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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-07-09 · Heft 28 (9.7.1855) · p. Seite 360

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 28 (9.7.1855)
Date
1855-07-09
Page
Seite 360 (sequence 8)
Language
German
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360 nahm, subscribirte B. 50,000 Fl. C. M. Dieser Act von Patriotismus hat in den höhern Kreisen große Sensation erregt, so daß der Statthalter sich bei der Regierung für ihn verwendete, so daß ihm der Kauf gestattet ward. Niederlande. Amsterdam. (Wes.-Z.) Die pietistische Reaction hat in den Niederlanden keine Zukunft. Dies ist jetzt durch zwei Thatsachen schlagend bestätigt, nämlich durch die den Kammern vorgelegten und jetzt zur Berathung stehenden Gesetzentwürfe über die Abschaffung der von allen am meisten drückendenMahlsteuer und über daS niedere und mittlere Unterrichtswesen. Gegen beide Entwürfe tobt im eigentlichen Sinne deS Worts die pietistische Partei, aber die Regierung und eine große Kammermajorität halten fest zusammen, und so wird die Mahlsteuer trotz „deS dahinterlauernden SocialismuS" fallen, und das neue Unterrichlsgesetz das sicherste Bollwerk der niederländischen Nationalität, die „confesfionslose Staatsschule", ungeschmälert erhalten. Die Erziehung der Jugend, sagt der Kammerbericht, ist Recht und Pflicht häuptsächlich der Familie, des Hauses, confessioneller Unterricht Sache der Kirche, aber der Staat hat dafür zu sorgen, daß die Jugend die gehörigen Kenntnisse erlange, und der Unterricht nicht benutzt werde, um die christliche Liebe in confessionellen Haß zu verkehren. Einmüthig gestanden alle Mitglieder der Kammermajorität, daß daS Sitzen auf einer und derselben Schulbank ein unauflösbares Band für die Mitglieder auch verschiedener Consesfionen schaffe, ohne welches die Niederlande sich in Parteien auflösen würden. UebrigenS stehen die Aussichten der pietistischen Partei so schlecht, daß trotz aller Bemühungen Groen van Prinsterer nicht wieder in die Kammer hat gebracht werden können, und nun eine Erholungsreise inS Ausland beabsichtigt. Rußland. Aus Galizien, Mitte Juni. (Privatmitth.) Mit Vergnügen theile ich den Lesern dieses Blattes ein Factum mit, das wieder einmal beweiset, daß es nichts absolut BöseS auf der Welt giebt. Während unsere Nachbarn, die russisch-polnischen Juden, außer ihrer gewöhnlichen, gedrückten Lage, noch die Uebel eines Kriegszustandes mit allen seinen Consequenzen bitter empfinden, sind sie von einem Feinde im Innern befreit worden, der wie ein Krebsschaden an ihrem Mark nagte; es ist dies die englische Mission, der die dortige Regierung den freiesten Spielraum gestattete, weil sie sie als ein Werkzeug bettachtete, sehr geeignet, ihren Zwecken förderlich zu sein. — Ein Bericht aus Warschau vom 11. lautere neulich im „Wanderer" folgendermaßen: „ES ist erinnerlich, daß die hiesige englische Mission zur Verbreitung des Christenthums unter den Juden, obgleich sie seit etwa dreißig Jahren unangefochten hier bestanden, Häuser, Buchbindereien, Buchhandlungen u. dgl. angelegt hat, und besonders durch Wohlthätigkeit (!!!) zu wirken bestrebt war, plötzlich von hinnen ziehen mußte. Sie hat Betsaal, Gebäude auf der Straße LeSzno sammt sonstigem Inventar zum Verkauf gestellt, und der Qbermissionair Herr Becker hat die Stadt und daS Land bereits verlassen. —" Schade, daß nicht zugleich angegeben wird, wie viele russisch-polnische Judenseclen durch die besondere Wohlthätigkeit deS Herrn „OberbeckerS" und seiner Gesellen den Klauen deS Satans entrissen und dem allein seligmachenden Glauben der Anglikaner durch dreißig Jahre gewonnen worden find. — Aus Galizien, Ende Juni. (Privatmitth.) Im Feuilleton des „Wanderer" fand ich vor einiger Zeit unter dem Titel „Starowerzi — Bartruffen" einen interessanten, L. Julius unterschriebenen Aufsatz, in welchem einige der auffallendsten im weiten russischen Reiche zerstreut lebenden Secten amüsant geschildert werden. Ich ließ mir die Mühe nicht zu viel sein, Einiges, das ich zur Aufnahme in der „Allgem. Ztg. d. Judenth." geeignet erachtete, abzuschreiben. „Durch alle Gouvernements des großen Czarenreiches verbreitet, dessen Herrscher wie weiland Karl V. sagen darf: „Hier geht die Sonne nicht unter!" wenigstens im Sommer in Finnmarken, leben Tausende schismatischer Christen, deren Lehre sich jetzt auch unter ihren Stammverwandten, den Wenden und Czechen, zu zeigen beginnt. Bei Letzlern nennen sich die Sectirer Adamiten, und erst vor kurzer Zeit erschien ein Trupp derselben vor der Prager Behörde. Sie wollten auswandern nach Amerika, und ihr Stimmführer gab auf die Frage: „Wo wollt Ihr hin?" die kurze Antwort: „Wir gehen zum Vater."

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