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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-07-09 · Heft 28 (9.7.1855) · p. Seite 357

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 28 (9.7.1855)
Date
1855-07-09
Page
Seite 357 (sequence 5)
Language
German
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357 für Fürst und Vaterland durchaus nur mit der „unreformirten israelitischen Gemeinde" in Mainz verbunden werden, wie „Abfall vom Gottesgesctz", „Nichtfesthalten an der Gottcslchre", „Nicht - Glaubcnstreuc", und damit „Nicht - Patriotismus" rc. rc. denen zugcsprochcn werden, die nicht zur „unreformirten" Judengemeindc in Mainz gehören... Es wäre hierüber nun viel zu sprechen, denn bekanntlich dreht sich die Frage darum: was „Gottesgefttz" und was „Menschensatzung" ist, da doch bekanntlich — der „orthodoxeste" Jude kann cs nicht läugnen — am talmudisch - rabbinischen Gesetz nicht blos „Gott", sondern sehr viele „Menschen" — und sehr menschlich — viele Jahrhunderte hindurch mitgearbeitet haben — aber der Artikelschrcibcr ist kein Theologe, und will auch kein Jude sein. Darum nur was zur Sache gehört. Ich kenne im gesammten ceremoniellcn Apparat des Judenthums nichts, was directen Einfluß auf die patriotische und politische Gesinnung des Juden habe. Hingegen ist es sowohl biblische als talmudische Lehre, daß der Israelit sich von „Aufrührern" fern halte, daß er für das Wohl des Staates und der Stadt besorgt sei und bete, daß er Ehrfurcht vor dem Könige habe und sein Gebot halte. Die darüber lautenden Stellen der heiligen Schrift, des Talmuds und rabbinischer Schriften find so oft angeführt, daß wir uns dessen hier enthalten können. Daß nun das Judenthum diese seine biblische und talmudische Lehre gepflegt und in seinen Bekennen» genährt habe, läßt sich bei der Conseauenz des Judenthums voraussctzcn, und wahrlich! die Fürsten und ihre Diener wunderten sich hierüber oft selbst, da ihnen ihr Gewissen sagte, welche Sclbstverläugnung die Juden hierbei zu üben hatten. Wer kann nun behaupten, daß der Jude, welcher das ccrcmoniclle Gesetz vielfach nicht für durchaus bindend und verpflichtend hält, und deshalb es nicht übt, der aber nichts desto weniger oft mir größerer Energie durch Tragung schwerster Lcbcnsopfer seine „Glaubenstrcue" berhätigt, als wer ängstlich jeden kleinen alten, bisweilen abergläubischen Brauch hält — ohne damit nur im Geringsten Bürgschaft für sittliches Leben zu geben — jene biblische und talmudische Lehre von Treue und Ehrfurcht für Staat, Obrigkeit, Fürst aufgegcben habe? Wir beharrpren vielmehr, daß, so gut wie es in jcd er Kirche Menschen gegeben, die bei aller kirchlichen Frömmelei lich sage nicht „Frömmigkeit") sich gegen Staat und Fürst auslehnrcn, und das Wohl ihres Vaterlandes und Fürsten hintcnansctzten gegen andre Zwecke — so auch im orthodoxen Judenthum cs unpatriotische und unmonarchische Juden und Schriftsteller gegeben hat, wir wollen bis jetzt Beispiele nicht anführen, und die selbst in den Cultus solche Momente einzuschmuggcln versuchten-daß hingegen es unter den Kritikern und Reformern des Judenthums sehr pattiotische und eifrig monarchische Männer gegeben und gicbt. Glaubcnstreuc, Festhalten an der Gotteslehre ist durchaus kein Eigenrhum der Neu-Orthodoiie und der Alt-Orthodoxie, vielmehr waren und find Alr- und Neu - Orthodoxe oft eben so weit von der Gottcslehre, wie Refornrer vom Gesetz. Gehören demnach Ehrfurcht vor Staat und Fürst, Treue und patriotische Hingebung zur Lehre des Judenthums, so find sie Eigenthum aller Richtungen und Parteien, welche die Lehre des Judcnthums zu ihrem Wesen haben, mögen sie in vielen Beziehungen, namentlich hinsichtlich der religiösen Cultsormen, auscinandergchen. Sprechen wir es daher unumwunden aus: Schmach den Juden und den jüdischen Schriftstellern, welche, mit Hintcnansctzung der Wahrheit und des Rechts, die nicht-orthodvren Juden, um dieser Bezeichnung uns zu bedienen, als des Patriotismus und der monarchischen Gesinnung grundsätzlich baar dcnuncircn, und die Pflichttteue in politischer Beziehung sich allein zusprechen! Aus den Bergen. IV. Es ist merkwürdig, daß gerade in allen Bergländcrn wenige Juden wohnen. Die Schweiz, die Apenninen» wie die Pyrcnäenlandschaftcn, Hochschottland und Norwegen, das Erzgebirge, Tyrol und der Ural, die AndeS und der Himmelaya zeugen davon. Auch in dem Harzgcbirge find nur wenige kleine Gemeinden angeficdclt, wie im thüringer Wald und im Norden Böhmens. Hie und da mag eine Ausnahme vorhanden sein — im Ganzen verhält es sich so, daß die Ebenen fleißig von Juden bewohnt sind, während sie in das Innere der Gcbirgsländcr sich wenig hincinbegebcn haben. Woran liegt dies? Daran, daß die Gebirgsbewohner mehr Vorurtheil gegen die Juden hegen und sie daher von ihren Höhen fern halten, oder daß unsere Glaubensgenossen, die doch keinen Antheil an den Bergwerken, Forsten und Jagden haben durften, die Berzländer scheuten?... Jndeß ist hier von Mittelalter und Neuzeit die Rede, im Alterthum war auch dieses anders, und mit Vergnügen

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