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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-07-09 · Heft 28 (9.7.1855) · p. Seite 356

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 28 (9.7.1855)
Date
1855-07-09
Page
Seite 356 (sequence 4)
Language
German
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356 Er wird, ohn' Fehl, Auch seinem Volke Israel Inmitten aller Völker Schaar Den Frieden schaffen immerdar!" Leitende Artikel. Harzburg, 3. Juli. Für Abwehr! II. Wir rechnen es uns wahrlich! zum Verdienste an, in diesen Blättern von jeher bis jüngst das Dorurtheil zurückgcwiesen zu haben, als ob das alte Judenthum identisch sei mit Uncultur und Unbildung, als ob ein aufrichtiges Hangen an dem Gesetz und der Sitte des alten Judcnthums Unwiffcnheit, Rohheit und Beschränktheit bekunde. Wenn schon mit einem innigen Leben in unsrer Religion zu aller Zeit sanfte Sitte, Wohlthätigkeit, Mäßigkeit und alle Tugenden des Herzens verbunden waren, so sind Aufklärung. Verstandesbildunz und Kenntnisse noch kein Widerspruch mit dem Festhalten an Gesetz und Brauch selbst in ältester Weise. Denn vielfache Momente wirken in der Religion hierauf ein, die alle ihre Geltung haben, ohne ihre Spitze gegen Verstand und Bildung zu wenden. Wir haben überall, wo die Reformsuchr sich zu solcher Feindseligkeit, zu solchem Verkennen der Wirklichkeit und zu solcher Urteilslosigkeit in religiösen Dingen Hinreißen ließ, dies gcbrandmarkt und als ein Steinewerfen auf die Gräber unsrer Väter bezeichnet. Aber mit desto größcrm Rechte und mit desto schwererm Nachdruck müssen wir eine, jetzt allzuhäufige Praktik der jüdischen „Pietisten" oder „Neuorthodoren" brandmarken, mit der sie — nicht die Gräber der Väter, aber — die Wohnungen der Lebenden mit Steinen zu bewerfen pflegen, oder am liebsten wegzurasiren wünschen. Es ist dies, um kurz zu sein, die politische Verdächtigung aller gebildeten Juden, die politische Denunciation aller Juden, die nicht zu ihnen halten, d. h. die sich nicht den Paar Eiftern hingeben, und ihren Führern nicht huldigen, und zwar theils negativ, indem sie Patriotismus, Ehrfurcht vor Fürst und Regierung nur sich vinviciren, theils positiv, indem sie geradezu dem modernen Judenthum mit dem Abfall von der orthodoxen Sitte Abfall von staatlicher Unterordnung, von Achtung vor der Autorität, Wühlerei, Geneigtheit zur Auftegung und wie all die Schlagwörter heißen, zuschreiben. ES liegt darin so viel Verrath wie Lüge — und verdienen daher diese Versuche um so mehr und um so öfter zurückgewiescn und geächtet zu werden, als auch hierin die Gegner der Neuorthodoren sich schwach und energielos zeigen, daß sie theils feige, theils vornehm ignorirend die Sache auf sich beruhen lassen, um so mehr und um so öfter, da die immer wiederholte Frechheit Eindruck macht und Glauben findet. Lieber Gott, die Dinge sind ja auch in Israel nicht neu, sondern ein altes verrostetes Werkzeug des blinden Partcihaffes ist damit nur immer wieder neu geschliffen und gehandhabt. Vor uns liegt 9!r. 134. des „Mainzer Journals" vom 10. Juni. Sie wurde uns von unbekannter Hand, ich weiß nicht zu welchem Zwecke, zugesandt. In derselben steht ein Artikel, der so recht in die eben gezeichnete Kathegorie gehört. In Mainz hat sich von der Hauptgemeinde eine kleine Separatgemeinde gcttennt. Gut. Eine eigentlich orthodoxe ist es nicht, denn wie wir auS gedachtem Artikel ersehen, hat sie deutsche Predigt und deutsche, neu componirte Lieder, folglich ist es keine altorthodore, und wir müssen sie also als neu-orthodoxe bezeichnen. Gut. Sie ist in ihrem vollen Rechte. Diese Gemeinde hat am Geburtstage des Grvßherzogs eine gottesdienstliche Feier veranstaltet. Sehr gut. Die Feier war sehr würdig und schön. Vortrefflich. Es wird lobend in der Zeitung darüber berichtet. Ganz recht. Aber nun wie? Allen Weihrauch für die Persönlichkeiten abgerechnet, wie spricht sich der Artikel aus? Er benennt die Gemeinde „die unrcformirte israelitische Gemeinde" — und doch Predigt und Lied! — und sagt: „die ganze Feier zeugte von dem Patriotismus unserer unreformirten israelitischen Mitbürger und der Anhänglichkeit derselben an unseren hochverehrten Fürsten." Von der Predigt heißt es: „Der geehrte Redner machte es sich zu seiner wohlgelungenen Aufgabe, nachzuweiscn, wie wahre Gottesfurcht auch Ehrfurcht gegen den Monarchen in sich schließe, wie namentlich der glaubenstteue Israelit verpflichtet sei. mit Gut und Blut, mit Leben und Vermögen für das Wohl seines Fürsten und seines Vaterlandes einzustehen." Endlich der Schluß: „Die ganze Festlichkeit überzeugte uns sofort von der Wahrheit des von dem Redner aufgestellten Grundsatzes, daß die Achtung und Freundschaft der Nichtisraeliten nicht erworben werde durch Abfall vom Gottesgesetz, sondern durch Festhalten an der Gotteslehre, die da gebietet Treue und Ergebenheit für Fürst und Vaterland." Man sieht leicht, wie hier Patriotismus, Ergebenheit

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