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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-06-11 · Heft 24 (11.6.1855) · p. Seite 304

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 24 (11.6.1855)
Date
1855-06-11
Page
Seite 304 (sequence 2)
Language
German
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304 seinem Bruder, dem höher«, steilern, unwirthlichern Antilibanon, sie streckren ihre Arme über Las ganze Land, jener das west-, dieser das ostjardenische Land mit seinem Netze überziehend: dort waren es das Gebirge Navhthali, Ephrajim und Juda, welche die gewaltigen Maschen bildeten, hier der Hermon, das Gebirge Gilcad, das Hochland Baschan. Und alle diese Aeste sandten wieder ihre eigenen Zweige aus, oder hatten ihre Vorposten, ihre detaschirten Forts, ihre Berginseln. Was Wunder, daß überall in der Schrift die Berge gefeiert werden, und zu den treffendsten Bildern und Symbolen Wie sich diese Kolosse über die niederen Ebenen und Thäler hoch in die Wolken erheben; wie sie fest ihre Massen austhürmen, und, scheinbar unwandelbar, von den Stürmen nicht erschüttert werden, welche die mächtigsten Stamme brechen, die Dächer niederschlcudern, die Schiffe versenken und den Sand der Wüste auftvirbeln und über die Länder tragen, von den Wogen des Meeres umbrandet, welche machtlos zurückgeworfen werden, von den Blitzen des Himmels und den Güssen der Wolken getroffen, ohne daß sie schwanken; wie sie so frei, unumwunden ihre Stirnen Freund und Feind, der Gluth der Sonne und dem Froste des Winters zeigen, die Vesten der Erde, die Säulen des Himmelsgewölbes — da benennt Moscheh Gott selbst ->i2Lv? „den Fels", und so geradehin, daß „Gort" und „Fels" identisch erscheinen (5 Mos. 32. 4. 18. 30. 3U; 1 Schem. 2, 2.); insbesondere aber insofern in Gott das Heil, der Schutz, die Sicherung zu finden: „der Fels meines Heils" (-,1L Tüfsr, „mein Fels" ,'liL sehr oft.) In kühner Metapher wird daher Gott vom Psalmistcn „eine Felsenwohnung" genannt (",1S72 iiL Ps. 71, 3.). Wenn jener Glaube der alten Völker, welcher den Göttern einen Berg im Norden zum Wohnfitze anwies, Israel natürlich fern lag, so find doch die Berge die Repräsentanten der Größe, Höhe, und Erhabenheit (vgl. Jesch. 2, 2. 14.), und es wird daher alle Erscheinung Gottes auf den Bergen gedacht, von ihnen her tritt die Herrlichkeit Gottes in die Erscheinung (5 Mos. 33, 2.; Nicht. 5. 4. 5.; Chabak. 3, 3.), wie denn wirklich nicht nur das Opfer Jizchaks, sondern auch die Erscheinung im Dornbusch, die Offenbarung der Zehnwortc, die Offenbarung 2 Mos. 33. und die dem Elijahu gewordene (1 Kön. 19, 8. ff.) auf einem Berge geschehen, der deshalb a^rteN ^>n „Berg Gottes" heißt. So ist auch sowohl Ahron's und Moscheh's Sterben auf der Spitze eines Berges (Hör und Rebo) vor fich gegangen. — Die Berge find das Dauerndste auf Erden — deshalb find fie die Träger der ganzen irdischen Vergangenheit, find Symbole der Ewigkeit hienieden, „die uralten Berge", „die ewigen Hügel" werden fie schon von Jakob genannt (1 Mos. 49, 26.), von Moscheh bezeichnet (5 Mos. 33, 15.), von Chabakkuk begrüßt (3, 6.). Die Berge bieten mit ihren Höhlen, Verstecken und der Abwechslung der Pfade Schutz, und von ihnen her kann fich der Angegriffene leicht vertheidigen (Ps. 125, 2. und oft), ja selbst das ist nicht übersehen, daß die mächtigen Berge Schatten werfen über die Ebene, und so vor den brennenden Strahlen der Sonne Schutz gewähren (Jeschaj. 32, 2.). Indem fie aber so das Land überragen und beherrschen, und ihm seinen wesentlichsten Charakter verleihen, repräsentiren fie das ganze Land (Ps. 7, 2. 3.) und „dein Erbgebirge" -;nbna ->N wird das ganze Canaan geheißen (2 Mos. 15, 17.). Aber wußten die heiligen Scribenten gar nichts davon, daß auch diese Berge nicht bleiben was und wie fie find? Ist es erst ein Eigenthum neuerer Forscher, daß fie das Alpengcbirge in so und so viel Hunderttausend Jahren in Splitter und Stücke zersprengt und zersetzt sehen durch Frost, Sonne, Lust? O nein.' Auch jene sahen die Berge zittern, Hügel schwanken, die Vesten der Erde zusammenbrechen... das war ihnen der erhabenste Ausdruck für das Strafgericht Gottes, welches über Mensch und Natur fich erstreckt (Jirm. 4, 24.; Jech. 38, 20. und öfter), das das charakteristischeste Zeichen der Allmacht Gottes, daß er „Berge versetzt, und fie merken es nicht" (Jjob 9, 5.). Berge, als Symbol menschlichen Stolzes, werden erniedrigt (vgl. Ps. 42, 7.), und ihre äußere Höhe trägt nichts dazu bei, ihnen wahre Heiligkeit zu verleihen, fie zu geweihten Stätten zu machen (Ps. 68, 16 ff.), denn der Herr hat den Berg Zijvn vor allen, auch den höchsten, erwählt. Alle laute, öffentliche Verkündigung geschieht auf den Bergen. Sie waren die Telegraphen des Alterthums. Auf den Bergen erscheint die Friedensbotin für Zijon, auf den Bergen wird das Panier für die Völker erhoben, von den Bergen her erhebe Deine warnende, verkündende Stimme (Jesch. 13, 2. 18, 3. 40, 9.; Nach. 2, 1. u. öft.). — Die Berge ersteigen, auf den Bergen stehen ist aber auch so viel als das Glück der Herrschaft erlangen, fest, ficher, erhaben stehen 0>rrn^ '•naa b? 2 Schem. 22, 34.; Jesch. 58, 14. u. oft.). Demungeachtet ist aber Berg das Symbol großer Hindernisse,

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