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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-06-11 · Heft 24 (11.6.1855) · p. Seite 311

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 24 (11.6.1855)
Date
1855-06-11
Page
Seite 311 (sequence 9)
Language
German
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311 fest Theil genommen haben. Der Verein besteht auS circa 24—30 Heils ordentlichen, theils Ehrenmitgliedern, die an dex Sabbaten, Festtagen und bei verschiedenen solennen Veranlassungen beim Gottesdienst mit einer Kraft Mitwirken, daß der hiesige Synagogen-CultuS durch die Mitwirkung deS Vereins zu den schönsten gezählt werden darf. Die Fahne deS „Frohsinns", eine Widmung hiesiger israelitischer Jungfrauen, wurde am 14. October 1851 durch Herrn Kirchenrath Maier auS Stuttgart, welcher die Festrede hielt, eingeweihr. Das vom „Frohsinn" gewählte Lied zum Wettgesang „Sängergruß an Deutschland", von Otto, componirt von Methfessel, bietet bedeutende Schwierigkeiten, und es war sehr in Frage gestellt, ob der Verein dieselben werde überwinden können. Allein die bedeutenden Stimmmittel, die demselben zu Gebote stehen, die umfang- und klangreiche Stimmbegabung der einzelnen Mitglieder und deS Vereins im Ganzen half die Schwierigkeiten besiegen. Der erste Preis besteht in einer großen silbernen Medaille, auf der Vorderseite ist in der Mitte, von Laubwerk umgeben, eingeprägt: „1. Preis", auf der andern Seile ist eingravirt: „Der schwäbische Sängerbund dem Streben zur Veredlung deS Volksgesangs." Die weitere Festgabe besteht in einem großen, herrlichen krystallenen Pokal, eine Widmung deS Ulmer Liederkranzes. Herr Professor Häßler auS Ulm, Mitglied des letzteren, knüpfte freundliche Worte an die preisgekrönten Sänger an, indem er ihnen sagte, sie mögen, wie den Pokal, so den schönen, hoffnungsreichen Verein vor Zersplitterung bewahren. Wie das Preis-Richter-Collegium die Leistungen des jüdischen hiesigen Gesangvereins durch den ersten Preis und Festgabe krönte, und dadurch eine anerkennenSwerthe Unparteilichkeit an den Tag legte, so wurde dem Verein auch von allen Seiten begeisternde Anerkennung von den andern Singvereinen und andern Zuhörern und der Stadt Ravensburg zu Theil. So schnell wie der elektrische Funke die Lufträume von der BundeSfest-Stadt bis hieher durchmaß, so schnell durchflog die freudige Kunde, die durch telegraphische Nachricht dem Rabbiner Wälder zugekommen, die ganze Gemeinde und eS wurde sogleich ein festlicher Empfang deS Gesangvereins veranstaltet, der vom Bahnhofe auS bis in die Stadt herein wie in einem Triumphzug seinen nächtlichen aber darum auch um so feierlicheren Einzug hielt. Noch möge hier bemerkt werden, daß der Dirigent dieses Vereins, unser Sabbat- und Festtags-Vorsänger Schmal, der Director, Glasermeister Heeleicht, ein sehr strebsamer junger Mann, von großer Kunstbegabung. So wäre denn der hiesige Gesangverein der erste jüdische Gesangverein, der am großen schwäbischen Sängerbund, dem auch verschiedene Singvereine auS Baiern, Baden und der Schweiz affilirt find, ein eingefügtes Glied bildet, und durch die Preiskrönung eine neue Probe seines Bestehens und edlen Strebenabgelegt hat. Bei dieser Gelegenheit möge auch deS hier bestehenden israelitischen Lesevereins „Concordia" Erwähnung geschehen, der gegen 70 Mitglieder zählt und nicht minder zur intellectuellen Erhebung seiner Mitglieder und der Jugend überhaupt betträgt. W. Leipzig, 25. Mai. (Privatmitth.) Der Gottheit, bis jetzt neben Spediteuren und Schlossern eingemiethet, wird zu Rosch-Hafchanah ein eigen HauS allhier eröffnet sein. Schon lassen die hochanstrebenden Mauerwerke einen Prachtbau erwarten und letztes Wochenfest war letztes Jahrzehendfest unseres Interims -Betsaales und zugleich die letzte ConsirmationSfeier in dessen Räumen. Und wie überhaupt selten die mathematische Linie zu finden, wo Alles von Neuem abgrenzt, wo daS „leise" Werden beginnt, so ragte auch schon die Form deS neuen Gottesdienstes in Etwas zu unS herüber. Der hier lebende Musik- und Gesanglehrer Herr Jadaffon hatte unserer Gemeindejugend daS Lied Nr. 38. deS trefflichen „Philippson'schen kleinen israelitischen Gesangbuches" einstudirt und siehe da: die Möglichkeit, die vielbestrittene Möglichkeit eines eigenen Chores in unserer verhälrnißmäßig noch schwachen Gemeinde war durch daS Factum constatirt. Manchem periodischen Meßtheilnehmer an unserem Gottesdienste wird eS eine Beruhigung fein, hierdurch zu erfahren, daß er während der J'me neroim die Intonation seiner Andacht nicht mit einem Kirchenchore — sondern mit einem Synagogen chore anstimmen werde. DaS einfache, schöne Lied war verklungen und unser Prediger bestieg die Kanzel. Dem reichen Stoffe feiner Rede über die Gesetzgebung auf Sinai, über die historische Mission deS Judenthums, über den 24

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