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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-07-02 · Heft 27 (2.7.1855) · p. Seite 344

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 27 (2.7.1855)
Date
1855-07-02
Page
Seite 344 (sequence 6)
Language
German
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344 wieder nicht die Rabbiner) die Bestandtheile der ehemaligen Gemeinden andem nahegelegenen Gemeinden zuzuweisen haben. Veranlaßt durch das Landcommiffariat Neustadt erfolgte unterm 3. Juni v. I. ein Erlaß königlicher Regierung an alle Landcommissariate, daß auf Grund der Artikel IV., X. und XII. der allegirlen Verordnung aller Orten, wo die Jsraelitenvereinigung weniger als 15 Familien beträgt, die Auflösung einzutreten habe. Dieser Fall trat nun unter andern durch Beschluß des LandcommissariatS Landau vom 20. Juli v. I. auch für Edesheim ein. Gegen diesen Beschluß ergriffen die Israeliten von Edesheim den RecurS an die königliche Regierung; er wurde aber unterm 9. Januar l.J. „auf den Grund collegialerBerathung" zurückgewiesen und der LandcommissariatSbeschluß bestätigt. Darauf folgte unterm 15. März eine Bitte um Bildung einer neuen Gemeinde; doch ein Bescheid des königlichen Landcommiffariats vom 15. April lautete: „daß die vorgetragenen Verhältnisse nach näherer Untersuchung nicht hinreichend befunden werden konnten, eine Abweichung von den frühern Beschlüssen zu begründen, daß eS hiernach bei den erwähnten Beschlüssen sein Verbleiben habe und auf dem Vollzüge derselben bestanden werden müsse." DieS ist die actenmäßige Thatsache. Hierüber enthält nun daS Maihest des „Jeschurun" die schäm- und maßlosesten Beschuldigungen deS — Herrn Rabbiners vr. Grünebaum in Landau. Er gehöre der neuern Richtung an (!), er habe die Gemeinde aufgelöst, weil sie religiös sei (!), e r habe sie Edenkoben zugewiesen (!), wo der Gottesdienst mit Orgel abgehalten werde, so daß die Leute in ihrem Gewissen beunruhigt wären (!), er habe den Lehrer bei Strafe der Absetzung anderswohin versetzt (!), und was der Lügen und Verdrehungen mehr find, die dem Kundigen freilich nur Lachen und Verachtung gegen den Schmäher einflößen, weithin aber doch Bedenken erregen könnten. WaS nun die Wirksamkeit des so schwer beschuldigten Rabbiners in dieser Sache anbelangt, so beschränkt sich dieselbe auf einen Bericht, respective auf die streng wahrheitsgemäße Beantwortung bestimmter Fragen, wozu jener unterm 18. September v. I., also volle 2 Monate nach geschehener Auflösung der Gemeinde zu Edesheim, und nachdem diese bereits reclamirt hatte, im ausdrücklichen Aufträge hoher Regierung durch das Landcommiffariat aufgefordert wurde. Würdigt man nun den Sachverhalt und erwäget: 1) daß in EdeSheim kein gesetzlich geprüfter und von königlicher Regierung anerkannter Lehrer war, ja trotz wiederholter Ausschreibung sich keiner gemeldet hatte; 2) daß bei unS überhaupt aus Mangel an Lehrern in allen kleinern Gemeinden der Religionsunterricht sehr im Argen liegt, ja in vielen Orten die Jugend seit mehrern Jahren fast ganz ohne Religionsunterricht auswächst; 3) daß die Hebung des religiösen Lebens in CultuS und Unterricht einzig nur durch Jncorporirungen, wie die in Rede stehende, möglich wird; 4) daß der Rabbiner durch Verminderung der Gemeinden schlechterdings keinen pecuniären Vortheil haben kann, sondern im Gegentheil jedenfalls feine Prüfungsgebühren, vielleicht aber auch andere Diäten ohne irgend eine Compensation geradezu verliert: so liegt klar am Tage, daß in der ganzen Angelegenheit unlautere Motive und böser Wille nirgend weiter, als in der Correspondenz deS Jeschurun zu suchen und zu finden ist, und daß also heute noch, wie in weiland König Davids Zeiten, zu wünschen bleibt: daß verstummen mögen die Lügenlippen, die wider einen Unschuldigen Freches reden mit Hochmuth und Verachtung. (Psalm 31, 19.) Sie aber, Herr Redacteur, haben die Verpflichtung, die A. Z. d. Jud. solchen Berichten zu öffnen, damit daS Publikum Gelegenheit bekomme, der tendenziösen Lüge, die vor keinem vDri bibn zurückschreckt, die niemals den Spruch der Väter berücksichtigt: 1? t« a-a-o 1*12N ••23 ya'bntt N2n — sich aber doch die „frumme" nennt, Credit zugeben oder zu versagen. Frankreich. Pariö, im Juni. Daß auch in Frankreich Haß und Vorurtheil gegen die Juden nicht aufgehört haben, erweist sich oft genug. Die Arch. isr. de Fr. berichten von einer Satzung der Seineassifen, in welcher zwei der ehrenwerthesten Israeliten von Paris als Sachverständige über ein gefälschtes Papier auSzusagen berufen waren, und wo der gegnerische Advocat Avond, um ihr Zeugniß zu verdächtigen, auSrief: „Die Zeugen sind Juden, und alle Juden Wu-

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