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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-07-02 · Heft 27 (2.7.1855) · p. Seite 349

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 27 (2.7.1855)
Date
1855-07-02
Page
Seite 349 (sequence 11)
Language
German
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349 Literarische Nachrichten. BreSlau, Ende März. Zur jüdischen Münzkunde. Von Di\ Mor. A. Levy. In meinem letzten Berichte erwähnte ich nur flüchtig des Werkes von de Saulcy (numiswatigue judaigue,?sris 1854) und komme ich, wegen der Wichtigkeit des Gegenstandes und weil wahrscheinlich das genannte Werk wegen seines hohen Preises nicht Vielen zugänglich ist, ausführlicher darauf zurück. — Ein herrlich ausgestalteter Quartband mit 20 Tabellen Münzabbildungen giebt uns ein reiches Material zur Aufklärung einer der wichtigsten Epochen der jüdischen Geschichte, die, obwohl sie eine umfassende Behandlung an Joscphus und in den zwei ersten Büchern der Makkabäer gefunden, dennoch dunkele Partien genug enthält, die nur durch Monumente aus alter Zeit, und zwar zunächst durch Münzen — da schwerlich Geschichtswerke aus jener Epoche aufgefunden oder Ausgrabungen in nächster Zeit an den heiligen Stätten vorgenommen werden dürften —, einiges Licht erhalten können. Wir besitzen glücklicher Weise eine nicht unbeträchtliche Anzahl jüdischer Münzen von den Zeiten der Makkabäer, die ebensowohl manche Geschichtsfacta erhärten, als sie auch besondern Werth zur Feststellung der Zeit der Einführung unserer Quadratschrist haben. Zunächst war es auch wohl jener letztere Zweck, der Theologen schon im 16. und 17. Jahrhundert veranlaßte*), die sogenannten makkabäischen Münzen einer strengen —; wenn auch nicht gerade immer wissenschaftlichen — Prüfung zu unterwerfen. Nachdem lange Zeit über die Aechtheit der Münzen gestritten worden, gelang es endlich dem Spanier Perez Bayer durch sein berühmtes Werk „de nuwis üebraeo - Lamarilanis, Vsleotise 1781 und üebraeo-Lamarilanis vindicatio, das. 1790," jene Zweifel an der Aechtheit zu beseitigen und nachzuweisen, daß von Simon Makkabäus an, nach 1 B. Makk. 13, 41., um das Jahr 170 der seleucid. oder 142 der gew. Zeitrechnung jüdische Münzen geprägt, und zwar mit Schriftzügen versehen, welche im Ganzen mit dem samarit. Alphabet übereinfiimmen, aber von unserer jetzigen Quadratschrift ziemlich weit entfernt find. Merkwürdiger Weise haben jüdische Gelehrte, wie As. de Rosst (Meor Enajim Cap. 56.), Maschkar (bei de Rosst a. a. O.) u. And. (vgl. Zunz: zur Lit. u. Gesch. S. 536) bereits im Gan- *) Wie Postellus, der 1538 die Abbildung eines Schekels herausgab und die Legende beinahe richtig deutete, desgleichen Ar. Montanus 1571, im 17. Jahrh. Br. Walton u. And. zen das Richtige getroffen, ja das Münzalphabet, welcher de Rosst (a. a. O. S. 274, b. cd. Wien) giebt, ist im Allgemeinen richtig, und glauben wir manche Uncorrectheit auf Rechnung ungenauer Abzeichnung auS der Handschrift de Rosfi's stellen zu müssen*); ja, überraschend ist es, auf der genannten Tafel Buchstaben anzutreffen, die auf den uns bekannten Münzen sich nicht finden und die daher auch auf allen Münzalphabeten fehlen; eS find dies die Buchstaben r, B, 0, die, nach paläographischen Grundsätzen beurtheilt, wohl die Kritik auShalten und nicht etwa aus dem samaritanischen Alphabet zur AuShülfe genommen find. — Seit der genannten Schrift von Bayer ist bis auf das letzte Decennium unseres Jahrhunderts die Untersuchung über die jüdischen Münzen nicht wesentlich weiter gefördert worden, das Hauptergebniß, was theologisches Interesse am meisten angeregt hat, daß nämlich unsere jetzige Ouadratschrift erst nach der Makkabäerzeit entstanden sein könne, war sicher begründet, nur konnte noch über das genauere Datum der Einführung gestritten werden. Inzwischen hatte sich aber die Münzkunde überhaupt vervollkommnet, neue jüdische Münzen waren aufgefunden worden, und nicht sowohl theologisches als vielmehr geschichtliches Interesse war das Motiv, die Untersuchung wieder aufzunehmen. Dies geschah denn von einem unserer bedeutendsten Archäologen, Lenormant, der in der Kevue numismatique (Paris 1845) eine neue Anordnung der jüdischen Münzen versuchte, dessen Untersuchung Cavedoni **) weiter foersetzte. Diesen Männern schließt sich der Autor des oben genannten Werkes an; de Saulcy, dem die orientalische Paläographie so manche schätzbare Entdeckung verdankt, hatte vor wenigen Jahren eine Reise nach Palästina unternommen, und der Zufall führte ihm mehrere seltene Münzen in die Hände, die ihn veranlaßten, die jüdischen Münzen ganz anders zu ordnen. Wir wußten bisher nur von Makkabaermünzen, die von Simon, und nach Lenormant, die von Jonathan ihren Anfang genommen, de Saulcy aber will schon die Münzprägung der Makkabäer von Judas an datiren, während er andere Münzen, die man Simon zuschrieb, theils ins 4. Jahrhundert vor Chr., theils ins 2. Jahrhundert *) Die seltene Ausgabe: Mantua hat z. B. weit richtiger die Zeichnung des n, als die eä. Wien. **) In der Schrift: liumismatic» diblica, o dia Dichiarzione delle monele antiche, Modena 1850. Den Werth dieser Arbeit scheint unS Herr Saulcy allzusehr zu unterschätzen. 27**

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