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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-06-25 · Heft 26 (25.6.1855) · p. Seite 331

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 26 (25.6.1855)
Date
1855-06-25
Page
Seite 331 (sequence 5)
Language
German
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331 „Dies ist ein Scheidebrief dem Sched, den Geistern, dem Satan, dem Nirich, dem Sariah, dem Abatur Tura, dem Dan... und die Lilith möge schwinden vom Behran-Ort, Bcthnajun-Ort, vom Bahr der Wüste, am Espandarmid, und von meinem ganzen Hause. Guter Herr Gott! zerschmettere den König der Schedin, der DewS, die gewaltige Herrschaft der Lilith, beschwöre ich Dich. Lilith Enkelin der schönen Lilith, sei cs Mann oder Weib, ich beschwöre Dich. — Laß Euer Herz (in Furcht) sich abwenden, und vor dem Scepter des gewaltigen Mannes, der die Herrschaft über Schedin har, geh' fort Lilith, sich! weile in Finsterniß, sieh! sieh! ich verscheuche Euch von dort und von meinem Hause in Bchran-Ort, Bethnajun-Ort und von der Umgegend. So wie die Schedin Scheidebriefe schreiben und sie ihren Frauen geben und dann nicht wieder zu ihnen kommen: so nehmt Euern Scheidebrief und empfanget Euer Schreiben, und geht hinaus, flieht, eilt und geht vom Hause in Behran-Ort, Bethnajun - Ort; im Namen N. N... geht in die Finsterniß vor dem gewaltigen Manne und mit seinem Siegel besiegelt, auf daß mau wisse, daß sie nicht mehr dort find. Zum guten Licht Amen, Amen, Amen, Selah! „Im Allgemeinen ist so viel klar, sollten auch einige Wörter nicht ganz richtig gelesen sein, daß wir es mit einer Beschwörung von Dämonen zu thun haben, und da jene in einem Topfgefäße sich befindet, so liegt der Gedanke nahe, daß sie beim Gebrauch desselben die schädlichen Einwirkungen der Dämonen beseitigen. Herr Ellis meint, daß Medicamentc in dem Gefäße bereitet, und ans demselben genossen worden, so wie es noch heutigen Tags bei Arabern und andern orientalischen Völkern Sitte ist, Kranken aus einem Gefäße zu geben, in welchem ein Spruch steht; zum Beweise für diese Verwendung führt Herr Ellis an, daß noch an einem von solchen im britischen Museum aufbcwahrten Näpfen Substanzen haften, die wie Suppe aussehen (some substance Iike soup), und nie ganz von dem Gefäße abgewaschen worden sind. .Herr Layard meint dagegen, daß die Schrift auf unseren Gesäßen zu ftisch wäre, als daß ein solcher Gebrauch hätte stattfindcn können. Da die Näpfe in einer beträchtlichen Tiefe des Hügels, der ohne Zweifel als Begräbnißstätte verwendet wurde, gefunden worden find, so ist Herr Layard vielmehr geneigt zu glauben, daß es Zaubermittel wären, die beim Begräbnis gebraucht und dann dem Todten mitgcgeben worden. — Indessen glauben wir, daß der Fundort hier nickt entscheiden kann, da man einerseits im Amramhügel auch Dinge gefunden, die nicht den Leichen mitgcgeben sein können (vgl. .Journal Asiat. 1853, Juni, S. 509 ff.), andrerseits schwerlich eine derartige Ccremonie bekannt sein dürfte, oder, wenn diese stattgefunden hätte, doch irgend eine Andeutung in der Inschrift sich vorfände. Uns scheint vielmehr unsere Inschrift den allgemeinen Zweck gehabt zu haben, die Dämonen aus dem Hause zu bannen. „Das wenigstens scheint uns unzweifelhaft, daß die Inschrift von Juden hcrrührt, Sprache, Schrift und religiöse Vorstellung (vgl. besonders das „2 rrrrr m" und den Schluß V3K -,7as?) weisen darauf hin. „Die Juden, die so lange Zeit in Mesopotamien wohnten und noch im 12. Jahrhundert, als Benjamin von Tuvcla diese Gegend bereiste, sehr zahlreich daselbst waren, theilten manchen religiösen Aberglauben mit den Landcsbewohncrn, besonders seitdem unter den Saffanidcn eine Regeneration des alten Fcuerculrus vorgenommcn, die alten Schriften gesammelt wurden und die neuen Fürsten durch die Macht der alten Nationalreligion sich kräftigen zu müssen geglaubt haben (vgl. Duncker, Geschichte des Alterthums II, 330). Hatten schon früher die Juden im Eril sich nicht ganz des Einflusses des Parsismus erwehren können, wenn auch die Macht des Monotheismus so gewaltig war. daß er die ihm fremden Elemente aus sich sonderte, sobald die Geburtsstärrc derselben nicht neue Nabrung spenden konnte; schwindet auch allmählig jener Aberglaube bei den nach Palästina Zurückgckehrtcn, so blcibr er doch noch von nachhaltigerem Einfluß bei denen, die dem Parsismus und seinen heiligen Religionsschriftcn näher standen. In diesen um das 3. Jahrhundert gesammelten Schriften, deren Fragmente auf uns unter dem Namen „Zendavesta" gekommen sind, nimmt neben manchem andern religiösen Aberglauben die Behandlung der Krankheiten und deren Heilung keinen geringen, ursprünglich gewiß noch größeren Raum ein. Gegen Krankheiten und den Tod ankämpfen,-heißt den Angramainjus (Ahriman) und seine Dcws, von denen jene Uebel ausgehen, bekämpfen; Kräuter und das Messer, besonders aber Gebete und Beschwörungen find die wirksamsten Heilmittel. „Wenn viele Aerzte Zusammenkommen (heißt es im Vemlidat, Parg. VII, 118 — 120 ell. Spiegel), o heiliger Zarathustra, Aerzte mit dem Messer, Aerzte mit Kräutern, Aerzte mit Scgenssprüchen, so ist der'heilsamste unter den Acrzten, der das Llautkrs^penla (das heilige Wort) als Heilmittel gebraucht/' Diese, so wie manche andere Anschauung der Zendavesta blieb nicht ohne Einfluß auf die.Juden seit dem genann-

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