Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1855)
- Date
- 1855-07-02
- Page
- Seite 348 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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348 denen Titel „praktische Noten" erschienen, ein sehr verdienstvolles Werk. Jedem Paragraphen deS Codex: hat er ein Resume von Allem, was eS Wichtigstes,! Vernünftigstes und Praktischstes in der Civil-Juris-; prudenz giebt, beigefügt. In wenigen Jahren, d. h. seit 1845, sind fünf Auflagen dieses Werkes erschöpft und das sind mehr als 7000 Exemplare; ein in Jta- : lien sehr bemerkenSwerthes und unerhörtes Resultat. Unter seinen gesuchtesten Werken citiren wir noch seine Broschüre über die Befreiung der Juden in dem Ge- . biet der ehemalig cisalpinischen Republik. Im He- : bräischen und Chaldäischen bewandert, hat er auch ' Archäologisches geschrieben, besonders über Ninive und Korsabat. — Außer diesem erwähnen wir Dr. Morse Susani, der gegenwärtig auf einem seiner - Güter in Mailand dem Landbau lebt. Er hat mehrereS von Shakespeare mit Glück übersetzt. Sein ' Sohn Guido Susani, ausgezeichneter Mathematiker, ' ist Lehrer der Mechanik bei der Gesellschaft „Aus-; munterung für Künste und Gewerbe." Der Profesj sor der deutschen Sprache Treves, sein Neffe Profes-! sor der Musik, der ausgezeichnete Landschaftsmaler! Alexander Finzi, der Historienmaler Raphaeli Mila,; der Advocat Giaccobe Maffarani und Di*. NamiaS, I mehrere bedeutende Aerzte und endlich der Ingenieur! Galabi, der einzige Israelit im lombardo-veneziani-! scheu Königreich, welcher eine öffentliche Anstellung hat, bilden unter Anderen die wissenschaftlichen Ca- 1 Paritäten unsrer Gemeinden. j Die Mehrzahl der mailändischen Israeliten besteht! auS Rentiers, von denen einige sehr reich sind, aus : vielen Handeltreibenden, einigen Banquiers und nur wenigen Arbeitern; es giebt keine Proletarier. Im Allgemeinen find es sehr wohlerzogene und treffliche Menschen, eine Thatsache, die zum großen Theil dem guten Sinn der christlichen Bevölkerung zu danken ist, die nicht diese ungerechten Vorurtheile hegen, die . den Israeliten in andern Ländern seinen eigenen Kräften mißtrauen lassen, in seiner fteien Entwickelung aufhalten und ihn von dem wohlthätigen civilifirenden Einfluß deS gegenwärtigen Jahrhunderts fernhalten. ES besteht ein Privat-BethauS, wo man am Sonnabend und an den andern feierlichen Festen betet, und das durch freiwillige Subscriptionen unterhalten wird; eS ist ein Kirchhof, ein Schochet und eine besondere Fleischerei dort, wo man die Fleischarten nach dem israelitischen Gebrauche zubereitet, sowie ebenfalls eine israelitische Restauration. Die Mailänder Israeliten, die bis jetzt der Mantuaer Gemeinde einverleibt waren, sind auf dem Punkte, wegen der gewachsenen Anzahl, sich zu einer besonderen Gemeinde zu constituiren und schon seit 1847 war eine Commission durch sie ernannt, um das Statut zu entwerfen, das durch dieselbe Commission den Familienhäuptern vorgelegt, von denen in mehreren Sitzungen discutirt und gebilligt wurde. Die Billigung der Regierung kann nicht auSbleiben, um so mehr, da die Regierung selbst die Israeliten zu einer solchen Besonder-Organisation aufgefordert hat. DaS Statut theilt sich in zwei Theile: in das organische und daS innere. Alles, waS zu einer wohlorganisirten Gemeinde gehört, ist in den verschiedenen Abschnitten, woraus dasselbe besteht, festgestellt; Direction, Beamten, Rabbiner, dessen Pflichten sorgfältigst definirt sind; BethauS, Kirchhof, Religionsunterricht, Beitrag u. s. w. sind in Ordnung und Bestimmtheit entwickelt. DaS Beitrags-System verdient besonders erwähnt zu werden, denn es scheint uns, daß man dahin gelangt sei, die schwere Aufgabe zu lösen, die sich während so vieler Jahre in Organisation der italienischen Israeliten-Gemeinden findet, die Aufgabe, die Ausgaben zu regeln, indem man sowohl die Willkür, als auch die zu kleinliche RechnungSablegung vermeidet. Die Branche der Wohlthätigkeit ist auf ein Weniges beschränkt in Hinsicht aus die unbedeutende Zahl von Armen, und auf die öffentlichen Einrichtungen, an denen alle Bürger ohne Ausnahme Theil haben. Mit solchen Grundlagen und solchen Aussichten hoffen wir in kurzer Zeit in einem blühenden Zustand diese neue Israeliten-Gemeinde zu sehen, die, wenn eS Gott gefällt, in den Wegen der übrigen italienischen Gemeinden, welche bereits so weit auf der Bahn der Civilisation vorgeschritten, gehen wird. Die Gemeinde von Mailand wird den Ruhm und den Glanz deS israelitischen RamenS vermehren. vr. Heinrich Hanad.