Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1855)
- Date
- 1855-07-16
- Page
- Seite 376 (sequence 10)
- Language
- German
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376 Verunglückten die letzte Ehre erwiesen, sah man auch seinen Vorgesetzten, den Director der Realschule, Herrn Breneke, welcher in dem Oberlehrer Löwenthal einen eben so tüchtigen und gewissenhaften Lehrer, als einen lieben Freund beklagt. C. Anclam, 16. Juni. (Privatmitth.) Vor einigen Tagen wurde hier daS fünfundzwanzigjährige AmtSjubiläum unseres Bürgermeisters Kirstein gefeiert. Mit Rücksicht auf die vielen Verdienste, die sich der würdige Jubilar sowohl vor, als auch ganz besonders nach Verleihung der CorporationSrechte, als CommiffariuS der königlichen Regierung, um unsre Gemeinde erworben hat, überreichte ihm eine Deputation deS Vorstandes und der Repräsentanten eine Adresse, worauf derselbe daS hier wörtlich mitgetheilte Schreiben „an den Vorstand und die Herren Repräsentanten der Synagogengemeinde, zu Händen des Herrn vr. Kirstein" erließ. „Dem Vorstande und den Repräsentanten der hiesigen Synagogengemeinde spreche ich für die wohlwollenden Gesinnungen, die Sie an dem Tage, an welchem ich 25 Jahre das Bürgermeisteramt verwaltet habe, gegen mich ausgesprochen haben, meinen herzlichsten Dank auS. Es gereicht mir zu meiner besondern Freude, daß Ihnen mein Bemühen, in Ihre Gemeinde äußere Ordnung und Regel einzuführen, nicht entgangen ist, und daß Sie eS gern sehen werden, wenn ich auch fernerhin als CommissariuS der königlichen Regierung mich mit Ihren Angelegenheiten beschäftigen darf. Sie wollen sich darauf verlassen, daß dies mit Liebe und Hingebung geschehen wird, und daß ich Diejenigen, welche, wenn auch einer andern Religion angehörig, den Allmächtigen mit Auftichtigkeit bekennen, zu achten weiß. Genehmigen Sie, meine Herren, den Ausdruck meiner Hochachtung und Ergebenheit. Anclam, den 14. Juni 1855. Kirstein." Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 24. Juni. (Privatmitth.) Ich habe Ihnen in letzter Zeit einige wenig erfreuliche Nachrichten mitgetheilt, um so mehr freut eS mich, heute Ihnen einen wahrhaft freudigen Bericht erstatten zu können. Ich habe Ihnen seiner Zeit mitgecheilt, daß von Seite deS Ministeriums den verschiedenen LandeSchefS in Beziehung der Judenangelegenheiten eilf Fragen zur Beantwortung vorgelegt worden find. Ich habe auch nicht verfehlt. Ihnen zu melden, daß mit Ausnahme zweier Antworten, die Berichte günstig lauteten. Diese eilf Fragen find auf sechs reducirt, dem hiesigen Magistrate zur Beantwortung vorgelegt worden (die Frage wegen Staatsanstellung, besonderer jüdischer Gemeinden rc. wurde ausgelassen). Wie ich nun höre, hat der Magistrat sich entschieden günstig für die Juden ausgesprochen und hat die Besitzfähigkeit der Juden und die Zulassung zu allen Gewerben aufs Beste befürwortet. Herr Bürgermeister Ritter von Seiller war eS wieder, der sich als wahrer Menschenfreund bewährt und bewiesen hat. Hoffen wir, daß die Stimme der Reichs-, Haupt- und Residenzstadt nicht spurlos verklingen werde. Gelegentlich sei bemerkt, daß der Gemeinderath nach wie vor Juden das Bürgerrecht ertheilt und denselben die Zuständigkeit gewahrt. ES wird da nicht der geringste Unterschied zwischen Juden und Christen gemacht. In der Plenarversammlung des Vorstandes, die in letzter Woche stattfand, wurde beschlossen, neben dem neuen Tempel auch sogleich die Nebengebäude zu erbauen. Hoffen wir, daß jetzt der Bau ohne Unterbrechung vor sich gehen werde. Böhm. Leippa, 19. Juni. (Privatmitth.) Am 17. Juni d. I. wurde der neu gewählte CultuSgemeindevorsteher Herr Salomon mbe Dub in feinem Ehrenamte installirt, und wir begrüßen schon den Namen desselben als glückliches Wahrzeichen für sein Wirken in diesem neuen Berufe; denn, wenn irgendwo, so ist eS vorzüglich in diesem Amte, wo Friedensliebe und Parteilosigkeit das Steuerruder führen müssen, wenn Heil und Segen für daS Gemeinwohl erfprießen soll. Und wir haben leider seit zwei Jahren ttaurige Erfahrungen gemacht, wie Leidenschaftlichkeit und Parteiwuth, in der Person deS Gemeindevorstehers vereint, eine blühende, für alles Gute und Edle empfängliche Gemeinde zerrütten und ihre Ehre in den Staub treten kann; doch wollen wir in wahrer jüdischer Liebe die Vergangenheit mit dem Mantel der Vergessenheit umhüllen; denn hatten wir auch daS nuin fVn — apan fiwri zu beklagen, so trat doch auch zeitig genug daS -o^b ^bn apani ein, und