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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-07-09 · Heft 28 (9.7.1855) · p. Seite 354

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 28 (9.7.1855)
Date
1855-07-09
Page
Seite 354 (sequence 2)
Language
German
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354 Doch immer weiter dehnt sich Der Strom und wird zur See, Und wird zum weiten Meere Um «Land und Dün' und Höh', Umströmt das Rund der Erde In lebensvollem Drang — Da wallt's im Sonnenlichte Den ewig lichten Gang. — So kam die stille Quelle Zu Tage einst in Ur, Und floß, ein kräftig Bächlein, Durch Aram's reiche Flur, In Mizr dehnt zum Flusse Die reiche Welle stch. Und wallet viele Jahre In Canan männiglich. Dann fließt der Schwall von dannen In weite Flur hinaus. Der Strom von Land zu Lande Mit Lust und auch mit Graus, Wird, da er viele Strecken Durchmesscn, jach zum Meer, Wie er um alle Länder Wallt ewig, klar und hehr. Und ob den Strom fie bannen. Und Joch um Joch ihm bau'n. Mit Schlamm ihm und Gerolle Die Wasser schmutzig stau'n — Er breitet reichen Segen Durch all die Völker aus. Darauf beruh'n die Staaten. Darauf das stille Haus; Was er der Welt gegeben Und was er stets ihr giebt. Es stützt und hält und tröstet, Es bindet, opfert, liebt — Aus mächt'gem Fels gekommen. Durch düstres Thal gedrängt, Dis es der ganzen Menschheit Gebiet durchströmt und tränkt. IV. Als Sitze gab der Höchste den Nationen, Von einander schied der Menschen Söhne, Sondert' er ab der Völker Grenzen Für der Söhne Israel'« Zahl. S Mos. 32, 8. AlS wunderherrlich unsre Erd' erstanden Am SchöpfungSmorgen in der Blüthen Pracht, Zum ersten Mal um fie aus alter Nacht Der Sonne Strahlen goldne Kränze wanden, Zuerst das Meer aufrauschte um den Strand Und brandete den Jubeldonnergang, Den ersten Sang Der Vögel Chor in laue Lüfte sandt' — Da, da — im Saphirblau des Himmels, Im Lichtnreer hehren Sterngewimmels, Im Goldglanz ungezählter Sonnen, Wo um des Eiv'gen Thron die ew'gen Wonnen Auf Purpurwolken kreisen. In herrlich hohen Weisen Des Ew'gen Macht, des Ew'gen Liebe preisen — Da. da erschienen aller Völker Ahnen, Die einst auf diesem Erdkreis ihre Bahnen Beschreiten würden und vollenden — Erhabner Geister ein gewalt'ger Kreis — Hier zu empfangen aus des Herren Händen Jedweder des bestimmten Thuns Geheiß. Der Menschheit Werke sah man da in Bildern, Wie die Jahrtausende fie schaffen sollten, Zu immer höhcrn, edlern, mildern. So wie dahin die Zeiten rollten. Und jeder dieser Stammesriesen Ergriff das Bild, das ihm der Herr gewiesen, Tief in den Geist deß dauerndes Gedenken, Bis seine Zeit gekommen, zu versenken. Auf Lotosblumen ließ fich Indus nieder Zu träumen Nichtserfüllten Traum; Phönicia baute riefgen Schiffes Glieder Kühn zu durchschneidcn Weltmeers Raum; Aegyptus maß des Thicrkrcis' Stcrnewallcn, Des Nilos Steigen, Strömen, Fallen; Jäon griff nach Hammer, Griffel, Leier, Der That, dem Wort, der Form zur Feier; Rom nach dem Schwert, die große Schlacht zu schlagen, Der Völker Freiheit blutig zu verjagen. Und war so eine ganze Zeit vollendet, Erschienen neue riefige Geschlechter Und ihrer Thaten kühne Wächter, Um zu empfah'n, was ihnen Gott gespendet; Sie überzieh'n mit Schwert und Flammen Mit Kreuz und Halbmond eine ganze Welt, Nach Abend drängen fie zusammen Und bald nach Morgen Kriegsgezelt; Der Eine kettet aus des Meeres Schovß Ein unbekanntes Welttheil los,

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