Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1855)
- Date
- 1855-07-16
- Page
- Seite 372 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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372 europäischen Glaubensgenossen wohlthäcrg auf ihre orientalischen Brüder einwirken wollen, wenn fie dieser heruntergekommenen Masse dazu verhelfen wollen, die Rechtswohlthaten, die sich ihnen jetzt bieten, zu benutzen, um sich wieder auf die Höhe ihrer Väter in social-intellectueller und materieller Hinsicht zu schwingen, wenn fie verhüten wollen, daß jene, trotz der ihnen eröffneten Wege, immer tiefer sinke, dies nur dadurch möglich ist, daß eine Anzahl junger türkischer Juden in Europa erzogen und in allen Gewerben und Fächern ausgebildet werden, so daß etwa alle fünf bis sechs Jahre eine neue Generation anherkömmt. Unsere Absicht ist es nun, die Sache noch etwas weiter reifen zu lassen, um, nach dem gänzlichen Scheitern des entgegengesetzten Gedankens, den frühern, so günstig aufgenommenen und nur so eigenthümlich verdrängten, mit desto größerer Energie zur Ausführung zu bringen. „Geduldig harren und der Hülfe Gottes hoffen, ist gut und vortrefflich", sagt der weise Köniz. Bemerkungen. In voriger Nummer theilten wir ein Supplement des Herrn Rabbiner Wiesner in Nachod mit. In der Eile vergaßen wir zu demselben zu bemerken, Laß, wenn wir in dem ersten Artikel „aus den Bergen" sagten, daß cs charakteristisch sei. Laß wir keinen Segensspruch ssw den Anblick der Berge hätten, wir nicht die Leracllot 54, a. mirgctheilte Geberformcl mraarr by rninn "by vergessen hatten, die auch Maimonides lleraeb. Abschn. X. Z. 15. und Schulchan Aruch Orach Chaj. 228, 1. angeführt wird, sondern im Auge hatten, daß dieselbe ins praktische Leben gar nicht übergegangen und daß fie schon im 8cdulc!,an Aruch a. a. £). §. 3. dahin beschränkt ward, daß fie nicht von allen Bergen, sondern nur von solchen gelte, an welchen sich die Allmacht Gottes besonders manifestire. Es bleibt dies also als Charakteristikum immerhin bestehen. — Dem uns anonymen übersandten schönen Gedichte einer Dame auf die „Sendung Jsrael's" in diesen Blättern unsern herzlichen Dank! Jüngst wurde ein Artikel unsrer Zeitung über Heinrich Heine von einem literarischen Journal zu Paris ins Französische übertragen. Aus diesem übertrugen die „Blätter für literarische Untersuchung", die in Leipzig bei Brockhaus erscheinen, den Artikel wieder ins Deutsche, ohne daß der Redacteur Herr Markgraff die in demselben Orte erscheinende „Allgemeine Zeitung des Judenthums" als Quelle anzugcben wußte. (Ist zu entschuldigen — in unsrer Jugend übersetzten wir einmal ein Gedicht aus dem Polnischen, das sich zuletzt als ein original deutsches erwies.) Zeitungsnachrichten. Palästina. Gaben für die Armen. Vom Vorstand der Synagogen - Gemeinde zu Gleiwitz, Herrn E. Frankel, 18 Thlr. 20 Sgr. Die Redaction. Preußen. Bötzow, 7. Juni. (Privatmitth.) In diesen Tagen von einem achttägigen Aufenthalt in Berlin zurückgekehrr, fand ich in den beiden inzwischen eingegangenen Nummern 21 und 22 der Ztg. d. Judenth. die mit „der große Umschwung UI. und IV." überschriebenen Artikel, und in denselben vornehmlich die werkthätige Liebe als das hervorragendste Moment der Lehre des Judenthums bezeichnet, dessen sattische Bewährung Einzelne sowohl als Gemeinden ganz besonders im Auge behalten sollten. Es gereicht mir nun zur großen Freude, hinsichtlich der (mir seit meinen Studienjahren bereits wohlbekannten) jüdischen Gemeinde genannter Residenz einen ehrenvollen Beitrag liefern zu können, der den Beweis giebt, daß inmitten derselben dieses zwar viel und laut verkündete, aber meist zu wenig im Leben beachtete Grundprincip des JudenthumS in seiner hohen Bedeutung begriffen und in weitem Umfange zur That übergesetzt werde. Ich rede nicht von den Werken der Liebe, die durch reichliche Almosen, Beiträge, Stiftungen, Legate und dergleichen mehr geübt werden, denn eS wäre wahrlich unnütz, einer Gemeinde, die sich seit mehr als einem Jahrhundert eines ausgezeichneten RufeS erfreut, ja in welcher privatim und öffentlich oft eher zu viel als zu wenig deS Guten gethan wird, hierüber Lob spenden zu wollen; nein, ich spreche vielmehr von dem die Gesammtheir trotz ihrer höchst divergirenden religiösen Ansichten beseelenden Geiste, der