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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-06-18 · Heft 25 (18.6.1855) · p. Seite 322

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 25 (18.6.1855)
Date
1855-06-18
Page
Seite 322 (sequence 8)
Language
German
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ursacht hat, man sagt an 20,000 Fl., und bevor derselbe noch etwas gethan hat, ging er weg. Ad vocem Hirsch kann ich seinen „Jeschurun" nicht übergehen. Diese Monatschrift bringt einen Ueberblick über die Bedeutung des MonatS und immer liegt in dem betreffenden Monate die ganze Bedeutung deS JudenrhumS, da find die größten Feste. Zuerst Tischri, nun, VaS verstehet fich von selbst, dann Cheschwon, bestand daS Judenthum in der „Schaala", hernach die Maccabäer; dann zur Abwechslung in der „rothen Kuh" in der Sefira rc. und so in Grazie sä infinitum. Nichts als Begeisterung! Sonst pflegt man denjenigen nicht für einen Kunstkenner zu halten, der in gleicher Weise von Mozart und Beethoven wie von dem letzten Bänkelsänger entzückt ist. — Diese beständige Bewunderung wird langweilig. Ob das der Weg ist, auf dem das Judenthum und die Juden das Heil finden, möchte ich sehr bezweifeln. Mattersdorf (Ungarn), 25. Mai. (Privatmitth.) „Wer eine Reise thut, kann etwas erzählen". Unsere Gemeinde hatte die letzten Feiertage recht viel Gesprächsstoff. Unser Rabbiner, der Sohn deS fel. Preßburger Rabbiners, wurde von Herrn Deutsch, k. k. HofwechSler, nach Wien geladen, um bei dessen neugeborenem Knaben als Gevatter zu stehen. Doch war daS eine Beschneidung mit einer Feierlichkeit, wie sie selten Vorkommen mag. ES erschienen dabei als Gäste der Minister der Justiz Herr Baron Kraus, dessen Bruder, der ehemalige Finanzminister und jetziger Reichsrath Baron Philipp KrauS, die Hofräthe Somaruga, Radda rc. Da Herr Deutsch, der in neuester Zeit zu den Ultraorthodoren gehört, eine Winkelsynagoge hat, so war auch der More Zedek dieser Winkelsynagoge da. Nach der Ceremonie wurde eine Procesfion mit den drei Gesetzrollen, die in größtem Schmucke aufgestellt waren, gehalten. Hierauf hielt Herr Deutsch eine Ansprache, die mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser schloß. Die Kinder desselben, zehn an der Zahl, mit der schwarz-gelben Fahne in der Hand, stimmten dann daS Volkslied an. Die hochansehnlichen Gäste ließen hernach eine Thora aufrollen, um fich dieselbe nach Innen anzuschauen, woraus fich dieselben entfernten. So sehr sich Jeder damit freut, daß einem Juden eine solche Ehre zu Theil wird, so frLgt fich doch Jeder erstaunt um die Verdienste deS Herrn Deutsch. Doch freuen wir unS mit der Thatfache. Die Herren Vertreter in Wien mögen fich übrigens vorsehen, daß ihnen nicht daS Heft entfalle. Wie Ihnen bekannt sein wird, wurde den Juden in Ungarn im Jahre 1849 eine KriegScontribution von einer Million auferlegt, die nachher zur Begründung von jüdischen Schulen bestimmt wurde. Wie die Zeitungen berichten, werden jetzt die Endverhandlungen darüber gepflogen. Ich brauche eS Ihnen wohl nicht zu sagen, wie gut diese Dotation den ungarischen Schulen, die in letzter Zeit einen bedeutenden Aufschwung genommen haben, kommen wird. Wir find in dieser Beziehung jetzt hier besser bestellt, als in Böhmen und Mähren. Hier werden die Lehrer von der Gemeinde angestellt, während dort dem Confistorium die Macht zusteht. Und doch kennt die Gemeinde am besten, was ihr Roth thut*). Die Schweiz. Lengnau, im Mai. (Privatmitch.) Sowohl Ihre langjährigen fruchtreichen Bestrebungen auf dem israelitischen Schulgebiete als Ihre Aufsätze im Volksblatte: „Erziehe Deine Kinder jüdisch" rc. überzeugen mich, daß Sie Berichte über Schulwesen gewiß nicht ungern aufnehmen, zumal wenn aus ihnen hervorgeht, wie daS jüdische Element sogar von höchster Stelle aus gefördert wird. Nicht blos der Religionsunterricht, sondern auch daS Hebräische ist an unfern israelitischen Schulen obligatorisch, ja sogar ein Theil des talmudischen Unterrichtes, wie schwerlich in einem andern Lande. Die Prüfungen, welche immer im April statifinden, werden vom Schulinspector mit gleichem Interesse im hebräischen wie in andern Fächern abgenommen. Es versteht sich von selber, daß in jenem wie im Religionsfache die begutachtenden Eraminatoren die Rabbinen find. Es ist wohlthuend, wahrzunehmen, wie der Schulinspector für die Prüfung in den hebräischen Fächern eben so wie für die andern Elementar- und Realfächer von der Localschulbehörde fich einen besondern Tag Vorschläge» läßt, und dann auch der Prüfung im Hebräischen mit gleichem Interesse anwohnt und gewöhnlich auch *) Gerade das Gegentheil behaupten viele andere ungarische Correspondenten.

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