Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-06-18 · Heft 25 (18.6.1855) · p. Seite 318

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 25 (18.6.1855)
Date
1855-06-18
Page
Seite 318 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3225931-3225957--14656-3300320
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

318 Konfessionen und somit auch die Emancipation unserer Glaubensgenossen ausspricht, abgesehen werden soll, so daß wir nach wie vor in dem ungeschmälerten Besitze der seit 1848 erworbenen politischen Rechte verharren würden. Dem Herrn Obercommerzrath Simon Hierselbst wurde am jüngsten Geburtstage unseres Königs wiederum eine ehrende Auszeichnung zu Theil. Derselbe erhielt nämlich einen kostbaren Brillantring mit der Namenschiffre Sr. Majestät zum Geschenk, begleitet von einem sehr anerkennenden Schreiben unseres Hern: Finanzministers. Mit Vergnügen erwähnen wir hier auch eine Toleranz, die neulich der Magistrat zu Hildesheim an den Tag legte. Derselbe bewilligte nämlich einem unbemittelten jüdischen Studenten aus HildeSheim, der augenblicklich das jüdisch-theologische Seminar zu Breslau besucht, ein jährliches Stipendium von 30 Thalern. Möchte diese Toleranz recht vielfache Nachahmung finden! Preußen. Berlin, im Juni. (Privatmitth.) Unser Nestor der jüdischen Literatur, Herr Di*. Zunz, weilt seit mehreren Wochen bereits in London, um die Schätze des brittischen Museums für seine Studien zu benutzen, von da wird er sich nach Orford in Begleitung des Herrn Steinschneider, der einen Katalog der dortigen Bibliothek anfertigt, auf längere Zeit begeben. Herr Dr. Zunz wohnt in London bei dem Baronet Golbsmith, der kürzlich mit einem Besuche der Königin Victoria beehrt wurde, welche die seltenen Blumen, in deren Besitz Herr Goldsmich ist, in Augenschein nehmen wollte. Bei dieser Gelegenheit wurde Frau l)r. Zunz der Regentin vorgestellt, und diese unterhielt sich beinahe eine Stunde mit der geistreichen Frau. Ganz London kann sich noch nicht von dem Erstaunen über diese Huld erholen. An unserer Universität hatte kürzlich ein junger Mann, Herr Därwald auS Rakel, promovirt; seine Dissertation: de electione Rudolphi regis verheißt tüchtige Leistungen in seinem Fache. Unter den Thesen befindet sich auch folgende: leges, per quas publica munera non nisi certae cuidam fidei addiclis capessere licet, magis ad depravandos mores, quam ad confirmandam Tel propagandam illam fidem conferunt*). Man muß den Muth einer Meinung ehren! ReeS am Rhein, im Mai. (Privatmitth.) Am 6. d. M. feierte ein ehrwürdiges Ehepaar, an dessen Thüren die Glücksgöttin nie gepocht, daS seltene Fest der goldenen Hochzeit. DeS Königs Majestät hatten „auf Grund eines vortheilhaft lautenden Berichts der Regierung zu Düsseldorfs daS Jubelpaar mit einem Gnadengeschenk bedacht; aber auch Ihre Majestät die Königin Elisabeth hatten demselben „zur Anerkennung und Befestigung eineS guten und frommen Familienlebens" die mit Allerhöchst Ihrer eigenhändigen Unterschrift versehenen Psalter Davids, mit dem Bilde der beiden Majestäten geschmückt, verehrt und unser Prediger war direct beauftragt, dieses theuere Kleinod an heiliger Stätte zu übergeben. Am genannten Tage, Nachmittags 4 Uhr, begab sich zu diesem Zwecke die ganze Gemeinde nach der von Herren und Damen der verschiedenen Bekenntnisse und Stände angefüllten Synagoge. Bald darauf schritten die von zwei Männern und zwei frommen Frauen geleiteten Eheleute, lächelnd zurückblickend auf chr langes, inhaltreiches Leben, daS fromm, erzväterlich und spiegelrein geblieben, durch die lautlose Menge und traten vor einen reich bekränzten, mit heiliger Decke gezierten Tisch. In der Wohnung deS Herrn wehete eS Einem so friedlich, so wohlthuend an. ES war eine rührende und zugleich erhebende Scene für Alle, die der Handlung mit dem innern Auge und dem Gemüthe ahnend folgten. Eine Einsegnungsrede präludirte den Act. DeS Redners Worte lehrten Roth und Entbehrung vergessen, trösteten und versöhnten mit dem Schicksale. Die gelungene und gewandte Verarbeitung der citirten Stellen: „Achtet wohl auf die Kinder oder Armen, denn von ihnen geht die Wissenschaft auS"; ferner: „Dieses Paar ist wie ein fruchtbarer Weinstock in dem Winkel deS Hauses, die Kinder gleichen jungen Oelbäumen ringS um den Tisch, so wird der Mann gesegnet"; ferner: „Ich bin jung gewesen" u. s. w. ergriffen und begeisterten. Wie von kräftigen Armen geschwungene Aerie die Pforten von Erz *) „Gesetze, durch welche die öffentlichen Aemter nur den Bekennern einer bestimmten Religion offen stehen, tragen mehr dazu bei, die Sitten zu verschlechtern, als jene Religion zu befestigen und zu verbreiten."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.