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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-06-04 · Heft 23 (4.6.1855) · p. Seite 293

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 23 (4.6.1855)
Date
1855-06-04
Page
Seite 293 (sequence 3)
Language
German
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293 spruch der Aerzte bestätigt es, daß die Unterlassung der Meziza eben so wenig Gefahr bringe, als die Unrerlaffung des warmen Bades; und ich frage nun meine frommen Amtsbrüder recht ernstlich: ob sie cs vor ihrem religiösen Gewissen verantworten können, die Meziza noch fortbestehen, und dadurch bei jeder Bcschneidung am Sabbath ein ‘ticpn thun zu lassen? Fasse!. Zeitungsnachrichten. Palästina. Für die Armen Ln Palästina. Von LI. N. in O. 1 Thlr. Von Herrn 8. Sabelson in Petershagen 68 Thlr.; von Herrn G. M. Lindemeyer 2 Thlr. Die Redaction. Deutschland. Hannover, 25. Mai. (Privatmitth.) Vor einigen Tagen kam Sir MoseS Montefiore auf seiner Reise von Paris nach Jerusalem hier durch. Er geht zunächst nach Konstantinopel, wo er bei dem Sultan Audienz haben wird und begiebt sich dann, jetzt bereits zum vierten Male, nach Jerusalem. Hier weilte er nur kurze Zeit, stattete der nunmehr beinahe neunzigjährigen Mutter des Oberrabbiners Dr. Adler einen Besuch ab und beschenkte sie mit einem sehr werthvollen silbernen Schreibzeuge. In seiner Begleitung befanden sich außer seiner alle Strapazen seiner Reise theilenden Gattin, Lady Judith Monrefiore, noch der Erecutor des Touro'schen Testaments nebst Gemahlin aus New-Orleans und Dr. Löwe, der künftige Direktor deS Londoner Seminars, der Herrn Montefiore bekanntlich schon früher auf seinen Reisen begleitet hatte. Mit einem Capirale von 29,000 Pfd. Sterling, bestehend aus 19,000 Pfd., welche durch Sammlung für unsere nothleidenden Glaubensgenossen in Palästina bei Sir Moses eingegangen find, und aus 10,000 Pfd., welche ihm der Erecutor des Touro'schen Testaments zur freien Verfügung gestellt hat, beabsichtigt derselbe, wie uns Herr vr. Löwe mitgetheilt hat, in Jerusalem eine Ackerbau-Colonie, eine Weberei, ein jüdisches Hospital und ein Leihhaus für verarmte Israeliten zu gründen und hofft er, im Monate Elul wieder von seiner Reise zurückgekehrt zu sein. — Ueber das in London nach dem Laubhüttenfeste ins Leben tretende College erfuhren wir, daß dasselbe auS zwei Abtheilungen bestehen werbe, von denen die eine für Rabbiner, Lehrer und Chasanim bestimmt sein, die andere dagegen mehr einer Art Progymnasium und höheren Bürgerschule entsprechen soll. Als zweiter Lehrer für das hebräische Fach ist Herr Dr. Bar, bisher Lehrer in Seesen, engagirt. — Zunz weilte vor Kurzem in London und begiebt sich von da nach Orford. Er scheint mit der Fortsetzung seines neuesten Werkes beschäftigt, die gewiß wieder reichen Stoff zu ferneren Studien bieten und den Gelehrten zu neuer Thätigkeit Veranlassung geben wird. Kassel, im Mai. (Privatmitth.) Am 1. d. M. starb hier der Banquier Philipp Feidel im kaum vollendeten 52. Lebensjahre. In ihm verliert unsre Gemeinde eines ihrer bravsten, werkthärigsten Mitglieder. Er war während eines Zeitraums von 28 Jahren ununterbrochen Secretair der Gesellschaft der Humanität, seit vielen Jahren KreiSvorfteher, Mitglied des Kurfürstlichen VorsteheramreS der Provinz Niederhessen und Mitglied des Schulvorstandes. Unter seinen Papieren fand seine Familie eine letztwillige, gerichtlich nicht festgestellte Willensäußerung des Verewigten, wonach er 20,000 Thlr. zur Gründung eines israelitischen Waisenhauses bestimmte und seinen Bruder, Herrn Albrecht Feidel, sowie seine beiden Schwäger, die Herren Samson Seelig und Rüben EliaS Goldschmidt zu Vollstreckern derselben ernannte. Die dabei belheiligten Familienglieder haben dieselbe bald bekannt werden lassen und dadurch zur Verklärung des Schmerzes, der Nah und Fern ergriffen hat, nicht wenig beigetragen. Die genannten Vollstrecker werden die Sache demnächst in Angriff nehmen, und eS ist ein um so schönerer Erfolg zu erwarten, als sie, dem Vernehmen nach, an eine zur Ausführung etwa nöthige Erweiterung des angegebenen Grundfonds in edler Bethätigung ernstlich denken sollen. Nach dem Hinscheiden seiner würdigen, alten Mutter, die der Verewigte vor einigen Monaten mir zu Grabe geleitete, hat er sich seinem Herzensfreunde gegenüber, einem der genannten Herren, geäußert, daß er nunmehr seine Absicht bei seinen Lebzeiten zu verwirklichen gedenke. Im Rathschlusse Gottes war eS anders beschlossen. Die oben genannten Aemter, welche der Heimge- 23*

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