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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-07-16 · Heft 29 (16.7.1855) · p. Seite 375

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 29 (16.7.1855)
Date
1855-07-16
Page
Seite 375 (sequence 9)
Language
German
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375 Professor Saalschutz regelmäßig — eingesegnet worden, so ist es natürlich, daß neue Confirmanden jetzt erst wieder eintreten müssen. Hechivgeu (Südpreußen), 1b. Zum. (Privatmitth.) Seit fünf Jahren sind die Fürstenthümer Hohenzollern-Hechingen und Sigmaringen mit dem preußischen Staatsgebiete vereinigt. Unsere Schul- und Synagogenzustände waren schon unter der fürstlichen Regierung vollständig geordnet, nicht aber die bürgerlichen Verhältnisse. Am 8. April 1850 wurde die preußische Verfassungs-Urkunde vom 30. Januar 1850 eingeführt; zur Feier der im Art. 12. gewährleisteten Freiheit deS religiösen Bekenntnisses wurde hier die alte Synagoge zu einem herrlichen Tempel umgestaltet, und hat die Gemeinde zu diesem Zwecke 4000 Fl. verwendet. — Die Auswanderungen nach Amerika dauern noch immer seit 20 Jahren fort; unsere Brüder und Söhne theilen uns günstige Nachrichten mit. Grätz, im Juni. (Privatmitth.) Während überallhin in jüdischen Gemeinden über JndifferenliSmuS und maßlose Zerrüttung auf religiösem Gebiete geklagt wird, während überall die Reihen ächt frommer Israeliten immer mehr sich lichten und breitschultrige Unwissenheit, oder sogenannte mißverstandene Aufklärung immer mehr Boden gewinnt, verdient eS dem größern Publikum bekannt zu werden, daß in hiesiger Gemeinde Gott Lob! immer noch das Alte, Ehrwürdige Geltung hat und geschätzt wird. ES ist dies meines Dafürhaltens ein Vorzug, den jede jüdische Gemeinde erstreben sollte, nicht nur, weil eine ächt jüdisch fromme Gesinnung gegen die Unbill im Leben vielfach entschädigt, sondern weil für den Israeliten nur in der Begeisterung für seinen geheiligten Glauben Zufriedenheit und wahre Beglückung liegt. Darum gedeiht hier auch häusliches Glück und Gemeindewohl, denn AlleS strebt nach einer Richtung hin; Friede ist das Panier, daS Aller Bestrebung vereint, Friede der fruchtbare Boden, auf welchem Alles kräftig aufblüht. ES bestehen hier fünf Männer- und drei Frauenvereine, welche alle durch kleine wöchentliche Beiträge unterhalten werden, damit auch Minderbemittelten der Genuß deS Wohlthuns nicht fremd bleibe, und alle gewähren sie durch zweckmäßige Verwaltung reichliche Hülfe dem Armm und Trost und Linderung dem Leidenden. Auch für die arme Jugend wird hinreichend gesorgt; sie erhält nicht nur zweimal im Jahre angemessene Bekleidung, sondern wird ihr auch der Segen des Unterrichts im göttlichen Worte genügend zu Theil. BemerkenSwerth ist und für den Spendenden wohlthuend, daß unter hiesigen Armen musterhafte Schamhaftigkeit herrscht, und daß selbst in drückendster Theuerung weder Bettelei noch zerlumptes Einherstreichen den Beobachter empfindlich berührt. DaS Verdienst der Belebung und Erhaltung ächt religiösen Geistes und Gemeinwohls gebührt unstreitig unferm ehrwürdigen Rabbiner, Herm Elias Gutmacher. Mit reichem Wissen und seltenem Scharfblick begabt, steht er als treuer Wächter, bald schaffend und helfend, bald streitend gegen herannahendeS Ungemach der Gemeinde kräftig zur Seite, und wenn schon sein imponirendeS Aeußere Ehrfurcht einflößt, so ist'S noch mehr sein frommes, uneigennütziges Streben und seine wahrhaft väterliche Gesinnung gegen Jedermann, welche ihm die ungetheilteste Hochachtung und Verehrung sichert. Gott wolle ihn noch lange zum Frommen Israels kräftig erhalten. — Vor Kurzem ist auch Herr Rabbiner Gutmacher in Anerkennung seiner hohen Verdienste und reichen Gelehrsamkeit in einem sehr ehrenvollen amtlich abgefaßten Schreiben der jüdischen Gemeinden in der heiligen Stadt zum Nafi ernannt worden. Die Gemeinden Jerusalems legen vertrauensvoll ihre heiligsten Angelegenheiten in seine väterliche Hand und unterwerfen sich seinen Entscheidungen in allen Stücken. Selbst der dortige Chacham-Baschi Abulafi giebt Herrn Rabbiner Gutmacher in einem besondern mit seinem amtlich kaiserlichen Siegel bekräftigten Schreiben seine Ehrfurcht und Hochachtung in der glühendsten Sprache des Orients zu erkennen. Es dürfte auch den Lesern dieses Blattes die Nachricht nicht unwichtig sein, daß am 12. d. M. die Leiche des im Februar d. I. spurlos verschwundenen und seiner Zeit hier rühmlichst gedachten Oberlehrers vr. Löwenthal zu Posen gefunden worden ist. Die Lerche, welche natürlich schon bedeutend in Verwesung übergegangen war, ließ dennoch durch mancherlei Umstände überzeugend erkennen, daß der vr. Löwenthal bei seinem gewohnten Morgengange im Wiesengrund, der damals vermuthlich mit schwachem Eise überdeckt war, verunglückt sei. AuS SanitätSrücksichten wurde sie noch an selbigem Tage auf dem jüdischen Friedhofe zur Ruhe bestattet. Unter den Vielen, welche de» 29

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