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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-07-02 · Heft 27 (2.7.1855) · p. Seite 346

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 27 (2.7.1855)
Date
1855-07-02
Page
Seite 346 (sequence 8)
Language
German
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346 wir werden sehen, waS er zu leisten im Stande ist; doch zweifle ich an dem guten Erfolg, so lange nicht die Gemeinden Übereinkommen, jene Bücher, wenn sie wirklich gut und zweckmäßig wären, in die Schulen einzuführen, und als Tert vorzuschreiben, sonst wird es der Unternehmung an moralischer und finanzieller Stütze fehlen, theils aus Liebe zum alten Schlendrian, rheils aus JndifferentiSmus. Warum stellen sich nicht die beiden Professoren des Oollegio Rabbinio an die Spitze dieser oder einer ähnlichen Unternehmung, welche dadurch eine moralische Sanktion erhalten würde? — Grundfalsch ist aber, was erwähnter Bericht von einem Ausschließungsgeiste, von einer Pacht, einer Gilbe deS literarischen Wissens unter den hiesigen Juden spricht. Wenn die deutschen Leistungen hier nicht häufig bekannt sind, so hängt daS vorzüglich vom Hindernisse der Sprache ab, und diejenigen, die im Stande sind, deutsche Bücher zu lesen, halten die deutsche jüdische Literatur in gebührender Achtung, und Sie selbst, verehrtester Herr Redacteur, haben den Beweis davon in der Anzahl derer, die zu Ihrer Literatur-Gesellschaft unterschrieben haben und die Ihre „Allg. Zeit. d. Jud." lesen. Es scheint jenem Artikel etwas Gehässiges gegen den Verfasser deS Oompeudio della Religione IsraeliLica zu Grunde zu liegen, weil er unter den Beförderern der jüdischen Literatur in Italien bloS den Professor Luzzatto genannt hat. Wenn je tüchtige Organe der israelitischen Literatur und Erziehung erscheinen werden, da wird man hoffentlich sehen, daß hier kein AuSschließungSgeist vorherrscht, und keine chinesische Mauer gegen alle ausländische jüdische Erzeugnisse gezogen wird. — Harzburg, 10. Juni. Außer dieser Correspondenz von geschätzter Hand in Venedig hat uns Herr Oberrabbiner Mortara in Mantua mit einem Eremplar seines Compendio beehrt, welches wir nächstens besprechen werden. In seinem Begleitschreiben heißt es unter Anderm: „Einige Worte noch über die Israeliten Italiens. Alle Nationen, vergangene, gegenwärtige und zukünftige, haben ihre providentielle Sendung zu erfüllen. Ich wage es Ihnen zuzufichern, ohne zu fürchten, selbst von unseren Verleumdern Lügen gestraft zu werden, daß, wenn Ihre Nachrichten aus ganz reiner Quelle fließen, Sie sich überzeugen würden, daß die italienischen Israeliten, obgleich im Allgemeinen gedrückt, obgleich in der Mitte von VorurtheUen und Aberglauben, die man überhaupt und gegen sie insbesondre nährt, und trotz ihrer Fehler, nicht unterhalb deS allgemeinen Judenthums stehen, und würdig ihre providentielle Sendung erfüllen." Venedig, 12. Juni. (Privatmitth.) fUnfere Leser entschuldigen, wenn wir über den beregten Gegenstand noch eine Correspondenz folgen lassen. Allein da eine Gesammtheit angegriffen war, so muß der Gesammtheit um so mehr Raum gegeben werden. Redact.j Die Unparteilichkeit, so stets in Ihrer allgemein gewürdigten Zeitschrift herrschte, und einen Beweis deS unbestechlichen Gerechtigkeitssinnes deren RedacteurS von jeher lieferte, flößt mir das Zutrauen ein, daß Sie folgender Berichtigung einer letzthin in Ihrer Allg. Z. d. I. erschienenen Mittheilung aus Venedig in einer nächsten Nummer einen Platz gönnen werden. Die in derselben gerügte Lauheit der italienischen Juden in religiöser Beziehung, ist im Allgemeinen freilich unläugbar, jedoch nicht so allgemein, daß nicht ehrenvolle Ausnahmen stattfänden. Es ist in Italien wie überall. Diese Lauheit aber darf nicht so sehr einem Mangel an religiösem Sinne, als an wissenschaftlich religiöser Bildung zugeschrieben werden. Darin ist der Grund zu suchen, warum die ausländischen Producte deS Geistes über religiöse Gegenstände so. wenig bekannt, und daher ganz natürlich so wenig anerkannt find; nicht aber in einer Zurück» stoßung und Ausschließung alles Fremden als solchen. Unter den Wenigen, welche noch einen Sinn für religiöses Wissen haben, sind es wieder nur Einzelne, die in der deutschen Sprache bewandert find; diese aber versäumen gewiß nicht, sich mit allen neuen Erscheinungen im Judenthume bekannt zu machen. Weder Herr Mortara, Oberrabbiner in Mantua, Verfasser des Compendio L., noch die meisten von Luzzatto'S Schülern, in welchen eben dieser die Liebe zur deutsch-jüdischen Literatur erweckte und dadurch nährt, daß er ihnen aus seiner zahlreichen und stets zunehmenden in dieses Fach schlagenden Büchersammlung daS Neueste und Beste fortwährend zu lesen giebt, ignoriren oder verkennen die Wichtigkeit derselben, und das Verdienst deren Träger. Wenn der Verfasser deS

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