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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-06-18 · Heft 25 (18.6.1855) · p. Seite 323

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 25 (18.6.1855)
Date
1855-06-18
Page
Seite 323 (sequence 9)
Language
German
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323 eine auf daS Fach bezügliche Schlußrede hält. Die diesjährigen Prüfungen wurden abgehalten zu Endingen am 26. und 27. April, zu Lengnau am 22. und 28. d. M. ES wurde mir von einem strenggläubigen Israeliten mit Wohlgefallen erzählt, daß der Herr Schulinspector, Rector Jsaac aus Zurzach an ersterm Orte, wo er dem Vortrage der ma« »>p-,2 mit Aufmerksamkeit zuhörte, feine Schlußrede mit den Worten begonnen habe: „Wer gar nichts lernen will, verdient nicht zu leben." «bir sbap. Dieser wackere und erfahrene Pädagog giebt sich alle Mühe um daS Gedeihen der israelitischen Schulen, und obgleich er seit dem März bis zum Schluffe unserer hiesigen Prüfung 28 Schul, Prüfungen abgenommen, so war er doch heitern Sinnes und verlebte mit uns an diesen Tagen ein wahres, freilich nicht geräuschvolles, Festleben. — Möchten doch die Eltern dafür sorgen, daß den Kindern auch die religiösen Kenntnisse, die sie sich in unfern Schulen erwerben, für das Leben, wo sie ja ihre Anwendung finden sollen, erhalten werden. ES ist aber sonderbar und allzubekannt, daß gerade Diejenigen, welche für daS Hebräische am meisten eifern, für das Leben so unbekümmert find. In frühem Zeiten mußte der auS dem *nn tretende Knabe, obschon er kein Wort verstand, am Sabbate die rr-no maabir sein. Jetzt, wo die Knaben die Thora verstehen, können sie müßig herumlungern. Wäre hier für wahrhaft fromme Israeliten nicht ein reiches Feld der Thätigkeir offen, warum bebauen sie es nicht? Wenn die aus der Schule tretenden Kinder ihre Religionskenntnisse und das Hebräische wieder vergessen, was nützt daS Abmühen der Lehrer? Eine so Heranwachsende Jugend bleibt roh, und von welchen Menschen wird die wahrhafte Religion am meisten vernachlässigt? Wahrlich von den Unwissenden, ü* rrrr ,san -na t« *ron ynsrt. M. J. B. Holland. Rotterdam, im Mai. (Privatmitth.) Der israelitische Lehrerverein in Südholland hat den 6. dieses seine zwölfte allgemeine Zusammenkunft unter Präfidio des Herrn Lutomirski, Oberlehrers von Rotterdam, im Haag gehalten. Der Herr MoSkowiler, Oberlehrer von Leiden, entwickelte in einer gediegenen Rede alle Bortheile, die den Israeliten erwachsen würden auS dem AbweiS des „specrfisch - christlichen PrincipS" vom Unterricht in den öffentlichen Schulen, für welches eine orthodore Partei bei der Regierung so sehr eifert, so daß alle Religionsparteien sich ungehindert in den allgemeinen Schulen vereinigen könnten, und allein im resp. Religionsunterricht von einander geschieden sein möchren. In der zweiten Abtheilung seiner Rede widerlegte der Herr Moskowiter alle Einwendungen, die man gewöhnlich gegen die völlige Trennung des religiösen und profanen Unterrichts zu machen pflegt. Hierauf sagte der. Präses dem geachteten Redner für diesen seinen Bortrag, der in Form und Inhalt trefflich und classisch war, NamenS des Vereins einen innigen Dank, mit dem hinzugefügten Bemerken, daß von der Weisheit der Regierung wohl nichts anderes als ein solcher AbweiS zu erwarten stehe; denn jene Zeloten hier wie überall verwirren die Begriffe vollständig, denn eS könne doch nicht angenommen werden, daß „christlich" mit Ausschließung und Absonderung der Menschen identisch sei, am wenigsten in den Niederlanden. Diese Rede gab der Versammlung Anlaß zur DiScuffion, ob der Verein eine Adresse an die Kammer richten soll in dem Sinne: daS „christliche Princip" auS dem vorliegenden Gesetz - Entwurf über daS Schulwesen wegzulassen. Die Beschlußnahme jedoch ist auf einige Zeit hinausgeschoben. Dahingegen wurde beschlossen, ein Gesuch zu richten an alle Rabbiner und Schulcommissionen dieses Reichs, um dem Religionsunterricht für das weibliche Geschlecht durch Wort und That zur Vervollständigung zu helfen. Im Ganzen war eS sehr angenehm, zu sehen, wie groß die Theilnahme der gebildeten Israeliten an diesem Lehrerverein hier ist; denn mehr als 50 von den israelitischen Honoratioren waren gegenwärtig in dieser Zusammenkunft; wie eS überhaupt ein glücklicher Griff dieses Vereins ist, daß er sich zum Hauptstreben machte, bei dem Gebildeten außer dem Lehrerstande Interesse für seine Sache zu gewinnen, wodurch er auch in den Stand gesetzt ward, sich zu erhalten und mit guten Mitteln fortzuwirken. B. Großbritannien. London, 1. Juni. Lord I. Russell'S Wähler in der City haben von ihrem Vertreter, auf eine Anfrage über das Schicksal der Judenlnll, folgendes Schreiben erhalten: 25

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