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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-07-02 · Heft 27 (2.7.1855) · p. Seite 347

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 27 (2.7.1855)
Date
1855-07-02
Page
Seite 347 (sequence 9)
Language
German
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347 Compendio nur Mendelssohn und Wessely als der Reformatoren deS JudenthumS in Deutschland erwähnte, wenn er alle ausgezeichneten Israeliten, die denselben, wenigstens in der Zeitordnung, nachgekommen sind, verschwiegen hat, so geschah es, weil er eben in dieser Beziehung den Professor Luzzatto in Italien denselben gleichstellen zu können glaubte. Ich will in keine Discussion mich einlassen, wie weit dem Luzzano eine solche Stellung gebührt, auch keine persönliche Vergleichung anstellen zwischen ihm und andern Gelehrten Italiens; das ist aber gewiss, daß ihm darum ein ausgezeichnetes Lob zukommt, weil er nebst der Liebe zur Wissenschaft im Allgemeinen, und insbesondere zum Judenthume, allen seinen zahlreichen Schülern eine unbegrenzte persönliche Achtung und Liebe zu ihm, ihrem Lehrer und Freunde, einzufiößen weiß, Liebe und Achtung, die selbst dann mit jedem Tage zunehmen, wenn sie eine ganz unabhängige Stellung erreicht haben, demzufolge der herbe Ausdruck einer Lobhudelei hier ganz ausser Platz war. Daß aber unsere Gelehrten weniger leisten als die anderer Länder, wie in Frankreich, Deutschland, England und selbst in Amerika, darf nicht befremden. Man bedenke nur den Unterschied zwischen dem dortigen Lesepublikum und dem unsrigen. Dort ist es fo zahlreich, daß es den Verschleiß sichert, und dadurch auch die Herausgabe und selbst die Ausarbeitung nützlicher und größerer Werke befördert; bei unS wird der Gelehrte schwerlich einen Lohn für seine Arbeit, der Herausgeber schwerlich einen Ersatz seiner Auslagen finden. Wollen Sie also, hochgeschätzter Herr, diesen unverdienten Tadel, als wollten wir italienische Israeliten uns wie mit einer chinesischen Mauer gegen jede Berührung mit Fremdem und Ausländischem umschließen, nicht auf unS ruhen lassen. Wir nehmen daran Theil, und werden je mehr daran Theil nehmen, je allgemeiner die Kenntniß der deutschen Sprache werden wird, was sich auch nach und nach nicht minder aus äußerem denn auS innerem Triebe wirklich gestaltet. H. A. Randegger. Mailand, im April. (Nach dem Educat. Israel.) ES find ungefähr 4—500 Juden in Mailand. Es ist schwer, die Zahl mit Genauigkeit festzustellen, weil keine Statistik dort vorhanden. Außerdem auch begehen Viele unter ihnen das Unrecht, anstatt, wie viele Andere, mit edlem Stolz ihren religiösen Glauben zu bekennen, sich in Geheimniß zu hüllen. Vor noch nicht langer Zeit war ihre Zahl viel geringer als jetzt, ihre schnelle Vermehrung muß zwei Ursachen zugeschrieben werden. Die erste ist die Toleranz, die sie hier in Vergleich zu den anderen Staaten der Halbinsel begünstigt; diese Toleranz hat sie neuerdings politisch und bürgerlich mit den übrigen Einwohnern der anderen Religionen zu gleicher Höhe erhoben, während die Intoleranz in einigen anderen Theilen JtalrenS den Israeliten den Aufenthalt sehr unangenehm und sehr schwierig macht. Die andre Ursache der Vermehrung ist, nach unsrer Meinung, die individuelle Thätigkeit, die in den großen Mittelpunkten herrscht. DieS ist eine von den Israeliten viel leichter verstandene mächtige Anziehungskraft; daS ist ein Erbtheil alten Zwanges. AuS diesen Gründen sah man in kurzer Zeit Juden zuerst 1820 —1840 aus Piemont, dann 1840 auS dem Kirchenstaate und aus Mantua, Deutsche aber zu aller Zeit nach Mailand übersiedeln. Um von Männern zu reden, die durch ihren Werth nicht allein Mailand, sondern auch daS Judenthum und ganz Italien ehren, können wir nicht besser als mit Gioachino Basevi, einem gerechter Weise geachteten und geehrten Namen, beginnen: er ist einer der ausgezeichnetsten RechtSanwalte deS lombardisch -venetianischen Königreichs. Obgleich noch jung, wurde er wegen seines großen Talentes zum Vertheidiger des unglücklichen Andreas Hofer, deS Helden der Tyroler Unabhängigkeit gegen die Waffen Frankreichs, gewählt. Er übte die Advocatur anfänglich zu Mantua, später zu Brescia, und verzichtete dann auf seine Stelle, um sich in Mailand zu firiren, wo er sich begnügte, Rechtsconsultationen zu geben, von denen mehrere in Processen von großer Wichtigkeit einen Erfolg erhielten, der ihnen die Ehre verschaffte, veröffentlicht zu werden, und die noch größere Ehre, als eine unumstößliche Autoritär von fernen Collegen in ähnlichen Processen cilirt zu werden. In vorgerücktem Alter jetzt hat seine Kraft und sein Geist nicht abgenommen, so daß man seine Consultationen eifrigst nachsucht. Seine Schriften über die Gesetzge- ' bung, in den letzten Jahren veröffentlicht, vermehrten seinen Ruf und vorzüglich ist sein Commentar deS österreichischen Civil-Coder, der unter dem beschei- 27

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