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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-06-25 · Heft 26 (25.6.1855) · p. Seite 334

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 26 (25.6.1855)
Date
1855-06-25
Page
Seite 334 (sequence 8)
Language
German
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334 frühem und jetzigen Schüler ein Ehrengeschenk, bestehend in einem silbernen Pokal mit einem badenschen 35 Fl.-Loose überreicht, worauf der Gefeierte mit sichtlicher Rührung dankte. Spater folgte ein Gastmahl und am Abend wurde der Freudentag mit einem von Herrn Rabbiner Schott gesprochenen Dankgebete geschlossen. R. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 1. Juni. (Privatmitth.) Die Allg. Zeit, des Jud. hat ein Verdienst, das ihr von Feind und Freund zuerkannt wird; sie bespricht alle Fragen, die die Judenheit betreffen. Ich will nicht darauf Hinweisen, daß sie gar häufig die Initiative ergreift und den Bewegungen und Richtungen Form und Ausdruck giebt. Erlauben Sie nun Ihrem Correspondenten, eine Frage vorzulegen, mit der Bitte, Sie mögen dieselbe mit Ihrer gereiften Erfahrung beantworten. Wir leben in einer Zeit der Wissenschaft und Bildung. „Die Weisheit predigt öffentlich." Auf allen Gassen und Straßen kann man weise Lehren hören. Ueberall wird organifirt in Betreff des Schulfaches und überall wird darauf weit mehr als früher gesehen, daß die Jugend sich Bildung aneigne, und wäre es auch nur des äußern Scheines halber. Man sollte nun meinen, die messianische Zeit sei hereingebrochen, von der eS heißt: die Welt wird fein voll von Erkennrniß, wie das Meer voll von den Fluchen. Und doch scheint eS, je weiter und breiter die Strömung der Wissenschaft ziehet, desto flacher und seichter wird sie. Worin liegt daS Uebel? Viele praktische Fälle regen in mir diese Frage an. ES war bei uns bisher Sitte, wenn wir irgend eine Persönlichkeit auf wissenschaftlichem Gebiete zu einem Amte u. s. w. suchten, so richteten wir unsere Blicke nach Deutschland. Es war dies einerseits durch daS nemo xropln-ta in patria: andrerseits, weil die Schulen in Deutschland allerdings besser waren, und weil man uns stets vorgesagt hat, daß bei unS nicht die Weisheit zu finden wäre, sondern „draußen." Jetzt, wo unsere Schulen allerdings besser wurden, auch ein größeres wissenschaftliches Streben vorhanden ist, gestalten sich die Dinge so: wir suchen noch nach wie vor im „Auslande"; aber in jüngster Zeit hat man sich von Frankfurt, Berlin rc. um Lehrer u. s. w. hieher gewendet. Ist also wirklich die Armuth und die Armseligkeit unter unS in geistiger Beziehung so groß, oder find unsere Ansprüche jetzt zu überspannt, oder befinden wir unS in einer UcbergangSepoche und wissen wir die eigene Kraft nicht zu schätzen? — waS glauben Sie darüber?*) Von dem Allgemeinen auf das Specielle übergehend, erlaube ich mir, Ihnen mitzutheilen, daß im Laufe dieser Woche Herr Montefiore auf seiner Durchreise nach Jerusalem sich hier befand. Er verweilte nur kurze Zeit da, bloS um zu rasten. Wie eS heißt, wird derselbe auf der Rückreise längere Zeit hier verweilen. — WaS ist denn aus den Institutionen geworden, die Herr Cohn voriges Jahr in Jerusalem inS Leben rief?**) Wien, 14. Juni. (Privatmitth.) Ich muß heute auf die RotariatSordnung zurückkommen. Bekanntlich besteht seit 1811 das Gesetz, daß Juden nicht als Zeugen gelten können, wenn von Seite eines Christen ein Testament gemacht wird. Später wurde es dahin erklärt, daß ein Jude in solchen Fällen als Zeuge nur mit besonderer Vorsicht anzuerkennen wäre. Der UsuS hat daS alles ausgehoben und der Jude wurde vom Gericht alS Zeuge anerkannt. — Die neue NotariatS- *) Wenn wir unserm geschätzten Correspondentcn unsre Meinung sagen sollen, so ist diese: daß wir Talent und Wissenschaft niemals an ein Land gebunden glauben, daß eS unS aber als ein glückliches Phänomen erscheint, wenn österreichische Juden nach dem übrigen Deutschland, und deutsche nach Oesterreich gehen, denn die jüdische Theologie und das jüdische Lehrfach können nur gewinnen, wenn sie allgemeine find und durch gegenseitige Einwirkung sich verallgemeinern. Es werden dadurch viele Einseitigkeiten vermieden oder vermindert, daS Band zwischen den Glaubensgenossen befestigt und dem Genie und Wissen ein größerer Spielraum geschaffen. Redact. **) Jüngsten Correspondenzen aus Jerusalem zufolge bestehen die von Herrn Albert Cohn in Jerusalem gestifteten wohlthätigen Werke noch, aber, da die Gelder spärlich fließen, in schon beschränkterer Weise. Herr Cohn hat versucht, eine Vereinigung mit Sir MoseS Montefiore zu Stande zu bringen, allein Dies ist gescheitert, und Sir Moses wird selbstständig Stiftungen machen. Das jüngste Heft der Lreb. isr. de Fr. berichtet : daß sie an Herrn Cohn die Frage gerichtet, wann sein Bericht über seine Reise erscheinen würde? Herr Cohn habe geantwortet: daß seine Notizen noch nicht geordnet seien, und er im nächsten Jahre erst noch einmal Hinreisen würde. Redact.

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