Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1855)
- Date
- 1855-06-04
- Page
- Seite 294 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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294 gangene bekleidete, lassen sich in einer Zeile hernennen; aber welchen Fleiß, welche Widmung und Aufopferung er darauf verwandte, wie treu, eifrig und unverdrossen er sie verwaltete, das kann nicht so schnell hervorgehoben werden. Er war ein trefflich er Mann und — um Alles in Allem zu sagen — er lebte seiner Pflicht. Aber nicht nur seine Leistungen sind es, die uns sein so frühes Dahinscheiden tief beklagen lassen, sondern auch der Sinn und Wille, der ihn erfüllte und sich in Allem, was er lhat und sprach, darftellte. Seine Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit wurde von dem Bewußtsein dessen, was er leistete, nie überragt, oder getrübt und geschwächt, und von seiner Milde, Wohlthätigkeit und steten Hülfsbereitschaft geben Leidende und Dürftige nah und fern lebendiges Zeugniß. WaS ein so trefflicher Mensch den Seinigen gewesen sein muß, laßt aus dem Gesagten sich leicht ermessen. Darum waren auch Alle, die am 3. d. M. seiner Bahre folgten, tief ergriffen, von den armen kleinen Kindern und altern Zöglingen an, denen er liebevolle Theilnahme und hülfreiche Aufmerksamkeit gewidmet hatte, und die sich deshalb auch den leidtragenden Verwandten unmittelbar anschloffen, bis zu den ältesten ehrwürdigen Greisen, die nach GotteS unerforschlichem Willen ihn überleben sollten. Dürfte unser hochverehrter Herr Landrabbine Dr. L. Adler sich sagen, daß seine Einwirkung im Gespräche, wie auf der Kanzel, von welcher herab er vor einiger Zeit die inständigste Mahnung zur Erbauung eines israelitischen Waisenhauses an die Gemeinde hat ergehen lassen, zu der nunmehr fundirten Stiftung den ersten Impuls gegeben, so müßte das erhebende Bewußtsein einer solchen Wirksamkeit in vertrauensvoller und kräftiger Fortsetzung derselben ihn nicht wenig stärken und ermuthigen. Möge der Wille deS Verewigten sich bald verwirklichen und zu segensreichem Erfolge herangedeihen; möge in der kräftigen Ausführung desselben ihm ein Denkmal erstehen, das seinen gesegneten Namen zu fernen Geschlechtern trägt und dauerhafter und glänzender ist, als Mausoleen von Stein und Erz, welche die Gräber mancher andern Reichen zieren, aber den an denselben Weilenden keine Thräne der Erinnerung abnölhigen! Leben heißt — in Thaten zeigen, Daß wir da gewesen: Unser Wirken bleibt uns eigen. Sterben heißt — genesen. Aus Kurhessen, im Mai. (Privatmitth.) Die patriarchalische Eintracht, die in frühern Zeiten zwischen Gemeinde und Rabbiner geherrscht, ist jetzt leider so häufig gewichen und an deren Stelle sind nicht selten Mißhelligkeiten und Streitigkeiten aller Art getreten, wodurch wir so oft bei unfern Gegnern basb nrrobi geworden, daß eS jeden Freund deS JudenthumS hoch erfreuen muß, auch einmal von Beweisen der Anhänglichkeit und der innigsten Verehrung Seitens der Gemeinde gegen ihren Rabbiner zu vernehmen. — Aus diesem Grunde erlauben wir uns über ein schönes, erhebendes Fest, das am 18. v. M. in Gudensberg bei Kassel gefeiert ward, in diesen vielgelesenen Blättern zu berichten. Am genannten Tage waren eS gerade 25 Jahre, seitdem der Kreisrabbiner Herr Wetzlar dortselbst sein Amt angetreten hat. ES waren daher zu diesem Tage Schüler, Freunde und Verehrer deS Herrn Wetzlar von allen Seiten, von Nah und Fern, herbeigeströmt; Gratulationsbriefe, Gedichte und Geschenke langten aus den verschiedensten, mitunter sehr fernen Orten an. Auch vom Landrabbinate, sowie vom Vorsteheramte zu Kassel erfolgten amtliche Anerkennungsschreiben. Die Reihe der Festlichkeiten am 18. eröffneten mehrere gut geleitete Gesänge, durch welche der Jubilar in früher Morgenstunde überrascht ward. Darauf füllten Deputationen, Glückwünsche und Geschenke darbringend, vom Morgen bis Mittag daS HauS. Nachmittags vereinigte ein Festessen im Rathhaussaale den Jubilar und seine Freunde. Beim Eintritt in den festlich decorirten Saal ward der Gefeierte abermals durch Gesänge und den Vortrag eines Festgedichtes begrüßt; hierauf hielt der Herr Kreisvorsteher eine Anrede, in welcher er im Namen des Kreises, der Gemeinde und der zahlreichen Anwesenden seine Gefühle und Glückwünsche ausdrückte. Zugleich überreichte derselbe als Angebinde ein Werthpapier im Betrage von 200 Thalern nebst einem silbernen Candelaber; die Lehrer deS Kreises überreichten eine goldene Kette, die Schulkinder einen prachtvollen Sessel. Die man, sowie noch einige Gemeinden deS Kreises übergaben ebenfalls werthvolle Geschenke. Die verschiedensten Toaste in gebundener und freier Rede, von welchen der erste dem Landesherrn galt, würzten daS Mahl. Alles hatte sich beeifert, dem Feste so viel Glanz alS möglich zu verleihen; die ganze Stadt hatte ein festliches Gewand angelegt.