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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-06-04 · Heft 23 (4.6.1855) · p. Seite 295

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 23 (4.6.1855)
Date
1855-06-04
Page
Seite 295 (sequence 5)
Language
German
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295 Möchte der Jubilar dermaleinst auch die Feier seines fünfzigjährigen Dienstantrittes erleben. L—n. Gießen, 17. Mai. (Privatmitth.) ES wird Ihnen gewiß eine interessante statistische Mittheilung sein, daß in unsrem LandeSzuchthause Marienschloß, welches ich zuweilen in höherem Aufträge zum Zwecke der Befriedigung der religiösen Bedürfnisse der dort befindlichen Israeliten besuche, unter 445 Züchtlingen, männlichen und weiblichen, nur 3 jüdische männliche fich befinden, i. e. 149: 1, während daS Verhältniß der Christen zu den Juden des Landes 30: 1 ist. Auch meine ich, in Ihrem vorjährigen Blatte gelesen zu haben, daß in Deutschland gegenwärtig nur ein Staat sei, in welchem die Juden vollständig gleiche Rechte mit den Christen genössen, dieser eine Staat, erinnere ich mich weiter, war unser Darmstädter Land nicht. ES gereicht mir daher zu großer Befriedigung, Ihnen sagen zu können, daß im Darmstädtischen zur Zeit auch nicht der mindeste gesetzliche Unterschied zwischen Juden und Christen, weder ein bürgerlicher, noch ein politischer, noch ein privatrechtlicher eristirt. Gesetzlich sind wir zu allen Staatsämtern zulässig. Anstellungen gehören freilich noch zu den Raritäten, aber sie kommen doch vor. Unsre Stände beriethen kürzlich ein neues Wahlgesetz, welches die Regierung vorlegte, und nahmen eS auch mit geringen.Modisicationen an; das Wort Jude kam dabei nicht vor, gewiß erfreulich. Dennoch aber leiden wir Juden deS Darmstädter Landes an einem großen Mißstande, nämlich an einem Mangel aller Ordnung im Synagogen- und Religionsschulwesen, um welches fich unsre Regierung nicht im Mindesten kümmert. Jeder Rabbiner ist in seinem Sprengel Herr und Meister, unabhängig von allen übrigen, hat aber doch nicht die geringste Macht, da, wo eS Roth thut, einzuschreiten oder anzuordnen. Wir sind nur die rathenden, begutachtenden Männer, und alle unsre Schritte, z. B. um daS Religionsschulwesen besser zu ordnen, waren seither vergebens. Unser Zustand gleicht in dieser Hinsicht so ziemlich dem preußischen. Dr. Levi. Worms, im Mai. (Privatmitth.) Zur Renovation der hiesigen jüdischen Alterthümer gingen ferner ein: aus Rotterdam 140 Fl. 6 3fr.; Schulzendorf 5 Thlr.; Geisa 3 Thlr.; Aschenhausen 1 Thlr.; Lemberg 30 Fl.; Lübeck 7 Thlr.; hierzu laut Nr. 49 des vorigen Jahrg. d. Bl. 1920 Fl. 49 3fr. Summa 16 Thlr. und 2090 Fl. 55 3fr., zusammen 2118 Fl. 55 Tr. DaS Comitö zur Renov. d. hies. jüd. Alterth. Worms, im Mai. (Privatmitth.) Sonntag, den 20. d. besuchte I. K. H., die Großherzogin Stephanie die neu erbaute Synagoge in Mannheim. Die Einweihung dieses prachtvollen GolteshauseS soll am 29. Juni c. stanfinden. — In Frankfurt a. M. soll bald nach dem Schebuothfeste die Grundsteinlegung der neuen Synagoge fiatthaben. — Ueber den jungen, aber schon jetzt sehr tüchtigen Virtuosen Fritz Gernsheim von hier, berichten bereits französische Zeitungen in rühmlicher Weise. — Hierorts wurden heute (",vv rfr>) Selichot gesagt, an welchem Tage im Jahre 1096 die 12 Parnasim getödtet wurden. Leider hat sich der frühere Jrrthum, zu welchem Z unz verleitet wurde, jenes Factum in daS Jahr 1349 zu setzen, auch in seinem neuesten Werke: „Die synagogale Poesie des Mittelalters" S. 41 wiederholt. — Ueber jenen abnormen, hierorts stattfindenden Gebrauch s. Magen Abraham §.418 Lit. «. — Von Salomon Lewysohn in Posen wird im Kurzen eine Schrift über die Institutionen in Palästina die Presse verlassen. Freudenthal (Württemberg), im April. (Privatmitth.) In Nr. 11. Ihres geschätzten Blattes wurden AnerkennungS- und Belobungsschreiben mirgetheilt, die dem Herrn Rabbiner Fasset in Großkanischa von den höchsten und ersten Räthen der Krone zugekommen find. In der Ueberzeugung, daß es den Lesern Ihres Blattes erfreulich sein werde, von ähnlichen Aeußerungen über Geistesproducle jüdischer Autoren in einem andern Lande Kenntniß zu erhalten, theile ick Ihnen mit, daß der Herr Rabbiner Grünwald dahier auf die Einsendung seiner im vorigen Jahr erschienenen Schrift „Die Glaubens- und Sittenlehren des Talmuds" an einen der höchststehenden Rache des Königreichs ein sehr anerkennendes Schreiben erhielt. Gestatten es besondere wichtige Umstande nicht, dieses Schreiben nach seinem ganzen Inhalte und mit Angabe des Namens deS Verfassers mirzutheilen, so kann ich eS mir doch nicht versagen, wenigstens eine Stelle desselben hier wörtlich wiederzugeben. Nachdem nämlich der Bezeichnete, auf das Buch eingehend, dessen Vorzüge besprochen, fahrt er fort:

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