Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1855)
- Date
- 1855-06-25
- Page
- Seite 333 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Oberrath Epstein erledigte Stelle eines geistlichen Mitglieds beim Gr. bad. Oberrath der Israeliten ist endlich besetzt. Sie wurde dem Verweser derselben, dem bei dieser Behörde angestellten Secretair Z. Altmann, Cand. der Theologie, übertragen. Wir freuen uns in zweifacher Hinsicht dieser Besetzung und find der hohen Regierung dafür doppelt dankbar; erstens, daß die Stelle besetzt ist, und zweitens, daß fie s o besetzt ist. Herr Altmann hat zwar wegen seiner religiösen Richtung — er ist ein Schüler des Herrn I. Ettlinger in Altona — viele Gegner im Lande; allein seine bisherige Verwaltung läßt Nichts für Einschränkung religiöser Freiheit, noch viel weniger für Rückschritte fürchten; worin er indessen auch von Seiten unserer hohen Behörde keine Unterstützung finden dürfte. Allgemeine Zufriedenheit wird jedoch diese Besetzung bei unfern Lehrern und Schulfreunden erregen, weil Herr Altmann ein aufrichtiger Freund der Schule und Lehrer ist. Möge er nur den von ihm gehegten Erwartungen entsprechen, und, den Fußtapfen seines würdigen seligen Vorgängers folgend, der Schule fein Hauptstreben widmen. ES thut dies denn auch Roth, namentlich hinsichtlich der ökonomischen Stellung, die in den Nachbarländern Württemberg, Hessen und Baiern besser ist, als bei uns. Der Gehalt eines ReligionSlehrerS, vorschriftsmäßig 135 Fl. oder 150 Fl. ohne freie Wohnung, reicht wahrlich nicht für einen Familienvater und mögen die Nebeneinkünfte solcher Stellen auch noch 50 Fl., und wenn's hoch kommt, 100 Fl. betragen. Daher ist es auch erklärlich, wenn die Lehrer massenweise auswandern und wenn, wie vor Kurzem geschah, ein Religionsschullehrer seinen Dienst mit dem eines Begräbnißdieners (yap) vertauschte. Die nachtheiligen Folgen sind für die Schulen weit empfindlicher als für Lehrer; denn viele von jenen stehen oft jahrelang verwaist, die Kinder erhalten gar keinen jüdischen Religionsunterricht oder solchen von christlichen Lehrern, wie Schreiber dieses jüngst ein Fall bekannt wurde. Man sagt, Herr Oberrath Altmann wolle später die öffentlichen Schulen deS Landes besuchen; es wird daS der Schule und dem Lehrerstande ersprießlich werden. Komme er nur bald. Die Synagoge in Mannheim, an innerer Ausschmückung eine der schönsten wohl in Deutschland, wird im Laufe deS Monats Juni eingeweiht. In ihr wird ein zahlreicher Sängerchor und eine Orgel den Gottesdienst verherrlichen. Erfreulich ist'S, wahrzunehmen, daß die zeitgemäße Umgestaltung desselben die Eintracht in der Gemeinde nicht stört. Wo wahrhaft religiöser Sinn herrscht, da wird die Religion nicht zum Zankapfel. Der dortige Neuangestellte Rabbiner Herr Präger versteht indessen auch allen Parteien möglichst Rechnung zu tragen und geht bei seinen Reformen im Einvernehmen mit dem Synagogenrathe besonnen vorwärts. Möge diesem Geistlichen vergönnt sein, den Frieden der Gemeinde zu erhalten! Nach Bruchsal kam an Prägers Stelle Herr Friedberg, Bezirksrabbiner von Mosbach und letzterer Bezirk erhielt Herrn Candidat Weil. Herr Hilbert, Lehrer in Niederstetten (in Württemberg), hat durch seine Umarbeitung der für die württembergischen Schulen verfaßten Fibel zum Gebrauche in israelitischen Schulen lobende Anerkennung sich erworben. Wenn dieselbe auch nichts Jüdisches erhalten, so enthält sie doch auch nichts Anti-Jüdisches, und das ist sicherlich ein Fortschritt. In Baden wurde schon im Jahre 1842 durch Verfügung Gr. OberrathS von den in den meisten jüdischen Schulen eingeführten Stern'schen Fibeln eine besondere Auflage für dieselben veranlaßt. Zu bedauern ist, daß jene Auflage längst vergriffen ist. und die Lesebücher für die höheren Classen nicht gleichfalls für jüdische Schulen umgearbeitet sind. Wir möchten diese Sache dem Literaturverein empfehlen, der später vielleicht in der Lage ist, die Herausgabe solcher Schulbücher zu bewerkstelligen. — Beim Schluffe dieses Briefes kommt Schreiber dieses eine Nummer der badischen LandeSzeitung zu. die einen Artikel „aus Bühl" enthält, den er in seinem wesentlichen Inhalte den verehrlichen Lesern dieses Blattes mitzutheilen sich veranlaßt findet. In Bühl (in Baden) feierte man zum Andenken an daS 25jährige unermüdliche Streben und treue Wirken des israelitischen Hauptlehrers M. SinSheimer ein seltenes Fest. Der Jubilar wurde von einer Deputation ins festlich geschmückte Schulzimmer, wo die Schuljugend, die Herren Rabbiner Schott, Oberkirchenrath Zimmermann, Bürgermeister, Synagogenrath, fast sämmtliche Gemeindeglieder und Freunde des Gefeierten versammelt waren, geleitet. Dort mit einem Hoch empfangen, wurde ihm im Namen seiner