Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-07-23 · Heft 30 (23.7.1855) · p. Seite 382

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 30 (23.7.1855)
Date
1855-07-23
Page
Seite 382 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3225931-3225962--14725-3300394
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

382 Ohne Wesen und Geschöpfe, ohne Wandel und Vergehen, Wo die Trauer nimmer klaget, nie der Lüste Stürme Wenn Du einsam in des Palmwalds Dickicht fitzest, ohn' Bedürfen, Ohn' der Wünsche und Genüsse, ohn' der Träume Gift zu schlürfen. Wollend nur mit Deinem Geist im heil'gen Laute Aoum Kannst Du, Staubgeborner, endlich Dich zum Saume Brahm's erheben. Und im Brahm stieg der Gedanke dieser Welt der Wesen auf. Da ergoß ein dreifach Strömen fich aus des Gedankens Lauf — Drama, der in ew'gem Schaffen unaufhörlich fort gestaltet, Schiwcn, der mit mächr'gem Schwerte ewig im Zerstören waltet, Was der Eine hat gebildet, muß der Andre stets vernichten. Darum muß mit gleicher Wage Wischnu zwischen Beiden richten. Zwischen Werden und Vergehen zu erhalten was geworden, Dis des Daseins Quell verfieget in des Lebens engen Borden. Darum bringe drei der Opfer: heil'gen Kranz für Brahma sticht. Und das Ei von Schlang' umwunden, Wischnu's Schatz, vergiß es nicht, Aber daß nicht Schiwen raube allzuschnell der Welt das Leben, Mußt Du seines Wagens Rädern selber Dich zum Opfer geben." — „Nimmer drei find der Gewalten," riefein Perser schwarz- „Sondern zw een im ew'gem Kampfe, der nie mindert und nie stockt: Ormuzd, der des Lichtes Gottheit, strahlend in des Fcu'rs Gefunkel, Ahriman, der finstre, grause, thronend nur in nächt'gem Dunkel; Dort des Lebens und des Guten ewig klares Strahlenreich, Dies des Todes und des Bösen düstre Macht, an Stärke gleich — Wie sie ewig mit einander ringen, nie fich ganz befiegen, Ob Aeonen nach einander rauschend schnell vorüberfliegen. Darum halt das Feuer heilig, handle gut und wahr' Dich rein. Wenn Du Ormuzd's Reich vergrößerst, könnt' er einmal Sieger sein." — „Alle habt Ihr wohlgesprochen," hebt an aus Elea Einer, „Denn vereint habt Ihr bewiesen, was vereinzelt für fich Daß der Mensch in Gegensätzen nur begreift das Klein' und Große, Darum ewig bleibt gefangen in der Nichterkenntniß Schooße. Wie Du weiß nur weißt durch's Schwarze, Süßes nur durch Bittres kennest, Gutes nur durch Böses fassest, um den Haß die Liebe nennest. Wie da Frieden ohne Krieg nicht, ohne Krankheit nicht gesund. Kannst Du nie was selbst erkennen, spricht's gefügig auch Dein Mund. Darum Alles was Ihr sprächet, dreht fich nur im selben Kreis, Daß es eben wahr und unwahr nach des eignen Geist's Geheiß."... — — Sieh, da schreitet aus dem Grunde eine hohe Mannsgestalt Langsam durch die Menge, machet in der Sitze Mitte Halt, Schweigen fällt auf die Versammlung, da er majestätisch Schneeweiß von dem feinsten Linnen fällt hernieder das Gewand, Nur an Oberkleides Ecken hängen dunkelblaue Fäden — Seine Hand bewegt sich leise — still — der Fremdling, er will reden: „Wenn die Menschen irre sprechen. Sage kündet Trug und Wahn — Sieh, die Himmel reden Wahrheit und die Sonn' auf ihrer Dahn. Fragt die Erde, laßt des Meeres Fische Euch von ihm erzählen. Wollt der Lüfte Sängcrschaarcn Alle Euch zu Lehrern wählen; Zahllos wie's im Boden wimmelt und wie zahllos durch die Sphären: Fragt sie recht, sie werden Alle Eine Lehre Euch bewähren — GOTT ist's, der da Himmel, Erde, Meer und was darinnen, schuf — Rief im Anfang: „ „Licht, es werde!" " — und es ward Licht seinem Ruf; Sprach: „„Es werde Raumund fürder: „„Flüssges trenne fich vom Festen, Und nach ewigen Gesetzen ordne fich das All zum Besten:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.