (23.7.1855) · p. Seite 387

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 30 (23.7.1855)
Date
1855-07-23
Page
Seite 387 (sequence 9)
Language
German
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387 unwiderstehlich durchdrungen wäre, hätte er eS passender finden müssen, mit weniger Geräusche den Uebertritt zu bewirken, statt durch den Eklat die Verwandten zu betrüben, und die vielen Männer, welche ein unbegrenztes Vertrauen zu seiner unwandelbaren jüdischen Gefinnung gehabt haben. Die vorige Verwaltung der hiefigen Gemeinde hatte ihn zum Director einer höhern Religionsschule bestimmt, er war durch die Wahl in die Versammlung der Repräsentanten gerufen, er war auch der rüstigste Kämpfer gegen die Reform, der intimste Freund vom Rabbiner Dr. Sachs, von Dr. Veit und vielen andern frommen Mitgliedern der Gemeinde, und nun verlaßt er mit solchem Lärm daS Bekenntniß, für welches man ihm einen solchen Eifer zugetraut! Diese Taufe brachte außerdem noch Wasser auf die Mühle derer, welche den neuerwachten Geist des Judenthums innerhalb der hiefigen Gemeinde als einen Geist der Lüge verschreien und mit sarkastischen Namen lächerlich zu machen suchen, Wasser auf die Mühle der Reformer, welche jetzt in dem Abfälle eines so eifrigen Gegners den Beweis finden wollen, daß es den Gegnern nur um die äußern Bortheile deS Judenthums zu thun ist, um Einfluß, Stellen und Geld! — Von unferm gelehrten Mitbürger Senior Sachs ist so eben der 8. Theil deS Kerem Chemed in hebräischer Sprache erschienen, der sehr gelehrte Abhandlungen von namhaften Männern enthalten soll, außer denen von Herrn Sachs selbst. Von dem Mitarbeiter dieser hebräischen Zeitschrift, Herrn Israel Böhmer, erscheint in nächsten Tagen die alte, fast gänzlich unbekannte hebräische Uebersetzung deS äosexlms contra ^pionem, neu herausgegeben mir Berichtigungen und vielen Anmerkungen. Sie ist nur ein Mal gedruckt und zwar als Anhang der so seltenen Konstantinopoliraner Ausgabe deS Jocht in. ** Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 15. Juli. (Privatmitth.) Ich bringe Ihnen heute ein kleines Sträußchen von Neuigkeiten. Wie die Zeitungen melden, hat der Kaiser während feiner Anwesenheit in Galizien einer ljüdischen Deputation die besten Verficherungen in Betreff deS Erwerbes von Gürerbefitz gegeben. ES wäre zu wünschen, daß die Herren, denen das Glück zu Theil wurde, diese Versicherung zu erhalten, den Wortlaut mittheilen möchten. ES würde auch daraus hervorgehen, in wie fern diese Worte einen Trost oder eine Hoffnung aussprechen*). Rach einer Verordnung deS Unterrichtsministeriums find die Blindeninstitute in der Monarchie angewiesen worden, jüdische Zöglinge, die sich bei denselben melden, aufzunehmen. Bisher waren die Juden von dieser Wohlrhat ausgeschlossen und konnten nur in dem Institute für erwachsene Blinde, wenn sie nämlich schon erwachsen waren, ausgenommen werden, und zwar für Bezahlung. Der Brünner Gemeinderath hat in einer seiner letzten Sitzungen beschlossen, die einlaufenden Gesuche von Juden wegen Einbürgerung oder Zuständigkeit in so lange sä scts zu legen, bis die Stellung der Juden definitiv beschlossen ist. Der hiefige Gemeinderath hingegen ertheilt nach wie vor daS Recht der Zuständigkeit und das Bürgerrecht. In jüngster Zeit erhielt wieder ein Jude das Recht zu einer vermischten Waarenhandlung, welches früher nie einem Juden verliehen wurde. In Betreff des Tempels wurde in letzter Zeit aufs Neue berathen und beschlossen, daß auch die Nebengebäude aufzuführen seien. Da man mit der Absicht umgeht, den Tempel zu einem crir zu machen, so läßt man sich Zeit und der erste Gottesdienst soll am Neujahrsfeste 5617 (1857) zum ersten Male darin abgehalten werden. Kecökemet, 18. Juni. (Privatmitth.) Seit weniger als einem Decennium har sich die hiefige Gemeinde um das Zweifache, um nicht zu sagen Dreifache, vermehrt, und ist noch immer in fortwährender Aufnahme begriffen. Sie zahlt gegenwärtig über 200 wohlhabende, großentheilS reiche Mitglieder. Doch jene den Stolz israelitischer Gemeinden auSmachen sollenden Institute blieben bis jetzt, wie der Culturzustand der unfruchtbaren Haide überhaupt, deren Cenrralpunkt Kecökemet bildet, unentwickelt; denn gelang eS auch dem unermüdeten Streben einiger Männer, manches Institut inS Leben zu rufen, so war dieses eine erotische Pflanze auf fremdem Boden, die nur allzubald hinwelkte, oder doch nur kurze Zeit kümmerlich vegetirle. So besaß schon die hiefige Gemeinde ein Spital, ein Armenhaus und andere theils *) So weit uns Privatnachrichten zugckommen, lautete die Antwort Sr. Majestät huldvoll, aber nicht bestimmt. Rcdact. 30

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