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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1855-06-04 · Heft 23 (4.6.1855) · p. Seite 292

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
19 (1855)
Issue
Heft 23 (4.6.1855)
Date
1855-06-04
Page
Seite 292 (sequence 2)
Language
German
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292 A. F. Petavel in Neufchatel. Dasselbe, von einem Privatschreiben begleitet, ist uns jetzt auch zugekommen. Wir nehmen es Niemandem übel, wenn er fiir seine Religion eingenommen ist — denn dies beanspruchen wir für uns auch — auch nicht wenn er glaubt, daß sich einst alle Welt zu ihr bekennen werde — denn auch dies glauben wir von der unsrigen — wir find cs auch gewohnt, daß man uns bekehren will — obschon wir Juden bekanntlich gleiches Streben nicht haben, sondern dies der Entwickelung des Geistes und der Kraft der Wahrheit überlassen — aber daß Jemand nach so vielen Erfahrungen noch glaubt, durch Conferenzcn und Discusfionen zu einem Verständniß in religiösen Fragen zu gelangen, halten wir für eine Beschränktheit, wenn nicht überhaupt der Wille dahintersteckt, Aussehen zu erregen. Dabei enthält die „Ansprache an das Haus Israel" des Herrn Professor Petavel nicht einmal etwas Geistreiches und nichts Neues. — Wir sagen dem Herrn Professor Petavel einfach: erst verständigt Ihr Euch untereinander! Ich glaube, das wird etwas schwer halten, wenn auch der Herr Professor mit Zuverficht davon spricht. In Preußen sehen wir wenigstens, wie „die evangelische Union" ins Wanken gekommen, jedenfalls aber, da die Reformirten, Evangelischen, Altluthcraner rc. noch neben der Union bestehen und mit neuem Vigor arbeiten, ist durch die „Union" nichts weiter als eine Kirche mehr geschaffen. Nun geht nach England erst, und denken wir dann an die beiden großen, gewaltigen katholischen Kirchen. Also können wir Juden wohl jedes theologische Gezänk vor der Hand noch abweisen... Und dann „Conferenzcn zur Verständigung"! Was versteht der Mann darunter? In seinem Privatschreiben an uns, so schmeichelhaft sonst, heißt es doch: „Möge die göttliche Wahrheit, welche die Seele des Christenthums ist, in die Seele des Judenthums übergehen!" Wie gesagt, wir finden es sehr lobenswerth, daß dies Ihre Ueberzeugung ist, Herr Professor, aber wie Sie mit einer solchen eine „Verständigung", wie Sie, indem Sie uns das sagen, nur eine „Confercnz" mit uns herbeizuführen gedenken, heißt doch zu wenig Logik befitzen. In Ihrer Adresse heißt es: „Es hat in Eurem Schoße ein Mensch eristirt, welcher zu sagen gewagt, daß er von Seiten Gottes die Misfion habe, die ganze Welt zu richten, aber zu gleicher Zeit hat er erklärt, daß er, bevor er gegen die Uebertreter das Urtheil der Verdammniß und des Todes ausspräche, käme, er, der keine Sünde begangen, die Strafe zu Gunsten derer, die bereueten und an ihn glaubten, zu tragen, welche fie verdient hatten." Nun, wir haben nichts dagegen, daß dies Ihre Ueberzeugung sei, wir werden auch nicht im Entferntesten versuchen, Ihnen zu zeigen, wie jedes Wort unsrer heiligen Schrift dagegen spricht — aber daß Sie mit dieser Ueberzeugung in der Hand vermeinen können, die Juden zu einer Conserenz zu überreden, und in dieser zu einer Verständigung zu kommen, scheint mir noch schwerer zu begreifen. Gr. Kanischa, im Mai. Kur Keschneidung. In Nr. 19. d. Bl. wird vom Medicinalrath Herrn Dt\ Niemann nachgewiesen — was schon oft geschehen ist — daß die Meziza gefahrbringend sei, und darauf gedrungen, dieselbe für immer abzuschaffen und polizeilich zu verbieten. Ich erlaube mir, zu diesem Folgendes zu bemerken: Gesetzt, die Meziza sei ganz unschädlich und sei gar nicht unästhetisch, wenigstens hat die Erfahrung gelehrt, daß die Unterlassung derselben dem beschnittenen Kinde keinen Nachtheil bringt. In Wien ist die Meziza seit mehr als 30 Jahren abgeschafft. Ebenfalls ist fie in Frankreich entfernt. Seit 16 Jahren lasse ich fie in meinem Rabbinate nicht vollziehen: und noch hat fich bei den Tausenden Kindern, die in diesen Orten beschnitten worden find, kein Nachtheil aus der Unterlassung der Meziza gezeigt. Nun heißt es im : „Zu den Zeiten des Talmuds war es gefährlich, wenn das Kind nicht in warmem Wasser gebadet wurde, vor, nach und am dritten Tage nach der Beschneidung, darum mußte auch solches am Sabbath geschehen; in jetziger Zeit aber wird das Kind nicht mehr gebadet u. s. w." (Orach Chajim 331, 9.) Was würde ein orthodoxer Rabbiner sagen, wenn Jemand ließe am Sabbath Feuer machen, um dem zu beschneidenden Kinde ein warmes Bad zu bereiten? Müßte er nicht über bib^rt roo schreien? Aber der Talmud erlaubt ja solches nicht nur, sondern gebietet es sogar! Ja, müßte er antworten, zu den Zeiten des Talmuds war die Unterlassung des warmen Bades gefährlich; diese Gefahr aber hat aufgehört. Das Aussaugen des Blutes der Beschneidungswunde am Sabbath erklärt der Talmud als wahre N2«b72, und muß fie nur darum am Sabbath geschehen, weil die Unterlassung dem Kinde Gefahr bringt-(Siehe Schabbath 133, 6 und Raschi das.). Aber die Erfahrung hat es gelehrt, und der Aus-

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