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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-07-02 · Heft 27 (2.7.1855) · p. Seite 341

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 27 (2.7.1855)
Date
1855-07-02
Page
Seite 341 (sequence 3)
Language
German
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341 An Dir geheiligt hoher Stätte, Nicht zürne, sondern rette, rette!...." Der Abend sinkt, der Landmann zieht nach Haus, Die Vögel singen noch ihr letztes Lied, Die Sonne sendet ihre schönsten Strahlen aus. Eh' sie aufs Meer, zu andren Ländern zieht — Wie ruht die Flur in wunderbarer Fülle — Der Halmen Heere rauschen durch die Stille, Der Wiesen Duft aus wunderbaren Kräutern Quillt mit der Bäume Blüthenduft empor — Es wallt dahin das Rind mit vollen Eutern Und mischt sein Brüllen in der Glöcklein Chor — Da steiget Wonne in des Landmanns Herz; Doch er gedenkt des Winters Noth und Schmerz, Er beugt das Knie: „O Gott der Flur, Beschütze diesmal meine Felder nur, Die Arbeit segne, die gcthane, schwere. Bewahr den Klee, bewahr die volle Achre, Bewahr die Frucht, die sich am Baume röchet, Erhöre mich, der herzlich zu Dir betet. Dir, Erntegvtt, soll hoch mein Weihrauch steigen. Nur Dir allein aus aller Götter Reigen!!.. Die Mutter sieht am Uferrand ihr Kind, Das Krokodil hat schon den Rachen offen —: „Verschone, Gort", ruft flehend sie geschwind, „Gewalt'geS Thier, mein Lieben und mein Hoffen, Die schönsten Thiere meiner Zucht Will ich Dir weihen in der schlamm'gen Schlucht". — Der Krieger ziehet in die Schlacht; „Beschütze mich. Du Gott der Kriegesmacht, Die Zehnten der Gefangnen seien Dein, Zieh' ich als Sieger in die Heimath ein"... Vom Ufer stürzt das Mädchen in die Welle, Doch trägt die Woge glücklich sie zur Stelle, Wo des Geliebten starke Manneshand Dem naffen Tode sic entwand — „Hab' Dank, o Göttin in der blauen Grotte, Dir weih' ich meines Hauptes Schmuck Und meinen Schleier jenem Gotte, Der mich auf seinen Annen ttug"....- Doch auf der Höh' am Euphratstrand Steht Abraham, den Blick emporgerichtet — . „Daß ich noch nicht Dich, den ich suche, fand! O daß das Dunkel sich mir noch nicht lichtet — Je höher meine Sehnsucht nach Dir schwillt, Um desto schwankender wird mir Dein Bild!... Was soll die Pracht mir, die die Welt entfaltet, Wenn ich nicht weiß, was in ihr waltet. Wodurch sie ward, wodurch sie bleibt, Jndeß die Wesen das Verhängniß treibt. Wem soll ich folgen. Wessen Willen thun? Weß Wort Gesetz mir sein im Schaffen und im Ruhn? Wem soll das Knie, das Herz ich beugen, Ohn' daß ich mich, ohn' daß ich Ihn entweih'? Soll ich die Liebe, soll die Scheu Dem nichtigen Geschöpf bezeugen?... Ha! was bewegt mich — wär' ich lieber Thier — Wozu das brennende Verlangen mir, Wenn meinem Geist unmöglich das Derständniß Und ewig flieht die sichere Erkenntniß? Ich bin kein Mensch, so lang' ich Dich nicht kenne. Anbetend nicht beim rechten Namen nenne.... Sie Alle, die die Völker beten an, Sie sind geschaffne, schnell geschwundne Dinge, Und all die heil'gen Sagen find ein Bann, Der uns nur fesselt im geschloffnen Ringe — Nein! Licht und Nacht find nicht die Götterwesen — Denn jede Wolke deckt der Sonne Pfeile, Und jede Fackel zwingt die Nacht zur Eile, Nicht ist die Nacht allein des Bösen, Des Guten nicht das Licht, Denn auch die Nacht kommt oft wie ein Erlösen, Wenn uns die Gluth zum Tode stickt — Gewölk deckt Licht, und wird vom Sturm getrieben, Dcß Herrschaft nimmer lang geblieben. Die Erde zittert und des Meeres Wogen, Doch bald rst auch der Donner hcimgczogen — Nichts bleibt auf Erden denn die Erde selbst"... Sieh, auf der höchsten Kuppel kniet der Hehre, Und schauet ringend in die Dämmrung auf, Rings ist die Welt bedeckt vom Ncbelmecre, Das nächtlich quillt ununterbrochen auf- Da, da bricht schnell ein einz'ger Sonnenstrahl Aus dem Gewölk auf Abrahm's hohe Stirn, Umlichtet, röchet sie zumal, Wie Morgenroth den hoch erhabnen Firn — Das Haupt ist ihm von diesem Strahl umschlossen. Sein Auge brennt, von Flammen wie durchflossen — Er hebt den Arm und streckt ihn weit hinaus Wie hoch zum Kampfe mir des Nebels Graus — 27*

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