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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-06-11 · Heft 24 (11.6.1855) · p. Seite 305

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 24 (11.6.1855)
Date
1855-06-11
Page
Seite 305 (sequence 3)
Language
German
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305 der geebnet werden muß, soll das Ziel erreicht werden (Sech. 4, 7.). Endlich erwähnen wir, daß der Psalmist sehr wohl gewußt hat, daß die Berge uns, den Erfahrenen, die sichersten Zeichen der Witterung geben, und daß im Augenblicke, wo wir eine Wanderung antreten, es sich wohl verlohnt, „nach den Bergen die Augen zu erheben" (Ps. 121, 1.). Also betrachtet die Schrift die Berge, und wer fühlt nicht, daß bei dem Wiederanblick der Berge alle diese Empfindungen und Gedanken durch unsre Seele ziehen, ob wir eS uns zum Bewußtsein bringen oder nicht? Wenn Du an ihrem Fuße stehest, wie fühlst Du ihre Majestät, Erhabenheit; wenn Du auf ihrem Gipfel fitzest, wie gehoben, dem Himmel näher, dem Kleinlichen und Zeitlichen entrückt empfindest Du Dich! Welchen befreienden, lösenden Luftzug senden sie Dir entgegen, welche Kühnheit drängen ihre mächtigen und bestimmten Formen und Umrisse Deiner zagenden Seele auf.... Es ist charakterifirend für die Zeit, daß unsere Weisen einen Segensspruch bei dem Anblick der Blürhe, des Blitzes und Regenbogens — nicht aber der Berge vorgeschrieben haben. Zur Abwehr! I. Nichts häuft sich leichter, als der polemische Kram, sobald man ihn nur eine Zeitlang auf sich beruhen läßt. Nun ist es nicht zu verkennen, daß mit jedem Tage auch Etwas wieder verschwindet, was Feindseliges der Tag gebracht hat, daß es vergessen und — vergeben ist. Allein Täuschung wäre cs, zu glauben, daß damit auch die Richtung, die Tendenz geschwunden, mit der man es zu rhun hat. So unermüdlich die Liebe ist, so unersättlich ist auch der Haß, und dessen ächter Bruder, der Neid, seine Schwester, die Mißgunst. Und hätte es nicht die Geschichte insbesondere uns Juden gelehrt, daß der Fanatismus und Obscurantismus schon ihrer Natur nach zu einer Versöhnung, ja selbst zu einer sogenannten Transaction nicht befähigt find, sondern daß sie ringsum Alles tödten und ersticken müssen, oder selbst untergehen?.' Da ruft man uns von so vielen Seiten zu: „nur Friede!" Von Norden eine Stimme von jenseits des Meeres: „kleines Häuflein, halte Frieden! wozu die innere Spaltung aufdecken, sie wird dadurch nur vergrößert." Von Osten die Bitte: „nur still von Parteiung, was soll der Rumor, der nur immer größern nach sich zieht." Sehr gut gemeint — aber mit dem besten Willen läßt es sich nicht ausführen. Nicht weil man gereizt wird — man ist längst darüber hinaus. Sondern weil die Sache der ganzen Zudenhcit, weil die gesunde Entwickelung, weil die Erhaltung des Judenthums dabei intercsfirt ist. Z. B. Du kannst jetzt täglich von gewissen Leuten hören: die Orrhodorie — was sie nämlich so nennen — habe den Sieg erfochten, sic beherrsche die jüdische Welt, sie habe jetzt das Heft in Händen rc. Du kannst es jetzt, nicht blos von Nichtjuden, sondern von vielen Börsenmännern und „Aufgeklärten" hören, daß nur das altmodische, lblörhige Judenthum Judenthum sei, jedes andre sei eigentlich nur ein gemachtes Judenthum — während es doch größtentheils daS umgekehrte ist — und da sie doch zu jenem Judenthum niemals zurückzukchren gesonnen sind, wird ihnen dadurch so bequem die Pforte geöffnet, um mindestens ihre Kinder hinausschlüpfen zu lassen.... Nein, nein! es giebt gewisse Meinungen, die find durchaus nicht unschuldig, die „nützen allein nicht", sondern „schaden auch gar sehr"... Bei solchen Dingen ist Schweigen — Schwäche, besiegt sein, abtreten. Eine süßliche Friedensliebe, während der Feind vor den Thoren schwärmt, giebt die eigene Familie, den eigenen Herd preis. Endlich, auf die gesunde Natur der Menschen vertrauen, hat alle Zeit sich als eine gefährliche Zuversicht gezeigt. Wenigstens hat diese „gesunde Natur", dieses „frische Leben" stets der Unterstützung bedurft, man mußte ihnen sagen: „Du hast Recht!" und „dies ist recht!" sonst werden sie zuletzt doch irre!... Doch kommen wir zur gewohnten Ordnung. Und da gestatte der Leser, voran nur ein klein wenig von uns selbst zu sprechen. Die „allgemeine Zeitung des Judenthums" trägt das Motto an der Spitze „ein unparteiisches Organ." Und nun ist nichts beliebter, als dem Rcdacteur den Vorwurf zu machen: er sei parteiisch. Der Vorwurf ist lächerlich, wenn von Personalien die Rede ist. Denn eine „Zeitung" kann keine zwanzig Jahre bestehen, wenn sie ungerecht, parteiisch, launisch verfährt, und Menschen tadelt, die an Ort und Stelle geachtet, und Andere lobt, die in der Heimath verachtet werden. Es kann hie und da dergleichen immer Vorkommen, denn keine Redaction kann Alles genau kennen, sie muß sich auf ihre Correspondentcn verlassen. Aber sobald dergleichen systematisch betrieben wird, sobald das Publikum erkennt, wie ein Blatt das Ancrkennenswerrhe nicht ftcudig anerkennt, das Tadelnswürdige nicht ohne 24*

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