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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-06-11 · Heft 24 (11.6.1855) · p. Seite 312

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 24 (11.6.1855)
Date
1855-06-11
Page
Seite 312 (sequence 10)
Language
German
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312 Geist der Liebe im Judenthume schloß sich die erhebende Feier der Confirmation an. Aber wie! Wie wach ward da jedes Herz gerufen, im Sinne des TerteS aus dem Hohen Liede (5, 2: ■»abi. „mein Herz ist wach!"). Wer in dem ConverfationS-Lericon unter „Jellinek, Adolph" von einem eifrigen wissenschaftlichen Forscher, von einem der gründlichsten Kenner der Kabbala-Literatur liest, wer sollte ahnen, daß dieser Mann deS BücherstaubeS und der Feder allzugleich in solchem Grade Meister deS gesprochenen Wortes, in deS Wortes erhabenster Bedeutung, sei? Za, unter dem Einfluß eines solchen Wortes wird die Jugend vom Abfall und das beinahe abgefallene Alter zum alten Stamme zurückgeführt; und der Mann, der mit dem Wunderstabe seines Wortes aus dem für daS Judenthum zu Stein gewordenen Herzen so erftischend den fließenden Quell des ThränenwasserS schlägt, der ist berufen zu dem Werke, das sein Werk ist, dem Gotte Sinai'S ein Haus zu bauen, über dessen Einweihungsfeier Ihnen zu berichten mir seiner Zeit eine Aufgabe sein soll. „Ein Mitglied der Literatur-Gesellschaft." Preußen. Aus -er Provinz Posen, 15. Mai. (Privatmitth.) In Jnowraclaw, wo seit anderthalb Jahren der Rabbinerstuhl erledigt und nun wirklich wieder besetzt werden soll, schwankt jetzt — nachdem bereits mehrere Candidaten dort waren und sich hören ließen, — die Stimmung zwischen dem Rabbiner Dr. Joel in Schwersenz (Herausgeber des Midrasch ha- Schar) und dem Rabbiner Dr. LazaruS in Prenzlau, welche Beide, — wie uns versichert wird — in der genannten Gemeinde sich gewaltige Sympathien erworben haben sollen. So weit diese beiden Herren in der Provinz bekannt find (der Letztgenannte ist auch ein Herzogthümer), so würde die Gemeinde Jnowraclaw an dem Einen wie an dem Andern eine gute Akquisition machen, und waS die Gemeinde Jnowraclaw selbst anlangt, so würde, wen auch die Wahl träfe, einen bedeutenden Wirkungskreis erhalten und — wenn sonst die Umstände günstig — dort viel Gutes und Nützliches schaffen können. In KrotoSzyn soll nächstens die Gemeindeschule, welche 4 Claffen hat, um eine fünfte erweitert werden — eine Maßregel, welche gar sehr vielen jüdischen Schulen deS GroßherzogthumS gewaltig Roth thäte, da — wie wir in diesen Blattern schon oft genug geklagt, — bei unS nur selten eine Claffe, namentlich eine Unterlasse, anzutreffen ist, die nicht an „Ueberfüllung" leidet und dadurch in ihren Leistungen gehemmt wird. Und ob der arme Lehrer unter solchen Umständen seine Brust weit mehr anstrengt, als ihm dienlich — wen kümmert'S? Die Herren vom wohllöblichen Schulvorstande am Allerwenigsten. — In unserer Provinz sollen zwei neue Schullehrer- Seminarien, ein katholisches und ein evangelisches, errichtet werden. — Was «erden die 80,000 Juden, welche im Großherzogthum wohnen, von dieser neuen Schöpfung haben? Gewiß, nicht einmal das Recht, daß ihre Jünglinge, die sich dem edlen Lehrer-Beruf widmen wollen, in den neuen Instituten hospitiren dürfen. Die bereits vorhandenen Lehrer-Bildungs- Anstalten find ihnen zu diesem Behuse längst geschlossen. Gestattet ist dem jüdischen Aspiranten weiter Nichts, alS in einem der Seminarien — zu der Zeit, wenn die christlichen (katholische oder evangelische) Schulamtsbewerber geprüft werden, — in Gemeinschaft mit diesen, — vor einer von der betreffende» Regierung bestellten Commission — das Eramen abzulegen. Und dieses wird sogar zur Bedingung gemacht, soll er später aus ein Amt und auf Bestätigung in demselben Anspruch machen können. Woher aber der jüdische Aspirant feine Vorbildung genommen — darnach wird nicht geftagt. Wenn er die aufgegebenen schriftlichen Arbeiten liefert, die mündlichen Fragen beantwortet und zum Schluffe noch eine Katechisation durchmacht, dann genügt'-. Einfacher gesagt: fällt er nicht durch, so kommt er durch, d. h. er erhält ein Zeugniß und auf dieses alsdann — eine Stelle. — Wir wollen hier nicht untersuchen, was für jüdische Lehrer oft inS Amt kommen, noch viel weniger wollen wir die Maßregel tadeln, daß Jünglinge jüdischen Glaubens in rein confessionelle christliche Lehrer - BildungS - Anstalten nicht ausgenommen, ja in denselben nicht einmal alS Hospitanten zugelaffen werden — und am allerwenigsten wollen wir hier die Frage erörtern, ob der geprüfte, im Seminar 3 Tage lang geprüfte und mit einem Zeugniß, mit einem noch so glänzenden Zeugniß entlassene jüdische Lehrer auch wirklich ein „jüdischer Lehrer?" — Dies sind lauter Dinge,

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