Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1855)
- Date
- 1855-07-09
- Page
- Seite 355 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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355 Der Andre kettet leichtem Blatte an Was Herz empfand und Geist ersann. Der Dritte beutet das Erzeugen Der Länder und Nationen aus, Der Andre führt den hohen Reigen Der Forscher in des Denkens Haus... Doch immer kommen, gehen immer. Und immer schaffen, aber Trümmer, Ein Tag ein herrliches Entfalten, Dann der Zerstörung nächtlich Walten — O Stolz, Gewalt und Aufwärtsklimmen, Und dann des Falles Klagcstimmen: „Das Werk, das ick mit meiner Kraft erfüllt. Vom Wüstcnstaub verhüllt...." Doch unter Allen stand der Eine Abseits vom Kreis und still gewärtig. Und als sie Alle ihrer Gabe fertig, Hatt' er in seinen Händen keine. Verachtend ziehn die Helden ihm vorbei. Schon zürnend, daß er unter ihnen sei. Das Schwert, er hat es nicht ergriffen, Ob seine Hand es führen kann. Den Meißel nicht dem Marmorblock geschliffen Für Götter, die der Mensch ersann; Er schmäht den Kiel, der durch die Meere schneidet Um schnöden Lohn, will nicht die Sterne zählen, Die doch der Herr nur weidet — 3hm wird nicht Einer fehlen- „Und da Du aller Herrschaft hast entsagt Und aller Mcnschenherrlichkeit, Was soll es sein, das in des Lebens Streit Dein allzu hoher Murh erjagt?" Da finket Abrah'm vor des Herren Wort Auf dem Gewölke nieder. Die Hände faltet er zum ew'gen Hort, Und betet leist und betet immer wieder: „Nichts, Herr, als Dich laß mich bekennen. Mein ganzes Volk nach Deinem Namen nennen. Die Wahrheit laß mich in der Welt verkünden. Das rechte Wort für Recht und Liebe finden — Dein Bote sei ich und kein andrer, Und war' es auch als ew'ger Wandrer...." „Und weißt Du auch, um was Du flehst. Wenn durch die Welt Du als Verbannter gehst?.. „Wohl wird die Menschheit mit der Wahrheit rechten. Viel tausend Male den Verkünder ächrcn, Dock nur um endlich sich vor ihr zu beugen. Und laut für sie zu zeugen, Laß wich Dein Bote sein und keinen andern. Und müßt' ich ewig als Verbannter wandern...." „Doch weißt Du nicht, um was Du bittest, Dis Du der Schmerzen bitterste erlittest..." „Viel haßt der Mensch, und drum der Liebe Träger. Er ist ihm um so mehr zuwider, Doch kehrt der immer, immer wieder, Wird auch Versöhnung in ihm reger. Man wird im hundertsten Gcschlcchtc Mich noch erniedrigen zum Knechte; Man wird mein Wort und meine Lehre nehmen Und meines Namens sich noch schämen; Vermag man mein nicht zu entbehren. Wird man noch immer mich entehren — Doch Herr, Dein Zeuge sei ich, und kein andrer, Und sei's als stets verhöhnter Wandrer...." „Und weißt Du auch, um was Du werbest. Wie einen Fluch auf immer erbest...." „Wohl weiß ich eö, wem viel gegeben, Dem ist das Irren allzuleicht. Und jedem Makel wird geneigt Ein dauernd Schmachwort man erheben. Und jedem Fehlttitt folgen Fluch Durch der Jahrhundert' langen Zug... Doch innen in des Herzens Kammern Wird doch zum Zubel jedes Jammern, Und in der Wahrheit langem Kriege Die Niederlage selbst;um Siege, Mein Werk ist für der Zeiten ganze Rcih'n, Und an ihm wcrd' ich ewig sein. Ich werde steh'n auf meiner Feinde Trümmern, Mir neuem Morgen nach des Abends Schimmern.... Drum sende mich, Herr, keinen andern, Ich kann nicht anders, sollt' ich immer wandern...." Da scholl der Sang durch Weltalls Raum Don Erdensaum zu Erdcnsaum: „Der mit allmäckt'gcr Kraft Den Frieden schafft In seinen Höhen,