Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1855)
- Date
- 1855-06-11
- Page
- Seite 309 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225931-3225956--14646-3300309- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
309 tung, theils im jüdischen Volksblatt, theils im „Saron" — verfolgen diese Tendenz, und find, selbstständige Bilder aus jüdischer Geschichte und jüdischem Leben. Wir wollen hiermit über den Werth dieser Arbeiten nicht im Entferntesten ein selbstgcnügsames Urtheil sprechen — aber wir erwähnen ihrer hier nur, um den Weg anzudeuten, den wir von jüdischen Dichtern, und insbesondere auch von unserm Kompert fernerhin eingeschlagen wünschen_ Aber indem wir dies niederschrieben, und wir, ganz von unserm Gegenstände erfüllt, um die Außenwelt uns gar nicht kümmerten, fiehe da — hat sich der Kampf zwischen Nebel und Sonne entschieden. Jene find von den Bergen aufzetrunken, von den goldenen Strahlen zertheilt worden; der Himmel glänzt in reinstem Blau, die Höhen ringsum vom klarsten Grün, dort im Hintergrund, in die tiefe Schlucht, in den südlichen Einschnitt der Bergzüge hat sich die graue Wolkenwand hineingezogen — hoffen wir, daß sie daraus heule mindestens nicht wieder hervorbricht — solchen Tag nach dem Streite am Morgen wünschen wir allen treuen Herzen, allen reinen Geistern, insonders den Dichtern und Sängern der Wahrheit und der Liebe! Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hamburg, im Mai. (Privatmitth.) Zum Schebuothfeste war eine umfassende Restauration der Synagoge auf der Elbstraße vollendet, die allgemeinen Beifall erlangte. Zum adjungirten Vorsänger am neuen Tempel ist ein Herr Piza, Sohn des portugiesischen Vorsängers in Altona und jetzt Sprachlehrer in Oldenburg, erwählt, und es wird von ihm eine gründliche Verbesserung deS Solosowohl als LeS ChorgesangeS im Tempel erwartet. Unter den neuesten Proponenden des Senats findet sich eine mehrjährige Kirchensteuer für die Fortsetzung des so unbedacht angefangenen, kostspieligen Nikolai-KirchenbaueS. ES ist dies die erste Kirchensteuer, die in neueren Zeiten hier eristirt hat, und eine lebhafte Opposition nicht nur von Seiten der nichtlutherischen Staatsbürger, sondern auch von den übrigen lutherischen Kirchspielen wird erwartet. Ein solches PräcedenS ist auch gewiß sehr bedenklich. Ich habe nun auch einige Hefte deS „Jeschurun" und das Probeblatt deS Schweriner Synagogenblattes gelesen, und mich, trotzdem ich so etwas erwartet hatte, doch noch sehr über den, wahren oder gemachten , Verblendungsrausch dieser Herren gewundert. Weil in Berlin und in manchen andern protestantischen Städten die Partei der Reaction Progresse zu machen glaubt, Progresse, die sie freilich in katholischen reichlich wiederbezahlt, deswegen rechnen diese Herren sich reich, deswegen glauben auch sie, Triumphe feiern zu dürfen! Ich erinnerte mich dabei eines meiner Freunde, simpler hiesiger Kaufmann, der reiste vor mehrere Jahren nach Wien und wurde in Folge einer Empfehlung von Herrn von Rothschild zu Tische geladen. Er traf da die EskeleS, Seira, und mehr solcher Matadore. Das Gespräch drehte sich um Gegenstände der baute Lnsnce und es wurde da mehrere Stunden lang von 10 und 20 und 50 und 100 Millionen geredet, daß, erzählte er mir, „daß ich ganz wirblig wurde und für den Augenblick eS für gar nicht möglich hielt, daß ich nicht auch mehrere von diesen Millionen besäße! Ich fühlte," fuhr er fort, „einen eigenen Kriebel in den Fingerspitzen und suchte in meinen Taschen herum, ob ich sie da nicht fände." So scheint es diesen Herren auch zu gehen, doch suchen sie ihren Rausch etwas länger zu behaupten; vielleicht, so denken sie, hält irgend ein Christ — denn die Juden lassen sich freilich von ihnen nichts weiß machen — dies dann für Wahrheit! — Ist es z. B. zu glauben, daß ein Mann, der an die Spitze einer von der Minderheit einer großen Gemeinde gestifteten CultuS-Anstalt — ein Recht, das ich übrigens vollkommen anerkenne — berufen ist, mehre Bogen Papier verdirbt, um die Souverainetät der Majorität jeder jüdischen Gemeinde auf die schwülstigste und detaillirteste Weise ans Licht zu setzen? Was viele ganz oder halb falsche Angaben in dem langen Bericht aus Hamburg betrifft, so find diese bloS dem Hamburger erkennbar, grob tendenziös und: — man merkt die Absicht und man wird gestimmt — zum Lachen nämlich. Bei dem Schweriner Blatte, verfaßt von dem Landrabbiner Dr. Lüpschütz, da erinnerte ich mich der Worte Goethe's (Brief: Rom, 3. November 1786): „Mich ergriff ein wunderbar Verlangen, das Oberhaupt der Kirche möge den goldenen Mund aufthun und, von dem unendlichen Heil der seligen Seelen