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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-06-18 · Heft 25 (18.6.1855) · p. Seite 324

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 25 (18.6.1855)
Date
1855-06-18
Page
Seite 324 (sequence 10)
Language
German
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324 „CheSham-Place, 26. Mai 1855. Sir, Ich habe Ihr früheres Schreiben vom Id. nicht beantwortet, weil ich mir Zeit lassen wollte, die Lage der Dinge in Bezug auf die Rechte der Juden in Erwägung zu ziehen. Es scheint mir, daß, während die Freunde der Religionsfreiheit ihre Ansicht über die Unberechtigungen der Juden nicht geändert haben, auch die Mehrheit im Haufe der Lords unverändert an der Meinung festhält, daß sie die Abschaffung dieser Rechtlosigkeiten ohne Gefahr verweigern kann. Die Regierung würde unter solchen Umständen nur ihre Zeit verschwenden, wenn sie die Durchführung einer Maßregel versuchte, welche von einem der ParlamentShäuser gewiß verworfen wird. Viele liberale Mitglieder möchten gern einen Antrag zu Gunsten der Juden unterstützen, würden aber eine Frage, durch die der gewünschte Zweck nicht erreicht wird, als ungelegen ansehen. Ich muß eS daber für unzweckmäßig halten, die Frage der Juden-Emancipation in der gegenwärtigen Saison anzuregen. Daß man so gerechte Ansprüche auf die Dauer zurückweisen kann, das will ich nicht glauben. Aber die Freunde der Unduldsamkeit klammern sich natürlich an diesen letzten Rest des Systems der Religionsverfolgung, und frohlocken darüber, daß eS ihnen so leicht wird, eine durch ihre Seelenzahl eben nicht furchtbare Körperschaft ausgeschlossen zu halten. Ich verbleche, Sir rc. I. Russell. An Sidney Smith, ESg." Nordamerika. Albany, 14. Mai. (Privatmitth.) Unter diesem Datum hat die hiesige Gemeinde ^nscbe Lmetll ein Dankschreiben an den Rabbiner Di*. Philippson in Magdeburg erlassen, daß er ihr den Herrn Elkan Cohn als Rabbiner und Schuldirigent gesandt habe, dessen Wirksamkeit sie in vollem Maße anerkenne. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Fragment zur Geschichte -es Wiega de Aguilar, von D. Oppenheim, Rabbiner in Jamnitz. Herr vr. L. A. Frankl in Wien hat sich durch seine geistreiche Lebcnsgeschichte des Diego de Aguilar (Nr. 50. u. 52. des v. Jahrg. d. Zeirg.) ein wahres Verdienst um den Tobten erworben, der, bisher wenig bekannt, zu den merkwürdigen Erscheinungen des achtzehnten Jahrhunderts gehört, wie auch um die Lebenden, die hiermit dem gesegneten Andenken Aguilars ihren schuldigen Tribut abgcstattet und sich auch an dem großartigen, romantischen, tief im Glauben wurzelnden, acht nationalen Charakter desselben erheben mögen. Wir rufen daher Herrn Dr. Frankl die Worte der Schrift zu: „Gesegnet sei er vom Ewigen, der nicht fahren läßt seine Huld gegen die Lebenden wie gegen die Todrcn" <Ruth 2, 20.). Wir erachten eS als eine heilige Pflicht, die begonnene Arbeit und Forschung über Aguilar möglichst zu fördern und wir hoffen, daß jede noch so mikrologische Mittbeilung (und eine solche wollen wir hier liefern, weil sich doch manches Resultat daraus erziebt) dem Leser nicht unwillkommen sein wirb. Der als Humorist berühmte R. Israel Landau auS Prag (dessen treffliche Witze noch immer im Munde deS Volkes leben, Vater des seligen Vorstehers M. I. Landaui, hat anonym Maimonivcs' Minjan ha-Mizwoth mit einer jüdisch-deutschen Uebcrsrtznnz unter dem Titel: Chok le Jisrael, Prag 5553 n. d. Schöpf. 1798. herauSzegebrn *). Th. II. S. 42 beim Gebot 173, 5 B. M. 17, 15., erlaubt sich der Verfasser eine weitläufige Ercurfivn und Betrachtung, angcknnpft an die Bibelstclle: „Nicht welchen wird das Zepter von Jehuda" re. 1 B. M. 49, 10., daß der Ewige, der „Hüter Israels", zu jeder Zeit in Israel Männer entstehen ließ, die von den Großen der Erde zu hoher Macht und Würde berufen, ein Schutz und eine Zierde ihres Volkes waren und so die Verheißung der Bibel zu Wahrheit machen. Als Beispiel werden dann einige ausgezeichnete Israeliten erwähnt, und auch der bekannte Brief des R. ChaSdai an den König der Chazaren, dessen Aechtheit neuere Forschungen glänzend bewährt, eingeschaltet. „In den Tagen des Kaisers Franz I., deS Großvaters unseres geliebten Kaisers Franz II., wird als erstes Beispiel angeführt, hat ein Israelit von den Vertriebenen Spaniens, Baron Aguilar, Friede auf ihn, Gunst -gestruden in den Augen des Kaisers und er hat viel gewirkt zum Wohle der Juden bei der Kaiserin Maria The- *) R. Israel Landau hat auch zum 4. Bande deS Aruch Editio Landau eine Vorrede und eine Sammlung von VolkSrcdcn und Sprüchen aus dem Talmud und Midrasch, welches unedirt geblieben, geschrieben. Siehe Landau Geist und Sprache der Hebräer S. >'U1.

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