Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1855)
- Date
- 1855-07-09
- Page
- Seite 358 (sequence 6)
- Language
- German
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358 stellen wir folgenden Brief her, der uns mit Bezug auf unfern Artikel „Aus den Bergen I." zugesandt worden. Nachod, 17. Juni. Daß unsere Weisen einen Segensspruch bei dem Anblick der Berge wirklich vorgcschrieben haben (Lerachoth f. 54 a — Orach chajim cap. 228.), daran würden Sie wohl auch ohne mein Zuthun sich erinnert haben; jedoch möchte ich die Gelegenheit benutzen, um auf den Gegensatz Babyloniens und PalLstina's in dieser Beziehung aufmerksam zu machen. — Palästina ist ein bergreiches Gebiet, Babylonien hingegen ist eine von keinem Hügel unterbrochene Ebene. R. Papa konnte es gar nicht begreifen, wie die Mischnah einem armen Weibe drei Paar Schuhe fürs Jahr aussetzen konnte, ein Luxus, den er mit seiner babylonischen Erfahrung nicht in Ucbcreinstimmung zu bringen vermochte, bis ihn Abaji belehrte, daß der Verfasser der Mischnah in einer Gebirgsgegend gelebt, wo mehr Schuhwerk abgenutzt wird, als im Flachlande (KetKubotd f. 65 ). Dieser Vortheil, den die Babylonier hatten — keine Berge steigen zu müssen — wurde jedoch von dem Nachtheile ausgewogen, daß fie auch keine Bausteine hatten, und ihre Wohngebäude durchgehends — weil auch das Feuerungsmaterial fehlte — aus an der Sonne getrockneten Lchmziegeln aufführen mußten. — Zu dem Bibelvcrse: „Und fie brachten einen Stein und legten ihn auf die Mündung der Grube" (Daniel Cap. 6, 18.), bemerkt Midrasch Chastth (Einleitung zu Schir ha schirim): „Giebt es denn in Babylonien Steine? Der in Rede stehende Stein konnte nur, im verhängnißvollcn Augenblicke, auf übernatürliche Welse von Palästina nach Babylonien gebracht worden sein." — Aber auch Palästina hatte — versteht sich, in viel kleinerem Maßstabe — eine ähnliche Fläche, die auf den Gebrauch der Lchmziegel angewiesen ist — die anmuthsvolle Scharonebene. Bei anhaltendem Regen konnte cs nicht fehlen, daß die Lchmziegel, die von keinem abendländischen Dache geschützt waren, durchweicht wurden, Häuser und Hütten stürzten zusammen, und begruben auch wohl ihre unglücklichen Bewohner; daher das Gebet des Hohenpriesters am Versöhnungstage, daß den Bewohnern Scharons ihre Häuser nicht zum Grabe werden (Jeruschalim Jona 5, 2.). — So heißt cs auch an einer andern Stelle (8ata f. 44 a.): „Wer ein Haus von Lchmziegeln im Scharon bauet, ist vom Kriegsdienste nicht befreiet, weil ein solches Haus doch nur für die Dauer von drei bis vier Jahren benutzt werden kann." — Die oben angeführte Stelle des Jeruschalim hat Schwarz (das heilige Land, S. 46.) durchaus mißverstanden; er meint nämlich, cs sei von dem Einsturze einer Gcbirgsmassc die Rede, weil aber der Scharon keinen Berg hat, so weiß er in dieser Verlegenheit sich nicht anders zu helfen, als aus eigener Machtvollkommenheit ein Scharon-Thal oder vielmehr eine Scharon-Schlucht zwischen dem sogenannten kleinen Chermon und dem Gilboa zu octroyiren, von der sonst kein Mensch etwas weiß, was aber durchaus unnöthig ist.-Die ermüdende Einförmigkeit Babyloniens, dessen Boden noch dazu während der Sommermonate eines jeden Schmuckes beraubt ist, und einen höchst traurigen Anblick gewährt, scheint auf die Gesundheit und Gcistesstimmung seiner jüdischen Bewohner nicht ohne Einfluß geblieben zu sein, und obgleich ihre Stellung eine viel günstigere war als die ihrer palästinensischen Brüder, so ist doch darum nicht mehr Frohsinn und Lebenslust bei ihnen anzutreffen, ihre Stimmung war vielmehr vorherrschend eine düstere und schwermüthige. „Die Bewohner Schinars starben im jugendlichen Alter an Lebensüberdruß," (sagt der Midrasch (veresehitd rabha cap. 37.). — Und weiter zeigt es sich, wie eine tiefe Wahrheit in Ihren trefflichen Worten, Herr Redacteur, liegt: „O, unsere Väter haben den Werth der Berge wohl zu schätzen verstanden," darum konnten fie ihren Verlust auch nicht so leicht verschmerzen. — I. Wiesner, Rabbiner. Fiturgisches. Um des allgemeinen Nutzens wegen, damit die praktische Anwendbarkeit die gute Sache fördere, bemerken wir, daß, so wie jüngst aus Leipzig und Könitz über die Einführung unseres „kleinen israelitischen Gesangbuches" berichtet worden, auch jüngst Herr Landesrabbiner vr. Levi in Gießen uns schreibt: „wenn alle Melodieen so schön wir Nr. 5., welche kürzlich hier zum Liede Nr. 52. (zum Geburtstage des Landesfürstcn) gesungen worden, so erachte ich sic für eine wirkliche Bereicherung des Synagogengesanges, die überall Aufnahme verdienten." — Eben so Herr Lehrer Eisner in Bene sch au (Böhmen): „Am jüngsten Sabbath ripn niae wurde hier die erste Confirmation auf die in Ihrem „Predigt- und Schul-Magazin" angegebene Weise gefeiert, wobei die Schuljugend das Lied Nr. 40. aus Ihrem „klei-