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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-07-02 · Heft 27 (2.7.1855) · p. Seite 345

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 27 (2.7.1855)
Date
1855-07-02
Page
Seite 345 (sequence 7)
Language
German
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345 cherer", ohne daß der Vorsitzende diesen und ähnlichen Beschuldigungen Einhalt gethan. Ebenso enthielt vor Kurzem daS Journal Akhbar in Algier einen heftigen Artikel „die Israeliten und die Colonisation in Algier", welcher die Juden beschuldigte, zum Ackerbau unfähig zu sein und den Handel zu verderben. Der Großrabbiner Herr Weil hat in sehr würdiger Fassung geantwortet, indem er hervorhebt, daß zu Algier, Oran und im Innern allerdings Juden Ackerbau treiben, daß der Handel Algiers immer blühender wird, daß insbesondere die jüdischen Dolmetscher die größte Aufopferung für die französischen Interessen bewiesen, und daß die Wohlthätigkeit und Mäßigkeit auch in Algier sprüchwörtlich seien. — Adolph Hinftin von Paris, Lieutenant vom Genie, seit Kurzem in der Krimm, hat sich vor Sebastopol ausgezeichnet und den Orden der Ehrenlegion erhalten. — DaS Konsistorium von Paris hält jetzt eine Sammlung, um ein WohlthätigkeitSinstitut zu gründen. Ein unter den Mauern von Sebastopol kämpfender Glaubensgenosse, Lieutenant der Voltigeur im 39. Linienregiment, Aron Cerf, sandte am 9. April ein Schreiben an das Consistorium, mit einer Anweisung von 15 Francs. Eine Nachschrift lautet: „Heute, um 6 Uhr Morgens hat das allgemeine Bombardement von Sebastopol zu Land und zur See begonnen. Im Augenblicke, wo ich schreibe, speien mehr als 3000 Feuerschlünde Tod und Zerstörung gegen die Stadt. Es ist schrecklich groß. Ich marschire diese Nacht in den Kampf, das Schema Israel im Herzen, muthig, denn wir vertheidigen die Sache Europa'S, die Größe Frankreichs, und die Ehre unsrer Fahne." — B. L. Fould, Gründer deS Bankhauses Fould und Fould-Oppenheim in Paris, ehemals Mitglied des CentralconsistoriumS, ist im 89. Lebensjahre verstorben und sein Begrabniß fand den 15. Mai statt. Arm in seiner Jugend, durch eigne Anstrengung langsam bis zu großem Reichthum gekommen, war er einfach, bescheiden in seinen Gewohnheiten und religiös in seinem Verhalten geblieben. Bei seinem Leichenbegängnisse sah man Marschälle von Frankreich und Gesandte und arme, von ihm unterstützte Greise. DaS Chor deS Tempels recitirte am Grabe die Gebete sehr angemessen; eine bemerkenswerthe Rede hielt Herr Bethmont, ehemals Minister und Batonnier deS AdvocatenstandeS. Herr Fould hinterlaßt 2 Söhne, von denen der erstere unter Ludwig Philipp wiederholt Deputirter war, der andere der jetzige Staatsminister ist. Letzterer hat seinen Glauben abgeschworen. — In Tlomcen (Algerien) fand vor einigen Tagen ein erbitterter Kampf zwischen den Juden und der einheimischen Miliz, welche schon wiederholt Proben deS Fanatismus gegen unsre Glaubensgenossen gegeben, statt. Es fanden an 50 Verwundungen von beiden Seiten statt und die bewaffnete Macht mußte dazwischentreten. ES wurden mehre Personen arretirt, unter Anderen Herr Moise Ayach vom Consistorium. — Diesen, den Archives entlehnten Nachrichten fügen wir hinzu, daß der Rabbiner S. Dreyfuß zu Mulhouse, vom Juli ab, ein alle 14 Tage erscheinendes Blatt unter dem Titel Le lien d’Israel herausgeben wird. ES soll ein Organ des französischen RabbinatS sein, und haben ihm viele französische Rabbinen ihre Mitwirkung zugesagt. Der warme Eifer und die Energie des Herrn Dreyfuß sind bekannt, wenn auch seine Ansichten nicht immer ganz unsrer Zeit anpassend scheinen. Wir wünschen ihm den besten Erfolg. Italien. Venedig, 30. Mai. (Privatmitth.) sDer Artikel in Nr. 19. auS Venedig hat in Oberrtalien viel Sensation gemacht. Wir würden damit nicht unzufrieden sein, sofern dadurch ein wenig beigetragen würde, unsre Beziehungen zu diesem Lande zu beleben. Redact.^1 Der in Nr. 19. der Allgemeinen Zeitung deS Judenthums aufgenommene Bericht auS Venedig enthält eine wahre und eine falsche Seite, und es ist die Pflicht eines wahrheitsliebenden Mannes, diese letzte zu berichtigen. Wahr ist eS leider, daß eS in Italien an guten Erziehungsbüchern für die israelitische Jugend fehlt, und daß der Religionsunterricht nicht so ertheilt wird, wie es die jetzigen Zustände erfordern. Nichts von einer National-Geschichte, nichts von dem, was den Geist erheben, die Würde, die erhabenen Principien unserer Religion erkennen lassen könnte, waS doch jetzt mehr als jemals nöthig wäre, damit, wenn die äußern Formen fallen, desto sorgsamer der Kern gerettet würde. Der Lckucatore Isrselits, der noch immer regelmäßig erscheint, will nun zwar den Versuch mit der Herausgabe einiger Bücher in diesem Sinne machen, und

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