Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1855)
- Date
- 1855-06-18
- Page
- Seite 321 (sequence 7)
- Language
- German
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321 geiz und die Geltendmachung Einzelner gehet ins Fabelhafte. Hoffen wir, daß ein Glücksstern über Wien wachen werde, und der Mann, der der Gemeinde vorangehen soll, im Vereine mit dem Vorstande und den jetzigen leitenden Kräften das Steuerruder mit ficherer Hand führen werde. — Ich glaube auch bei dieser Gelegenheit einen Druckfehler in dem Concurse, wie er in der Allg. Zeit. d. Jud. abgedruckt ist, verbessern zu sollen. ES soll in Betreff deS Predigers sä. 1. nicht „theoretische Kenntnisse", sondern theologische Kenntnisse heißen. Selbst dieser Ausdruck faßt eine weite Auslegung in sich; der erstere hingegen gehet gar ins Nebelhafte über. Nun noch eine kleine Mitiheilung. Hier auf dem „hohen Markte" mitten in der Stadt befindet sich ein Gebäude, genannt die Schranne oder das alte Criminal. Es war bis in letzter Zeit ein Gefängniß, in frühem Zeiten aber war es ein Criminal, wo auch die Erecutionen stattfanden. An der vordem Seite deS HauseS war ein Altan, der als „Schandbühne" benutzt wurde. In letzter Zeit wurde dieses Gebäude zu Privatzwecken bestimmt. ES befinden sich nun da Wohnungen und Magazine und der Altan wurde weggeräumt. DaS hier erscheinende „Fremdenblatl" theilt bei dieser Gelcgenhett „die Geheimnrffe" dieses HaufeS mit. ES werden massenhafte, grauenhafte Raub¬ und Mordgeschichten erzählt und wie die Räuber und Mörder da geendet. Auch ein Jude wurde auf diesem Platze hingerichtet, aber nicht wegen Raub und Mord. Derselbe war in Spanien und haue da zum Scheine den christlichen Glauben angenommen. Er kam dann hierher und lebte wieder in dem Glauben seiner Väter. Die Sache wurde bekannt und der Mann wurde vom Leben zum Tode geführt. Wien, 25. Mai. (Privatmitth.) Erlauben Sie mir, eS auszusprechen, wie sehr man hier von den Erfolgm der Lileraturgesellschaft erfreut ist. Wir rühmen eS Samuel als das größte Verdienst nach, daß er Prophetenschulen gründete, weil durch sie für die spätesten Zeiten gewirkt wurde. Ohne Ihre sonstigen vielen Verdienste um das Judenthum in Schatten stellm zu wollen, glauben wir doch, daß die Literaturgesellschaft das Wichtigste sei. Da wird im vollen Sinne das Wort in Erfüllung gehen tttw-wo iLis-' rutirt. Die Quellen der Erkenntniß werden weit hinausströmm. Die Männer, die an der Spitze stehen, bürgen für das Gelingen derselben. Gestatten Sie mir, dabei nur den Wunsch auszusprechen, daß bei den Werken, die herausgegeben werden sollen, neben der ernsten tiefen Forschung auch dem schöngeistigen Streben Rechnung getragen werde, damit die Frauen in Israel, die Mitglieder dieser Gesellschaft, auch dabei bedacht sind. Wie ich höre, sind bei dem Vorstande Fragen eingelaufen, waS in dem ausgeschriebenen Concurse für den Prediger der Ausdruck „Ritus vom Jahre 1826" zu bedeuten habe. Ich glaube den Herren Aspiranten einen Dienst zu erweisen, wenn ich diese Frage hier in Kürze beantworte. Es wird an keinem Sabbate und an keinem der nationalgeschichtlichen Feste zva-ir» -larr k. gesagt, bloS L'L2i Vb und zwar nur die betreffenden Strafen. Der Gottesdienst ist sonst ganz hebräisch, mit Ausnahme deS rrno “pna, das deutsch gesprochen wird. Auch wird Freitag NachtS daS ■ppv5"I7a nicht gesagt. Am Neujahrs- und Versöhnungstage werden nur die bedeutendsten Stücke aus dem Machsor gebetet. Uebrigens möchten wir die Herren in dieser Beziehung auf daS Mannheimersche Machsor verweisen. Wien, 8. Juni. (Privatmitth.) Eine Hoffnung ist wieder zu Grabe getragen worden. ES ist jetzt die neue NotariatSordnung erschienen, und die Bedingung, um Notar zu werden, ist an daS christliche GlaubenSbekenntniß geknüpft. Man wußte wohl, daß die Juden nicht zum Rlchteramre zugelassen, auch zweifelte man daran, daß sie eine Avvocatenstelle erlangen würden; aber auf daS Notariat rechnete man. Nun ist das auch dahin. Mehr als je gilt eS jetzt, uns nach Innen zu kräftigen. Leider sieht eS auch in dieser Beziehung nicht sehr gut auS. In Nicolsburg wurde zum Rabbiner Herr Quetsch, der jetzt in Leipnik Rabbiner ist und von dem dre Welt sagt pmn N7 ynVn r*n. Er gehört zu den sogenannten „Charisim" auS der ganz alten Schule und seine DeraschoS geißeln zumeist an den zwei Sabbathen des JahreS, wo er „darfchel", daß man am Samstag kein offenes Paraplue trage, weil man ein bnirr macht. Auch soll man nicht Semmel von Goj essen. WaS sagen Sie, welche Saat Herr Hirsch da gestreut hat. Die Leute können eS demselben nicht verzeihen, daß er der Gemeinde solche große Kosten ver-