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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-06-04 · Heft 23 (4.6.1855) · p. Seite 299

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 23 (4.6.1855)
Date
1855-06-04
Page
Seite 299 (sequence 9)
Language
German
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299 Punkt heute lieber schweigen, auch hat die Erfahrung erwiesen, daß alle Klagen in dieser Beziehung fruchtlos geblieben. Doch was die Erfahrung nicht Vermochte, werden, wie wir hoffen, die weisen Maßregeln der hohen Regierung bewirken. Wien, 15. Mai. (Privatmitth.) Die Generalversammlung deS Handwerkervereines wurde dieses Mal in Verbindung mit einem Festessen gehalten, und zwar fand sie statt in den Sälen zum Sperl. ES ist dies ein für das Wiener lustige Leben historischer Ort. Hier werden die Orgien der Freude gehalten; doch diesmal hat die wahrhafte Humanität da ein Fest gefeiert. ES fanden sich an 150 Personen zur Tafel ein. Herr Mannheimer hielt dabei eine geistreiche, wahrhaft herzerhebende Ansprache und schloß mit einem Toast auf Se. Majestät den Kaiser, worauf das Volkslied von Sulzer mit einem verstärkten Chor gesungen wurde. Hierauf las Herr Landesmann, Secretair und Vorsteher des Vereines, den Bericht. Daraus entnehmen wir, daß 107 Zöglinge vom Vereine mit Kleidung, Freisprechungsgebühren ic. versorgt werden. Eben so läßt sich der Vorstand die geistige und sittliche Bildung der Zöglinge angelegen sein, durch den Sonntagsgottesdienst — woran auch die andern Lehrlinge über zweihundert theilnehmen, da dies nun Gemeindeangelegenheit ist — und durch den Wiederholungsunterricht. Die heurigen Ausgaben beliefen sich auf 600 Fl. C.-M. mehr als die Einnahmen. Zu diesem Zwecke wurde während der Mahlzeit eine Subscription eröffnet, die 2000 Fl. einbrachte*). In Betreff der nähern Daten werde ich mir erlauben, Ihnen den gedruckten Bericht einzuschicken. Die Gesellschaft, die aus der Elite der Wiener Gemeinde bestand, war heiter und vergnügt und es wurden noch folgende Toaste ausgebracht. Herr Ernst Wertheim, Vorsteher des Vereines, auf die Vertreter; Herr Jof. Wertheimer erwiederte diesen mit einem Trinkspruche auf den Vereinsvorstand; Herr Breuer trank auf daS Heil der BereinSmitglieder und später ans die verstorbenen Wohlthäter, den fel. Emanuel Wertheim und Herman TodeSco. Dann gedachte Herr Wolf deS jüdischen Handwerkerstandes. Frankl *) Ein ungenannter Wohlthäter hat Herrn vr. Wolf außerdem 50 Fl. zur Dertheilung an die Lehrlinge gelaS hierauf ein sehr schönes Gedicht, worin er der Jugend und der christlichen Meister dachte, daS ich mir erlaube, hier beizulegen. Zuletzt wurde noch auf die Gesundheit „unseres Freundes, Lehrers und Predigers, I. N. Mannheimer" von Seite des Herrn Vertreters Sichrovsky getrunken, woran sich der Toast auf Sulzer anschloß. Sulzer sang mit der an ihm gewohnten Genialität eine Hymne, bevor daS Fest begann, und unter andern Liedern auch daS von Frankl: „Wir sind die Arbeitstreuen." Auch einem Lehrlinge, der eben freigesprochen wurde, war das Wort gegönnt, seinen Dank auszusprechen. Ich habe mir erlaubt, Ihnen etwas weitläufig daS Fest zu beschreiben. Es sind das Momente, wo sich daS jüdische Leben mit seiner Herzlichkeit und Innigkeit zeigt, Momente, die lange noch nachklingen. Mir aber erlauben Sie zum Schluffe aus das Wohl des Stifters und Gründers dieses Vereines, des wohlverdienten Herrn Josef Wertheimer, ein Hoch zu bringen. Unsere alten Weisen sagen, wenn man von Verstorbenen spricht: -12^2 m22*n vrnnsa „Die Lippen regen sich im Grabe." Wir haben eS hier Gottlob noch mit einem Lebenden zu thun, der immer rüstig, regsam und strebsam war und ist, wo es das Heil deS JudenthumS galt. Möge es ihm noch lange gegönnt fein, das Edle zu fördern, wie er eS wünscht. Von der Donau, 16. Mai. (Privatmitth.) ES kommt mir so eben zu: Stunden der Andacht, ein Gebet- und Erbauungsbuch für Israels Frauen und Jungfrauen von Fanny Neuda, Prag bei Pascheles. ES ist das die Wittwe des zu früh verstorbenen Rabbiners Neuda. Von ihm galt es: „Wenig gelebt, viel erlebt, viel gestrebt, wenig erstrebt." Doch, er ruht in Frieden; die Wittwe aber hat einen schweren Kampf mit den zurückgelassenen Kindern im Leben zu führen. Aber nicht das Mitleid bewegt mich, dieses Buch zu empfehlen, sondern sein innerer Werth. Hier schreibt eine Frau für Frauen Gebete. Sie kennt am besten die Gefühle, die ein weibliches Herz anregen und Frau Neuda hat es auch verstanden, diesen Gefühlen einen schönen Ausdruck zu geben. Möge daS Buch eine recht weite Verbreitung finden. In den letzten Tagen hat Herr Ober-Cantor Sulzer die Musikalien für den Tempel zu Mannheim eingeschickt. ES ist dies eine Arbeit, die ihres Meisters 23

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