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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-07-16 · Heft 29 (16.7.1855) · p. Seite 371

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 29 (16.7.1855)
Date
1855-07-16
Page
Seite 371 (sequence 5)
Language
German
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371 mit verstanden — und z. B. jene große Druckstätte hebräischer Werke „Konstanrinopel" gänzlich verschwunden ist. Zn Anbetracht Deffen und auf Grund mehrfacher unmittelbarer Berichte ließen wir daher die Aufforderung ergehen, junge türkische Juden in europäischen Städten in allen Branchen unterrichten zu lassen, mit der Verpflichtung, nach bestandener Lehrzeit nach der Heimath zurückzukehren und da in selbstständiger Weise durch Beispiel, Lehre und Wort die materielle und intellcctuclle Cultur zu verbreiten. Wir erhielten, wie wir unseren Lesern vorgelegt, von den Vorständen großer deutscher Gemeinden, dem belgischen Confistorium u. A.*) die Zusicherung bedeutender Unterstützung und Befürwortung, wenn sich irgend eine behördliche Instanz an die Spitze stellen und zum autoritätlichen Mittelpunkt machen würde. Wir wandten uns daher nach Paris. Ter Präsident des Central-Consistoriums faßte die Idee mit Feuer auf, und ttat sofort mit der israelitischen eeole äe Iravail in Srraßburg in vorläufige Unterhandlung; die Mehrzahl der einzelnen Mitglieder dieser Körperschaft, z. B. Großrabbine Ullmann, Professor Franck, auch der Secrerair M u n ck zeigten sich sehr interesfirt dafür. Hingegen sprach sich Alphons von Rothschild, ebenfalls Mitglied des Central-Consistoriums, weniger geneigt aus, vielmehr dafür, Schulen im Orient anzulcgen, vbfchon die Unmöglichkeit und das Unpraktische dieses Gedankens sich schon mehrfach erwiesen har, überhaupt aber erst durch Jemanden noch die Verhältnisse im Orient untersuchen zu lassen. Bei der ersten Sesfion des Centtal-Confistoriums machte sich denn auch dieser Einfluß geltend, und obschon das officielle Schreiben des Central-Confistoriums an uns den Accent noch auf den von uns vorgetragenen Entwurf legte, so ward doch die Noth in Jerusalem in den Vordergrund geschoben, und die Reise des Herrn Albert Cohn's nach dem Orient angezeigt. Jedermann gedenkt noch der Berichte über diese Reise; wir haben ihrer hier besonders nur insofern zu erwähnen, als sie eben hinsichtlich der orientalischen Juden den uns entgegengesetzten Weg, Schulen im Oriente für die Juden anzulegen, repräsentirt. Wir haben niemals eine Kritik dieser Reise geschrieben; wir wollten ruhig abwarten, ob der, zuerst 1840, nun noch einmal versuchte Plan, Schulen im Oriente anzulegcn, reusfiren würde. Wir waren *) Auch der hochherzige Sohn eines der größten Wohlthäter des neuern Judenthums sprach sich dahin aus, einige solcher Zöglinge auf seine Kosten erhalten zu wollen. Redact. schon damals überzeugt, daß er sich eitel erweisen werde, und daß man zu unsrer Ansicht zurückkehren müsse, wenn anders durch Liesen mißglückten Versuch nicht unterdeß die Theilnahme überhaupt erdrückt, wenigstens geschwächt wäre. Von Jerusalem schrieb man uns schon damals, Herr Albert Cohn habe nur dadurch dort schnell Etwas instituircn können, weil er das Wort seola nicht in den Mund genommen, sondern sich auf „wohlthätige Werke" beschränkt. Aber in Smyrna und Konstantinopel hatte er Schulen eingerichtet. Ueber die erstere haben wir nichts wieder gehört. Aus Konstantinopel aber führen wir hier einen Bericht aus den Archiv, israel. de Fr. an, so daß also Niemand unsere Quelle eine parteiisch trübe nennen kann. Es heißt im jüngsten Hefte: „Herr Brunswick, Direcror der ftanzöfischen Schule in Konstanrinopel, ist voller Muth und guten Willens: aber diese Eigenschaften werden nicht genügen, um die Hindernisse aus dem Wege zu schaffen, welche seine Mission auf jedem Schritte sinder, die Opposition der Chachamim, welche den Untergang der Religion in der Gründung einer ftanzöfischen Schule sehen, die fatale Gleichgültigkeit der eingebornen Notablen, die Muthlosigkeit der fremden israelitischen Colonie von Galata; unter den armen Familienvätern selbst fürchten die einen nicht ihre Kinder in die Schulen der protestantischen Missionaire zu schicken, wo sie meist Geschenke und Lohn noch dazu bekommen*); die andren, welche den Muth haben, ihre Kinder in die ftanzöfische Schule zu senden, ziehen sie zurück, sobald sie ihnen genug gelernt zu haben scheinen, um bessere Colporteure abzugeben**). Die israelitische Fremden - Colonie von Galata hat eine italienische Schule, die sich erhält, weil ihr das Haus gehört, worin sie sich befindet; obgleich der dirigirende Professor guten Willen hat, so besitzt er doch keine pädagogischen Kenntnisse, da er ein Eradvocat aus Corfou ist." Dies ist der Zustand der Dinge, und daraus geht bereits der vollständige Erweis hervor, daß, wenn die *) Dies dient einmal wieder diejenigen zurückzuweisen, welche gegen uns einwandten, wir würden gar keine Kinder aus Konstanrinopel re. bekommen. Die Eltern sind dort ftoh, wenn man ihnen die Sorge für einige Kinder abnimmt, und dagegen können die Chachamim nichts thun, wohl aber gegen die Errichtung ftemder Schulen. Redact. **) Abermals ein Beweis, daß nur dadurch Hülfe kommen kann, wenn durch die Entfernung die Disposition über die Kinder den rohen, unverständigen Eltern genommen ist. Redact.

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